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Kreis Rendsburg-Eckernförde : Lehrwerkstätten stehen zum Verkauf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Kreishandwerkerschaft entscheidet morgen über den Vertrag mit der Flensburger Kammer. Auszubildende müssen sich auf längere Wege einstellen.

shz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 11:29 Uhr

Die Kreishandwerkerschaft will ihre Lehrwerkstätten an der Lundener Straße in Rendsburg verkaufen, weil ihr die Sanierung der Gebäude zu teuer wird. Als Käufer steht die Handwerkskammer Flensburg in den Startlöchern, der das Angebot der Kreishandwerkerschaft gerade recht kommt. Denn sie plant, die überbetriebliche Ausbildung in ihrem Kammerbezirk auf neue Füße zu stellen. Das bedeutet, dass künftig nicht mehr alle Ausbildungsgänge in Rendsburg angeboten werden können. Damit werden zahlreiche Auszubildende weitere Wege für ihre Lehrgänge in Kauf nehmen müssen.

Die 14 Obermeister der Kreishandwerkerschaft Rendsburg-Eckernförde müssen dem Plan während ihrer morgigen Tagung noch mehrheitlich zustimmen. Das gilt jedoch als sicher, denn die Initiative zum Verkauf ging laut der Flensburger Kammer von der Kreishandwerkerschaft aus. Mit 1,1 Millionen Euro steht der Kaufpreis für das dreiteilige Gebäude auf dem 6000-Quadratmeter-Grundstück in dem Rendsburger Gewerbegebiet bereits fest. Der Betrieb soll zum 1. Januar übergeben werden. „Wir sind daran interessiert, dass die Arbeit danach reibungslos weitergeht“, sagte der Leiter der Werkstätten und kommissarische Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Horst Trüpschuch. Er rechnet damit, dass sich der beabsichtigte Verkauf lediglich auf Interna auswirkt, etwa auf die Zentralisierung der Buchhaltung. „Das Personal wird übernommen, das war uns wichtig in den Verhandlungen“, so Trüpschuch. In der Lehrwerkstatt sind 24 Mitarbeiter beschäftigt, 19 davon als Ausbilder und Lehrkräfte. Die Werkstätten bieten 164 Ausbildungsplätze unter anderem für angehende Tischler, Maler, Kraftfahrzeug-Mechatroniker, Elektriker sowie für Lehrlinge in Metall- und Bauberufen. Laut Trüpschuch durchlaufen jährlich rund 1200 junge Frauen und Männer Kurse der überbetrieblichen Ausbildung an der Lundener Straße. Doch die rund 35 Jahre alten Gebäude müssen modernisiert werden, denn sie entsprechen zum Teil nicht mehr heutigen Anforderungen. Ein Gutachten beziffert die Kosten auf 3,4 Millionen Euro. Nach Abzug von Bundes- und Landeszuschüssen bleibt ein Eigenanteil von rund einer Million Euro. Das Geld hat die Kreishandwerkerschaft nicht. „Wir haben energetische Probleme an den Gebäuden, die aus den 80er-Jahren stammen. Und für manche Ausbildungsberufe brauchen wir neueste Maschinen“, sagte Kreishandwerksmeister Thomas Wriedt. Während sich in Rendsburg offenbar Erleichterung breit macht, herrscht in Nordfriesland Alarmstimmung. Dort wollen die Politiker des Kreises unter allen Umständen verhindern, dass die Handwerkskammer die Lehrwerkstätten in Husum und Niebüll übernimmt. Denn an allen Standorten im Bezirk gibt es Fachbereiche, die nur von wenigen Auszubildenden besucht werden. Um eine bessere Ausbildung zu erreichen, wollen die Flensburger diese Gewerke zusammenfassen. Das erklärte Kammer-Geschäftsführer Björn Geertz auf Nachfrage der Landeszeitung. Mit Blick auf einzelne Gewerke in Rendsburg sagte er: „Es wird sicher zu Verlegungen kommen.“ Es sei jedoch noch nicht klar, wann es soweit ist und welche Fachbereiche betroffen sind. „Wir befinden uns in einem Prozess, die überbetriebliche Ausbildung im Kammerbezirk neu zu strukturieren. Dazu finden Gespräche mit den Kreishandwerkerschaften und den Innungen statt“, sagte Björn Geertz.

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