zur Navigation springen

„Musik in uns“ : Lieder für Herz, Hände und Beine

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Künstler mit und ohne Handicap rocken zusammen in der Nordmarkhalle.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 14:06 Uhr

„Musik in uns“ ist ein Projekt der Werkstätten Rendsburg-Fockbek. 16 Musikbegeisterte aus dem ganzen Land hatten bereits im März mit „Godewind“ bei einem dreitägigen Workshop im Martinshaus ein Programm ausgesucht und geprobt, das es in sich hatte: Songs und Schlager, die unter die Haut gehen. So, wie sie am Sonnabend auf der großen Bühne der sehr gut besuchten Nordmarkhalle erklangen, ließen sie niemanden unberührt.


Viele Songs drehten sich um die Liebe


Das Publikum im Bullentempel machte mit und genoss die unbekümmerte-freie Art, mit der hier Musik gemacht wurde. Ein halbes Jahr war seit dem Auftakt der Vorbereitungen unter Leitung von Birgit Schatz vergangen. Nun wurde es ernst: Nordmarkhalle, große Werbung, zum Schluss mit Stefan Gwildis ein bundesweit bekannter Name auf der Bühne. „Heartfire“ – auf diesen Namen hatten sich Mitglieder der Band in diesem Jahr festgelegt. Und auf ein Programm, das jeden bewegte.

„,Heartfire‘, weil wir alle brennen“, kündigte Moderator Wolfgang Mau die Band an. Vorab gab es noch einen kurzen Auftritt von „Godewind“ mit einigen Titeln aus ihrer gerade neu veröffentlichten CD „Wind und Meer“. Bereits seit zehn Jahren (das Jubiläum blieb unerwähnt) arbeiten „Godewind“, allen voran Anja Bublitz (Gesang) und Heiko Reese (Schlagzeug), mit den Rendsburger Werkstätten zusammen und sorgen gegenseitig für Glücksgefühle. Auf der Bühne wirkte „Heartfire“ – alles Menschen mit Behinderung – gelassen und sicher. Nichts war mehr zu spüren von der anfänglichen Aufregung. Die Musik ging direkt in Herz, Hände und Beine: Lieder, die Spaß machten und allen gefielen. So unterschiedlich wie die Künstler ist ihr Musikgeschmack. Sie präsentierten eine große Vielfalt: „Wenn wir uns begegnen“ mit Chorgesang, „Mein Herz brennt“ zum Mitklatschen.

Alle sangen auswendig, ausgelassene Stimmung von Anfang an. Ehrlich gemachte Musik, auch wenn es ernst wurde wie in Vanessa Mais „Ich sterb‘ für Dich“. Viele Songs drehten sich um die Liebe. Ein Publikumshit zum Mitmachen war Joachim Witts „Der goldenen Reiter“. Zum Schluss gab es aus dem Dschungelbuch „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ und als Zugabe „Ein Hoch auf uns“ mit Lichtshow: Bravo! Pause.


Stefan Gwildis suchte den Kontakt zum Publikum


Der zweite Teil des Abends gehörte Stefan Gwildis. Der Soulsänger aus Hamburg, der bereits 1995 sein erstes Album veröffentlichte, zeigte sich professionell, einfühlsam, einfallsreich – einfach gut. Auch, wie er den Kontakt zu den Menschen suchte. Für ihn waren alle „Brüder und Schwestern“, die er zum Mitmachen animierte. Buchstäblich: Friederike aus Kiel und Betty aus Husum sangen mit ihm eindrucksvoll ins Mikrofon. Feinsinnig, aber auch melancholisch angehaucht, beleuchtete Gwildis die Liebe und das Leben („Sie lässt mich nicht mehr los“).

Für einen Teil des Publikums vor der Bühne war das Ganze wohl etwas zu verschlüsselt – jedenfalls unterhielt man sich unbekümmert und unbeirrt laut, was bei den sanften Gwildis-Titeln wirklich störte. Super Blues, super Soulfeeling, super Musiker und Könner seines Fachs – aber im Ausdruck für diesen Abend nicht massiv genug, erreichte Stefan Gwildis‘ melancholische Lebensfreude nicht alle im Publikum. Schade. Doch die stillen Stars des Abends waren ohnehin andere. „Ein ganz wunderbarer Moment“, sagte Organisatorin Birgit Schatz nach dem Konzert und meinte den Auftritt von „Heartfire“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen