Ausdrucksstark : Lieder voller Glaube, Liebe und Hoffnung

Musikalischer Dialog mit Akkordeon, Kontrabass und Klarinette: Sabine Lempelius und Gerhard Breier begeisterten als Duo „Zhok“ mit Klezmer-Titeln und jüdischen Liedern.
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Musikalischer Dialog mit Akkordeon, Kontrabass und Klarinette: Sabine Lempelius und Gerhard Breier begeisterten als Duo „Zhok“ mit Klezmer-Titeln und jüdischen Liedern.

Konzert mit Duo „Zhok“ zum Holocaust-Gedenktag

shz.de von
30. Januar 2018, 10:49 Uhr

„Hörst du wie die Geige schluchzend spielt?“, heißt es im Todestango, einem jüdischen Lied, das im Lager Janow 1942 verfasst wurde. Dieses Lied sowie 18 weitere unter die Haut gehende Stücke führte das Duo Zhok in der Erlöserkirche in Owschlag auf. Das Programm des Abends war speziell auf den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee zusammengestellt.

„Die Musik, die das Duo Zhok mitbringt, kann beides: Von der Trauer und dem Schmerz erzählen und die Lust auf das Leben wecken,“ moderierte Pastor Christian Bingel seine Gäste an. Davon konnten sich die etwa 50 Besucher überzeugen. Vom ersten Stück an zog das Duo, bestehend aus Sabine Lempelius und Gerhard Breier, das Publikum in seinen Bann. Bei den instrumentalen Klezmer-Stücken ließ Breier abwechselnd Klarinette oder Kontrabass gefühlvoll „singen“, im Dialog mit der von Lempelius gespielten Geige oder dem Akkordeon.

Die Besetzung als „Doppel-Duo“ bot reichlich Abwechslung. Die jiddischen Lieder sorgten für viele Gänsehaut-Momente. Zum einen berührte die wunderschöne Stimme von Lempelius, die mal ganz leise, mal ganz laut die Lieder ausdrucksstark intonierte und zum anderen waren es die Texte selbst.

Viele der jüdischen Lieder wie zum Beispiel „Den Spaten geschultert“, „Gelungene Flucht“ oder „Wir leben ewig“ sind hinter Stacheldrahtzäunen in Lagern entstanden und geben Zeugnis vom Unglück, aber auch vom Überlebenswillen der Internierten. Jedes Stück moderierte das Duo an oder las zu den Instrumentalstücken die Texte im Vorfeld vor. „Glaube, Liebe und Hoffnung spricht aus vielen jiddischen Liedern“, erläuterte Breier.

Zum Ausklang spielten die Musiker „Still, die Nacht ist voller Sterne“, ein Partisanen-Stück von dem jüdischen Poeten und Partisanen Hirsch Glik. Hier bewältigte Breier das Kunststück mit Kontrabass im Arm und Klarinette im Mund harmonisch mit dem von Lempelius beeindruckend fingerfertig gespielten Akkordeon in den Dialog zu treten.

Es gab stehenden Applaus. Das Publikum war berührt und begeistert. „Es war unglaublich und sehr emotional“, freute sich Anne Henning, die mit ihrer Freundin aus Eckernförde angereist war, über dieses Konzerterlebnis. Eine weitere Gelegenheit das Duo Zhok mit Klezmer und jiddischen Liedern zu erleben, gibt es am 10. Februar um 20 Uhr in der Bethlehem-Kirche in Friedrichsort.

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