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Landeszeitung

19. August 2017 | 23:04 Uhr

Theater : Liebe und Neid auf Gut Hanerau

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Abenteuer geht weiter: Auf dem Gut Hanerau hatte der zweite Teil der Schimmelreiter-Trilogie Premiere. Die Zuschauer feierten das Stück mit tosendem Applaus.

„Op Jeversand een witt Peerd steiht, eia weia wech“: Kinder stehen im Kreis und zählen diesen Reim auf, während sich die Tür der alten Scheune auf dem Gut in Hanerau-Hademarschen öffnet und die Zuschauer einlässt. Mit Betreten des Raumes scheint die Welt um einen zu verschwinden und man findet sich in einer längst vergangenen Zeit wieder. Gebannt schaut man dem jungen Hauke Haien beim Nachbauen eines Deiches aus Stöckern zu, lauscht den Kindern beim Aufsagen der Verse und schon ist man mittendrin in der Geschichte des Schimmelreiters.

Die Premiere des zweiten Teils der Theatertrilogie „Der junge Deichgraf“ war ein voller Erfolg. Mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen feierte das Publikum die Inszenierung und zollte sowohl den Darstellern als auch den Machern ihre Anerkennung für die dargebrachte Leistung. Eine Leistung, die nicht von ungefähr kommt: Monatelang arbeitete und probte der Hamburger Theaterregisseur Frank Düwel intensiv mit den Darstellern, die aus Hanerau-Hademarschen und der näheren Umgebung kommen und viel Freizeit für dieses Projekt aufwendeten. Ebenso lang tüftelten viele freiwillige Helfer an den Kostümen und Requisiten.

„Was er aus jedem einzelnen von uns herausgeholt hat, ist enorm“, erzählt Jochen Frahm, der in dem Stück den Pastor Onken spielt. Es ist die Hingabe, Leidenschaft und Spielfreude der Laiendarsteller, die die Aufführung so lebendig und authentisch werden lassen. Jedem einzelnen Charakter nimmt man seine Rolle ab. Mitunter zugespitzt, aber nie überzogen zeigen die Schauspieler die Menschen und ihre Eigenarten, drücken deren Gefühle, Sorgen, Nöte und Gedanken aus. Eben noch ausgelassen und heiter folgen Momente der Stille. Fröhlichkeit weicht der Trauer, Freude wechselt mit Melancholie und Nachdenklichkeit, Romantik mit Neid und Missgunst. Die Spannung bleibt dabei die ganze Zeit erhalten.

Frank Düwel lässt nur wenige Sätze aus dem Werk von Storm sprechen und doch wird jedem klar, worum es geht. Die klug aufgebauten Szenen kommen ohne aufwendiges Bühnenbild aus. Mit nur wenigen Requisiten setzen die Darsteller allein nur durch ihren Auftritt die bildhafte Sprache des Dichters Theodor Storm in echte Bilder um. Der Klang von brandenden Nordseewellen und mystische Geräusche gepaart mit dem Spiel des Lichts schaffen eine einzigartige Atmosphäre, die einen in den Bann zieht. Fast kann man das salzige Meer riechen, den Deich und die Dorfbewohner sehen, die alles andere als einverstanden mit der Heirat von Elke Volkerts und dem Kleinknecht Hauke Haien sind. Und dann erhält er auch noch den bei allen so begehrten Posten des Deichgrafens. Er, der doch nichts hat.

„Es ist alles vorhanden, was gutes Theater ausmacht: Spannung, Dramatik, Liebe, Intrigen und Neid“, fasst der Hamburger Schauspieler Sven Dahlem zusammen, der im vergangenen Jahr als Theodor Storm die Gäste auf Gut Hanerau begrüßte. Mit dem Auftritt des echten Schimmels „Lacano“ sorgte Düwel für einen Überraschungsmoment, genial gelöst auch das Zusammenspiel des jungen Haukes mit dem erwachsenen Hauke, der den Deichgrafen an seine Idee von einem neuen Deich erinnert. Mit diesen Szenen arbeiten Frank Düwel und sein Dramaturg Manfred Scharfenstein bereits auf den dritten Teil „Stolz und Abgrund“ hin, der im nächsten Jahr aufgeführt und den krönenden Abschluss der Trilogie bilden wird.

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