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Landeszeitung

15. Dezember 2017 | 10:07 Uhr

Lebenslang für den Doppelmörder

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bluttat von Haale: Landgericht Kiel verhängt Höchststrafe gegen 29-Jährigen aus Beringstedt / Urteil stützt sich ausschließlich auf Indizien

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 11:44 Uhr

Im Fall des Doppelmords von Haale ist der Angeklagte gestern zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Kiel sah es als erwiesen an, dass der 29-jährige Dennis N. aus Beringstedt zwei Frauen auf deren Hof in Haale ermordet hat. Das Schwurgericht stützt sich ausschließlich auf Indizien, denn direkte Beweise sind auch in dem langen Prozess über zwölf Verhandlungstage nicht gefunden worden. Dennoch verhängten die Richter die Höchststrafe. Sie stellten eine besondere Schwere der Schuld fest. Demnach kann Dennis N. nicht nach 15 Jahren auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen werden. Die Verteidiger haben bereits angekündigt, dass sie in Revision gehen wollen.

In der Urteilsbegründung über rund zwei Stunden bestätigte Richter Jörg Brommann die von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Mordmerkmale Heimtücke und Verdeckung einer Straftat. Dennis N. war demzufolge am Abend des 18. November 2014 zwischen 19.15 und 20.45 Uhr in der Absicht auf den Resthof am Rand von Haale gekommen, um die beiden Frauen zu töten. Dazu hatte er sich mit einer Pistole und einem Messer bewaffnet. Die Waffen wurden später nicht gefunden.

Mit der Tat habe der Automechaniker Dennis N. vertuschen wollen, dass er nie vorgehabt hatte, der 57-jährigen Hofbesitzerin Regina F. einen von ihm versprochenen und von ihr mit 7900 Euro bereits bezahlten VW-Bus zu liefern. Auch das Geld habe er nicht zurückzahlen wollen. Dennis N. habe Regina F. gegenüber monatelang immer wieder Ausflüchte gefunden, bis er am 18. November „mit dem Rücken zur Wand“ gestanden habe. Nachdem er an dem Abend auf dem Hof gewesen sei, um einen Pferdeanhänger zu reparieren, sei er später noch einmal mit Pistole und Messer zurückgekehrt. Regina F. sei gerade dabei gewesen, die Pferde zu versorgen, als Dennis N. ihr in den Rücken schoss. Mit einem zweiten Schuss traf er ihren Hals, sie verblutete schnell. Ob ihre Mutter von den Schüssen alarmiert aus dem Wohnhaus in den Stall lief, ließe sich nicht mehr klären, so der Richter. Auf jeden Fall fand Inge S. (83) ihre Tochter auf dem Boden des Pferdestalls. Als die alte Frau fliehen wollte, habe Dennis N. ihr von hinten einen Schnitt mit dem Messer in den Hals versetzt. Dann habe er ihr in den Hinterkopf geschossen. „Diese Verletzung war unmittelbar tödlich“, so der Richter. Danach habe Dennis N. die Leichen mit Benzin und Stroh angezündet und sei geflohen.

„Nichts spricht dagegen, dass er es war“, sagte Jörg Brommann. Im Gegenteil, die Aussagen von Dennis N. gegenüber der Polizei und dem Haftrichter widersprachen denen von Zeugen und vielen Ermittlungsergebnissen. So habe er zum Beispiel einst angegeben, nach der Anhänger-Reparatur am Computer in seiner Werkstatt gearbeitet zu haben. Die kriminaltechnische Überprüfung des Geräts habe laut dem Richter später jedoch ergeben, dass es in der fraglichen Zeit nicht benutzt wurde. Auch zwei Zeugen, die Dennis N. am achten Verhandlungstag plötzlich ein Alibi gaben, schenkte das Gericht keinen Glauben.

Richter Brommann zeigte sich überzeugt: Dennis N. fürchtete, dass Regina F. ihn wegen des veruntreuten Geldes anzeigen könnte. Dann wäre sein Lügengebäude eingestürzt. Denn der Mechaniker ist hoch verschuldet, hatte wegen eines angeblichen Einbruchs in seiner Werkstatt einen Versicherungsbetrug begangen und war offenbar auch in Hehlergeschäfte verwickelt. „Er hat Bekannte und Geschäftspartner effizient ausgenutzt und getäuscht“, fasste Brommann zusammen.

Dennis N. hat die Tat immer abgestritten. Vor Gericht schwieg er bis zuletzt. Doch seine „erstaunliche Emotionslosigkeit“ während der Hauptverhandlung könne nicht über seine Hinterhältigkeit hinwegtäuschen, so der Richter. Für die Morde verhängten die drei Berufs- und die beiden Laienrichter die lebenslange Freiheitsstrafe. Wegen der veruntreuten 7900 Euro wurde Dennis N. zu einer Geldstrafe von 540 Euro verurteilt. Habgier erkannten sie jedoch nicht als Motiv, weil Brommann zufolge die Verdeckungsabsicht im Vordergrund stand.

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