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Idylle in Gefahr : Leere Parzellen verschärfen die Lage der Kleingärtner

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Kleingartenanlage „Saatsee“ hat Probleme: Pachteinnahmen gehen zurück, laufende Kosten bleiben. Nun hoffen die „Gartenfreunde“ auf Entgegenkommen der Stadt.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Die fast perfekte Sommeridylle täuscht. Beim gestrigen Rundgang durch die Anlage „Saatsee“ fällt Bernd-Holger Naujeck sofort die eine oder andere ungepflegte Parzelle auf. Er ist Vorsitzender des Vereins der Gartenfreunde Rendsburg. Auch auf jeder anderen der insgesamt 15 Anlagen des Vereins haben die Kleingärtner mit Leerstand zu kämpfen oder mit Leuten, die sich nicht um ihre Gärten kümmern und sie verwahrlosen lassen. Allmählich drückt aber vor allem der finanzielle Schuh. In der kommenden Woche sind die Kleingartenanlagen Thema im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen der Stadt.

Denn zwölf der 15 von den Gartenfreunden verwalteten Anlagen liegen auf von der Stadt gepachteten Flächen. 13 Cent pro Quadratmeter entrichtet der Verein jährlich an die Stadt – ungeachtet dessen, ob die Parzellen belegt sind oder nicht. Zuletzt blieben die Pachteinnahmen im Jahr 2013 mit knapp 38 000 Euro rund 2000 Euro hinter dem im Rendsburger Haushalt angesetzten Wert zurück. „Wir bezahlen unsere Pacht wie eh und je“, betont Naujeck. Der Verein der Gartenfreunde sei zwar keineswegs verschuldet, die finanzielle Lage sei aber alles andere als rosig, gibt Naujeck zu: „Wir leben derzeit vom Eingemachten – und das wird auch schon immer weniger.“

Speziell die Anlage „Scheibenstand“ im Süden Rendsburgs bereitet den Kleingärtnern immer mehr Kopfzerbrechen. Laut Mitteilungsvorlage liegt der Leerstand dort bei rund 50 Prozent. „Das kommt hin“, meint Naujeck: „Der Scheibenstand drückt auf unser Portemonnaie. Wir würden und wünschen, dass uns diese Anlage von der Tasche genommen wird.“ Auf 7000 bis 8000 Euro schätzt der Gartenfreunde-Vorsitzende das Minus, das die Anlage dem Verein einbrockt. „Es wäre uns eine große Hilfe, wenn wir nur noch für die Parzellen bezahlen müssten, die auch tatsächlich verpachtet sind“, hofft Naujeck auf ein Entgegenkommen der Stadt.

Die Leerstände fallen beim Verein gleich mehrfach negativ ins Gewicht. Denn auf den laufenden Kosten bleiben die Gartenfreunde sitzen. „Außerdem entgeht uns nicht nur die Pacht, sondern auch die Mitgliedsbeiträge für unsere Rücklagen“, so Naujeck. Aus diesen finanziert der Verein anfallende Reparaturen wie zum Beispiel die Erneuerung der Drainage in den Anlagen „Abendfrieden“ und „Rosengarten“ im vergangenen Jahr. Mit der St. Marienkirche, von der der Verein die Fläche für die Anlage „Saatsee“ gepachtet hat, gibt es bereits eine Vereinbarung. Dort wird den Kleingärtnern die Pacht für die Wegeflächen erlassen.

Die Zahl der Leerstände droht auch auf Grund der relativ hohen Altersstruktur bei den Kleingärtnern weiter zu steigen. In der Vorlage der Stadt heißt es: „Die Konsequenz für die hohen Leerstände für den Verein wäre, die entsprechenden Kolonien aus wirtschaftlichen Gründen aufzugeben und die gepachteten Flächen an die Stadt zurückzugeben.“ Das passierte vor wenigen Jahren schon einmal, als die „Erholung“ an der Friedrichstädter Straße aufgegeben wurde. Daran denkt Naujeck aber nicht: „Am Ende sind wir noch lange nicht.“

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