zur Navigation springen

Storm-Geschichten in Hanerau-Hademarschen : Lesungen mit Kuchen und Kerzenschein

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hartmut Schalke präsentiert im Hademarscher Heimatmuseum die neue Lese-Reihe.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Schon seit 18 Jahren gehören die Storm-Lesungen bei Kaffee, Kuchen und Kerzenschein in der Storm-Stube des Hademarscher Heimatmuseums zum festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders des Schleswig-Holsteinischen Heimatverbunds, Ortsverein Hanerau-Hademarschen. Und sie sind beliebt: Aus ganz Schleswig-Holstein und sogar aus Hamburg kommen die Zuhörer angereist, um in der einzigartigen Atmosphäre den Geschichten und Gedichten, vorgetragen von Hartmut Schalke, zu lauschen.

Neben den alle zwei Jahre stattfindenen Schimmelreitertagen und dem jährlichen Stormtag sind die Lesungen nicht nur eine feste Größe geworden, sie dienen dem selbst gesetzten Ziel des Heimatbundes, Theodor Storm in der Bevölkerung der Gemeinde bekannt und populär zu machen. „Denn viele Jahre fristete der Dichter in Hademarschen ein Schattendasein“, erinnert sich Schalke. Spätestens mit den beiden Aufführungen der Schimmelreitertrilogie dürfte sich das geändert haben. Mittlerweile ist der Schimmelreiter-Ort auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus bekannt.

Die vorgelesenen Geschichten zeigten immer wieder die vielseitige Erzählkunst des Dichters. „Bisher habe ich meist unbekannte oder wenige bekannte Geschichten von ihm vorgetragen, jetzt kommen die Klassiker“, kündigt Storm-Experte Hartmut Schalke für die neuen Storm-Lesungen an. Mit „Pole Poppenspäler“ und „Ein Doppelgänger“ können sich die Zuhörer auf zwei bekannte Storm-Novellen freuen.

„Besonders Pole Poppenspäler ist wie der Schimmelreiter weltberühmt“, erzählt Schalke. Beide Geschichten verbinden drei Orte miteinander, in denen Storm gelebt und gearbeitet hat. In Pole Poppenspäler sind Husum (Storms Geburtsort) und das thüringische Bad Heiligenstadt, wo Storm von 1856 bis 1864 als Kreisrichter arbeitete und mit seiner Familie lebte, Schauplätze des Geschehens. Der Kreis schließt sich mit der Geschichte „Ein Doppelgänger“, die Theodor Storm an seinem Altersruhesitz in Hademarschen verfasste. In beiden Geschichten wirft der Dichter einen kritischen Blick auf das bürgerliche Leben und die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft. „Wandernde Puppenspieler galten als Außenseiter“, weiß Schalke. Aus diesem konfliktträchtigen Grundgegensatz entwickle sich die Handlung der Novelle, die auch eine feine Liebesgeschichte sei, die am Ende versöhnlich stimme.

Im „Doppelgänger“ geht Storm einen Schritt weiter: „Dort ist er ganz nah dran an dem arbeitslosen, armen, schlichten John Hansen, der von der Gesellschaft verstoßen und zu Tode gehetzt wird. Eine Geschichte, die mit den grausamen Darstellungen eher Elemente des Naturalismus als Realismus enthält. Storm beschreibt die krassen sozialen Missstände mit kraftvoller Dichtersprache“, fasst Schalke die Novelle zusammen. Storm liefere eine soziale Anklage, seine Lösung für den Konflikt lautet: Die Idylle des Bürgerlichen.

Zum Markenzeichen des Dichters gehöre das Einbetten der eigentlichen Geschichte in eine Rahmenhandlung. Bei „Ein Doppelgänger“ ist die helle, freundliche bürgerliche Idylle die Rahmengeschichte, der knallharte, dunkle Sozialkonflikt der Kern der Novelle. „Eine Geschichte voller Symbolik“, so Schalke.

Die erste Lesung mit „Pole Poppenspäler“ findet am Sonntag, 2. November, um 16 Uhr statt. Eine Fortsetzung der Geschichte folgt am Sonntag, 7. Dezember. Am Sonntag, 4. Januar 2015 liest Hartmut Schalke den ersten Teil aus „Ein Doppelgänger“ vor, eine Fortsetzung findet am Sonntag, 1. Februar statt, dann wieder mit musikalischer Umrahmung durch die Harfenspielerin Sandra Lorenzen.

Die Lesungen finden jeweils um 16 Uhr in der Storm-Stube des Hademarscher Heimat-Museums statt, dazu gibt es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen nach Storm-Rezepten von Christiane Niemöller.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen