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Erfde : Liebe auf den ersten Blick zu den Limousin-Rindern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seit seiner Kindheit schlägt das Herz von Jan Bielfeldt für die französische Rinderrasse. Inzwischen beschäftigt er sich hauptberuflich damit.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 15:00 Uhr

Es war Liebe auf den ersten Blick bei Jan Bielfeldt und den Limousin-Rindern. Seine erste Begegnung mit den Tieren hatte der heute 39-Jährige schon als kleiner Junge. Weil die rotbraunen Rinder ihn so begeisterten, bekam er kurze Zeit später – zu Weihnachten 1987 – ein neun Monate altes Tier von seinen Onkeln geschenkt. „Es hieß Lina und war sehr wild, als es an Heiligabend da in der Diele stand“, so Bielfeldt. „Doch schon eine Woche später lief es mir wie ein Dackel hinterher, wir sind zusammen spazieren gegangen und ich konnte sogar auf ihm reiten.“ Lina war das erste Limousin-Rind von vielen, die es seither auf dem Hof der Bielfeldts in Bargen geben sollte.

Mittlerweile betreibt Bielfeldt zusammen mit Frank Rahn eine Zuchtgemeinschaft auf dem Hof seiner Onkel Frenz-Jakob und Ernst. Etwa 40 Kühe samt ihrem Nachwuchs werden in Gruppen in vier Ställen und auf 25 Hektar Grünland gehalten. „Uns ist wichtig, dass die Tiere Platz haben und sich wohlfühlen“, so Jan Bielfeldt. Deshalb werde auf dem Hof auch auf eine Haltung auf Spaltböden verzichtet – die Kühe und Kälber können auf Stroh liegen. „Es ist nachgewiesen, dass sich die Tiere auf Stroh wesentlich besser entwickeln“, so der 39-Jährige weiter. Man merke das unter anderem an der Fleischqualität. Und genau dafür werden die Limousins gezüchtet: Sie sind eine Fleischrinderrasse. „Sie eignen sich zur Einkreuzung in andere Rassen und haben gute Masteigenschaften“, zählt Jan Bielfeldt auf. „Sie zeichnen sich außerdem durch leichte Geburten, wenig Fett und eine gute Fleischqualität aus. Limousins sind recht genügsam und kommen auch mit weniger guten Standorten aus.“

Ursprünglich stammt die Rasse aus der gleichnamigen Region Limousin in Frankreich. Auch Lina wurde seinerzeit noch aus dem Nachbarland importiert. Mittlerweile sieht man die Rinder immer häufiger auch auf Schleswig-Holsteins Weiden. Dass das nicht immer so war, daran erinnert sich auch Ernst Bielfeldt: „Ich war schon in Luxemburg, Frankreich und der Schweiz, um von dort Tiere zu importieren. Ohne die Limousins wäre ich dort niemals hingekommen.“ Die weiteste Reise führte ihn jedoch nach Kanada, in den Jahren 1998 und 1999. Damals erfuhren die Bielfeldts, auf deren Hof seit Mitte der 1990er-Jahre nur noch Limousins gehalten werden, von hornlosen Tieren, die in der Nähe von Toronto vorkamen. Insgesamt elf dieser Limousins importierten die Landwirte, um auch ihre Rinder in Erfde zu einer genetischen Hornlosigkeit zu züchten. „Dadurch ersparen wir den Tieren und uns das Entfernen der Hörner. Für uns gehört das zum Tierschutz-Gedanken“, erklärt Jan Bielfeldt. Die Hörner würden den Tieren auf seinem Hof entfernt, damit sie weder sich untereinander verletzten noch den Menschen damit gefährlich werden können.

An sich gelten Limousins aber als ruhige, umgängliche Rinder - obwohl sie rein optisch Eindruck schinden: Bullen können bis zu 1200 Kilogramm schwer werden, Kühe immerhin 800 Kilogramm. Die älteste Kuh, die je auf dem Hof der Bielfeldts lebte, wurde 14 Jahre alt. „Die beste Zeit haben sie allerdings mit etwa sieben, acht Jahren hinter sich“, so Jan Bielfeldt. Vorher werden die Tiere allerdings verkauft. „Wir sind züchterisch einer der führenden Betriebe in Deutschland. Unsere Tiere vermarkten wir dementsprechend in ganz Schleswig-Holstein, Deutschland, und sogar ins Ausland“, berichtet Bielfeldt. Drei bis vier Tiere werden jedes Jahr auch zur Selbstvermarktung geschlachtet: Das Fleisch wird in Achtel-Rindern verkauft, das sind etwa 40 Kilogramm. Die Nachfrage sei steigend, weil regionale Produkte immer gefragter seien, so Bielfeldt. Er selbst isst Limousin-Fleisch am liebsten als gegrilltes T-Bone-Steak: „Es gibt nichts Besseres.“

Mit den Tieren werde er immer verbunden bleiben. Er hofft, dass in zehn Jahren Frank Rahn und dessen Sohn den Betrieb leiten und er selbst als Zuchtstratege mit einem guten Netzwerk im Hintergrund arbeiten kann. Ihn habe der Limousin-Virus befallen, andere Rinder möchte er nicht mehr haben, so der zweifache Vater.

 

 

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