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Lebenshilfe-Reiterhof in Nienborstel vor dem Aus – Vorwürfe gegen Vorstand

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Reiterhof „Am Forst“ in Nienborstel wird geschlossen – aus wirtschaftlichen Gründen. Damit wird auch das therapeutische Reiten eingestellt.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Der Reiterhof „Am Forst“ in Nienborstel wird geschlossen – aus wirtschaftlichen Gründen. Damit wird auch das therapeutische Reiten eingestellt. Jetzt werfen die Betroffenen der Lebenshilfe-Kreisvereinigung vor, die Schließung nicht verhindert zu haben.

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Reiterstübchen des Hofes. Die Kreisvereinigung der Lebenshilfe hatte wegen der geplanten Schließung zur Informationsveranstaltung eingeladen. Eine weitreichende Entscheidung, da damit das therapeutische Reiten für Kinder und Erwachsene in dieser Region nicht mehr angeboten werden kann. Einsteller und betroffene Eltern zeigten deutlich ihren Unmut über die geplante Entwicklung und warfen dem Vorstand der Kreisvereinigung vor, nicht rechtzeitig genug gehandelt zu haben, um dieses von allen für pädagogisch sehr wertvoll gehaltene Projekt eventuell noch retten zu können.

„Wir haben 2013 mit dem Reiterhof erhebliche Defizite gemacht, 2014 ging die Entwicklung dann so weiter“, schilderte Susanne Stojan-Rayer als von der Kreisvereinigung beauftragte Rechtsanwältin. Die laufenden Kosten für den Hof seien zu hoch, zudem müssten einige Investitionen getätigt werden.

Weiterer Kritikpunkt war die aktuelle Sperrung der Reithalle. Der Boden habe durch die Longenarbeit Schaden genommen und müsse repariert werden. Es sei ein Kostenvoranschlag eingeholt, die Arbeit sei aber noch nicht vergeben worden. Aus Haftungsgründen habe man daher den Reitbetrieb in der Halle sperren müssen. Um das Reiten aber weiter zu ermöglichen, hatten Einsteller zwischenzeitlich in Eigeninitiative den Hallenboden begradigt, trotzdem wurde die Sperrung aufrechterhalten.

„Warum soll nun bis Ende des Jahres der Reitbetrieb brachliegen, dann kommen doch noch weniger Gelder herein“, war einer der Kritikpunkte der Anwesenden. „Unseres Wissens nach fehlt noch Sand, der neu aufgefüllt werden sollte“, entgegnete Hedwig Horn als kommissarische Vorsitzende. „Aus Haftungsgründen mussten wir daher an der Sperrung festhalten.“ Sie sicherte aber zu, dass die Kreisvereinigung die Bodenbeschaffenheit zeitnah prüfen lassen wird. Wenn der Gutachter den Boden freigebe, könne der Reitbetrieb bis zum Jahresende weiterlaufen.

Nienborstels Bürgermeister Holger Kühl betonte, der Reiterhof sei eine echte Bereicherung für den Ort gewesen und dankte sowohl der Kreisvereinigung als auch der Familie Nelles für das Engagement. Nicht nur für Menschen mit Beeinträchtigungen seien hier viele Veranstaltungen angeboten worden. „Drei Jahre sind viel zu schmal, um so ein Projekt zu betreiben. Ich denke, die Schließung ist nicht der richtige Weg“, so der Bürgermeister. Ihm zufolge hätten öffentliche Zuschüsse beantragt werden müssen.

Diesen Vorwurf räumte Susanne Stojan-Rayer ein. „Uns war klar, dass der Reiterhof zunächst ein Zuschussgeschäft ist. Man kann uns sicherlich den Vorwurf machen, dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben. Es geht uns ungeheuer nah. Wir haben zwei Jahre versucht, den Hof wirtschaftlich zu machen, aber das haben wir nicht geschafft.“ Der Wirtschaftsprüfer habe dringend von einer Fortführung abgeraten. „Die Unterhaltskosten sind zu teuer, die Einnahmen des Reiterhofes tragen noch nicht einmal die Personalkosten.“

Torsten Kröger als betroffener Vater warf den Gedanken auf, ob denn die Kreisvereinigung im Falle eines Verkaufes oder einer Verpachtung weiterhin ein reittherapeutisches Angebot unterstützen würde. „Man weiß doch heute, wie wichtig gerade für beeinträchtigte Kinder der Umgang mit Pferden ist.“

Nun wird ein Käufer oder ein Pächter gesucht, das Objekt soll für einen Preis von 190 000 Euro angeboten werden. Mit dem Aus für den Hof muss die Lebenshilfe auch auf das Projekt einer Begegnungsstätte verzichten. Dafür war bereits eine Förderung bei der Aktiv-Region beantragt worden.

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