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Rendsburg-Osterrönfeld : Letzte Chance für den Schwebefähren-Ersatz über den NOK

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach den Osterferien pendelt die „Falckenstein“ wieder über den Kanal. Bleiben die Passagierzahlen schlecht, wird der Shuttle eingestellt.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2017 | 13:16 Uhr

Rendsburg | Es ist der nächste und wohl auch letzte Versuch, die Ersatzfähre „Falckenstein“ für Schüler, Berufspendler und Urlauber attraktiv zu machen. Am Montag, 24. April, nimmt der in Kiel stationierte Schlepper den Pendelverkehr über den Kanal wieder auf. Bis zu den Sommerferien werden Fußgänger und Radfahrer kostenlos von Rendsburg nach Osterrönfeld und zurück befördert. Sollten die Passagierzahlen in dieser Zeit nicht deutlich ansteigen, wird der Shuttle mit hoher Wahrscheinlichkeit eingestellt.

Die Rendsburger Schwebefähre wurde bei einem Unfall so schwer beschädigt, dass ein Neubau bestellt wurde. Das Bundesverkehrsministerium hatte für die Phase der Bauzeit einen dauerhaften Ersatzverkehr auf dem Wasser in Aussicht gestellt.

Zu hoch sind die Kosten pro transportierter Person. „Die Querung durch den Fußgängertunnel kostet praktisch nichts, die Fahrt des Schülers mit der Ersatzfähre im Augenblick 18 Euro“, sagt Matthias Visser, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau. Auch Osterrönfelds Bürgermeister Bernd Sienknecht gibt dem Schiff nur noch eine Chance: „Wenn die Fahrgastzahlen nicht merklich nach oben gehen, vermute ich, dass die Fährverbindung zu den Sommerferien eingestellt wird.“

Für die An- und Abreise der „Falckenstein“ von und nach Kiel muss die Kanalverwaltung jeweils 3000 Euro an die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK) überweisen. Für jeden Einsatztag auf dem Kanal fallen weitere 2200 Euro an. Die Gesamtkosten nach 96 Tagen im Dienst zwischen Juni und Weihnachten vergangenen Jahres betragen demnach 232.200 Euro.

Bei kargem Ertrag. In den Herbstmonaten nutzten nur durchschnittlich 112 Fahrgäste am Tag den Pendeldienst zwischen dem Rendsburger Kreishafen und dem Anleger am Rendsburg Port auf Osterrönfelder Seite schräg gegenüber. In der Zeitspanne davor waren es – auf der westlichen Route – im Schnitt 202. Die Zahlen stehen in keinem Vergleich zum Pensum der Schwebefähre, die das Schiff eigentlich ersetzen soll. Rund 1700 Personen täglich nutzten das historische Verkehrsmittel, das beim Zusammenstoß mit einem Frachter Anfang 2016 zerstört wurde.

Ein Foto aus besseren Tagen: 1700 Menschen und 350 Autos hat die Schwebefähre täglich befördert.

Ein Foto aus besseren Tagen: 1700 Menschen und 350 Autos hat die Schwebefähre täglich befördert.

Foto: Archiv dpa
 

Ein Grund für den geringen Zuspruch könnte die mangelnde Verlässlichkeit der „Falckenstein“ sein. Anders als die Schwebefähre, die bei freiem Kanal alle 7,5 Minuten ablegte, fährt das Schiff nach Bedarf – wie alle anderen Kanalfähren auch. Das bedeutet: Die „Falckenstein“ sticht in See, sobald Personen an Bord sind oder am anderen Ufer welche warten. Dass die Ersatzfähre so verkehrt, sei in einer Arbeitsgruppe mit dem Kreis sowie den Bürgermeistern von Rendsburg und Osterrönfeld vereinbart worden, erklärt Visser.

Bernd Sienknecht, der Ortschef im Süden, hat inzwischen Zweifel an diesem System. Er habe von Leuten gehört, die 30 Minuten auf die Ersatzfähre warten mussten. „Das ist dann keine Alternative zum Tunnel.“ Sienknecht appelliert an die Schüler und Berufstätigen seiner Gemeinde, den Wasserweg ab dem 24. April kräftig zu nutzen. Und von der Kanalverwaltung fordert er, sich dem früheren Takt der Schwebefähre zumindest anzunähern. WSA-Sprecher Visser signalisiert Bereitschaft. „Wenn die Arbeitsgruppe das so haben will, dann machen wir das so. Es ist das Bestreben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, den weiteren Ersatzfährbetrieb im Sommer weiter zu optimieren.“ Gleichzeitig wies Visser auf die begrenzten Möglichkeiten einer Personenfähre hin. Den Fußgängertunnel nutzen in einer Stunde am Morgen nach seinen Angaben bis zu 700 Radfahrer. „Es kommen schon ein paar Radfahrer zusammen, die in einem Rutsch transportiert werden wollen.“

 

 
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