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Schleswig-Holstein : Lebenswichtiges Training mit dem „Brandstifter“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Feuerwehr Kropp organisiert eine Übung für 200 Atemschutzgeräte-Träger.

Dicht hintereinander kriechen die Feuerwehrmänner Jan-Christian Schwarz, Finn Marks und Kevin Carstensen auf Knien durch die Tür den Flammen entgegen, die an der gegenüberliegenden Wand auflodern. Sofort beginnen sie mit den Löscharbeiten. „Flashover!“ ruft Schwarz plötzlich, als sich die Flammen auf einmal über ihren Köpfen ausbreiten. Das Trio der Freiwilligen Feuerwehr Harrislee legt sich auf die Seite und versucht vom Boden aus den Brand einzudämmen. Als es ihnen zu brenzlig wird, treten sie den Rückzug an und sind froh, nach 20 Minuten wieder an der frischen Luft zu sein – mit hochroten Köpfen.

Die drei Harrisleer gehören zu mehr als 200 Atemschutzgeräteträgern von 40 Feuerwehren in Schleswig-Holstein, die nach Kropp gekommen sind, um unter möglichst realistischen Bedingungen die Vorgehensweise beim Löschen verschiedenster Brände zu üben. Zum fünften Mal hat die Freiwillige Feuerwehr Kropp die Übung organisiert, für die Hans Blaul seinen mobilen „Fire-Trainer“ auf dem Gelände der Geestlandschule aufgebaut hat. „Ich bin hier nur der Brandstifter“, sagt er, ehe er sich in seine wenige Quadratmeter kleine Schaltzentrale zurückzieht. Dort steuert er den gasbefeuerten Sattelauflieger, kann verschiedene Brandszenarien simulieren: Feuer im Treppenhaus, eine brennende Gasleitung, einen Zimmerbrand. Bei letzterem kommt der „Flashover“ ins Spiel, der den schlagartigen Übergang von der Entstehungsphase eines Brandes zum Übergreifen auf den ganzen Raum bezeichnet.

Dass die Feuerwehrmänner aus Harrislee nach dem Ausbreiten der Flammen den Rückzug angetreten haben, sei die richtige Entscheidung gewesen, erklärt Mathias Schmidt dem Trio in der nachfolgenden Besprechung. Der Kropper Ausbilder hat die drei im „Fire-Trainer“ begleitet, um zu gucken, wie sie ihre Arbeit verbessern können. Beispielsweise macht er sie darauf aufmerksam, dass sie noch besser darauf achten müssen, dass ihnen der Rückweg nicht abgeschnitten wird. „Der dritte Mann guckt nach hinten und muss den Weg freihalten“, erklärt er. Der Selbstschutz sei das Wichtigste, betont Kropps Wehrführer Christoph Pautz. Dazu gehört, nicht zwischen zwei Bränden gefangen zu sein.

Mathias Schmidt hat einen weiteren Tipp: „Nehmt euch Zeit zu gucken, wo das Feuer genau ist und macht das Wasserrohr zu, da sonst Dampf entsteht.“ Genau dieses Problem hat Jan-Christian Schwarz geplagt: „Bei meinem Helm war die Scheibe beschlagen.“ Außerdem habe er den Feuerschein im Rücken für eine Reflexion der Flammen vor ihm gehalten, erklärt er.

Die Harrisleer sind erst seit Februar Atemschutzgeräteträger und haben wenig Erfahrung. Bevor sie in den „Fire-Trainer“ gehen, üben sie auf dem Schulhof, wie man Türen richtig öffnet und bei einem „Flashover“ reagiert. Beim Kriechen auf dem Boden heißt es stets: Eine Hand am Wasserschlauch, die andere am Vordermann, damit auch ohne Sicht keiner verloren geht. Ergänzt wurden die praktischen Übungen durch theoretischen Unterricht in mehreren Seminaren.

Sehr wichtig sei eine solche Übungsmöglichkeit, meint der Schleswiger Feuerwehrmann Stefan Diecks nach seinem Einsatz im „Fire-Trainer“. „Dank der Rauchmelder gibt es weniger Feuer und Einsätze, daher haben wir auch weniger Übung“, erklärt er, nachdem er sich Helm, Flammschutz und Maske vom Gesicht gezogen hat. „Heiß“ sei es im Trainer gewesen, sagt er und ergänzt, dass man bei solchen Übungen „an die eigenen Grenzen geht“.

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erstellt am 25.Jul.2017 | 12:50 Uhr

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