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Lehrlinge aus der Region statten Helsinkis Oper aus

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

48 Schüler des Berufsbildungszentrums haben Praktika in Finnland und Spanien absolviert

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2015 | 13:24 Uhr

Dass Auslandserfahrungen nicht nur etwas für Studenten sind, haben jetzt 48 Schüler des Berufsbildungszentrums am Nord-Ostsee-Kanal gezeigt. Die Lehrlinge bewiesen in finnischen und spanischen Unternehmen drei Wochen lang, was in ihnen steckt – und trafen auf Begeisterung über ihre Fähigkeiten. Für Lehrer Marko Krahmer ein Beweis für die Vorteile des deutschen Modells der dualen Ausbildung in Betrieb und Schule.

„Wir konnten direkt loslegen“, berichten die Tischler-Lehrlinge Louisa Greim (21) und Miriam Shaheen (23) über ihren Aufenthalt in Finnlands Hauptstadt Helsinki. Sie arbeiteten im September und Oktober in der Werkstatt des Opernhauses – und haben dort bleibende Spuren hinterlassen. „Dass wir so schnell zurechtgekommen sind, hat die anderen Mitarbeiter sehr verblüfft“, sagt Louisa. Deshalb gab es schnell einen eigenen Auftrag für die beiden Mädchen im dritten Lehrjahr. „Wir haben Lagerschränke und Aufbewahrungsboxen gebaut und aufgestellt“, erzählt Miriam. „Der Werkstattleiter war von der schnellen Arbeit und der Präzision begeistert“, sagt Louisa stolz. Das brachte ihnen eine besondere Ehre ein – die beiden jungen Handwerkerinnen durften am Bau des Bühnenbildes für das aktuelle Stück „Die kleine Meerjungfrau“ mitwirken.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Europaschule BBZ am NOK Schüler ins Ausland schickt. Der Austausch im EU-Programm Erasmus-Plus mit Finnland läuft bereits seit zwölf Jahren, mit Spanien seit fünf Jahren. Nun wurde das Engagement der Berufsschule an der Herrenstraße mit der „Mobilitäts-Charta“ zertifiziert. Damit sind ihr Fördergelder bis zum Jahr 2020 garantiert – jährlich etwa 100  000 Euro. Lehrer Marko Krahmer koordiniert die Auslandspraktika. Er hat festgestellt, dass die Jugendlichen selbstbewusster und motivierter zurückkehren – und dabei auch noch ihren fachlichen und sprachlichen Horizont erweitern.

Das kann René Dukat (21) bestätigen. Er ist angehender Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik und hat das Praktikum in einem Betrieb in Palma de Mallorca absolviert. „Ich habe teilgenommen, um andere Erfahrungen zu sammeln.“ Die Spanier arbeiten ihm zufolge wegen der höheren Außentemperaturen mit Klimaanlagen anderer Dimensionen als hier. „Ich habe Anlagen gesehen, die wir so nicht bauen“, sagt er. Auch Lasse Kühl (19), Lehrling einer Tischlerei in Brinjahe, hat gute Erfahrungen auf der Mittelmeerinsel gemacht. „Nach zwei Tagen habe ich in meinem Praktikumsbetrieb wie ein Geselle mitgearbeitet.“ Ähnlich ging es Sarah Schnauer (23), die eine Ausbildung zur Bauzeichnerin macht. Diesen Beruf gibt es ihr zufolge in Spanien gar nicht. Ihre mallorquinischen Chefs waren überrascht, wie schnell sie mit dem Computerprogramm der Firma umgehen konnte – obwohl sie doch gar nicht studiert habe. Das Praktikum habe sie auch fachlich weitergebracht. Im Partnerunternehmen ging es vor allem um Gartengestaltung. „In diesem Bereich arbeitet mein Ausbildungsbetrieb gar nicht“, sagt sie.

Besonders beeindruckt sind die Schüler vom kulturellen Unterschied. „Die Arbeitsmoral in Finnland ist viel entspannter“, berichtet Miriam. Es werde mehr Rücksicht auf die Mitarbeiter genommen. Einmal in der Woche unterbrachen die Arbeiter in der Opern-Werkstatt ihre Arbeit für eine Stunde Gymnastik. Und: „Wenn jemand einen Fehler gemacht hat, gab es nicht gleich einen auf den Deckel“, sagt Louisa. Das sei in deutschen Betrieben anders.

Sich mit den Kollegen zu verständigen, sei kein Problem gewesen, zumindest in Finnland. „Dort sprechen alle Englisch“, so Louisa. In Spanien sah das anders aus, die Kommunikation klappte aber Lasse Kühl zufolge „mit Händen und Füßen“.

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