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Was wächst denn da: Die Esche : Lebensbaum aus biegsamem Holz

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Esche wird seit Jahrtausenden geschätzt. Inzwischen wird der Laubbaum vom Falschen Weißen Stengelbächerchen bedroht. Mit Naturführerin Julia Jung auf Baumexkursion, einem Angebot der Aktion Naturerlebnismonat Mai.

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erstellt am 08.Mai.2017 | 11:19 Uhr

Jetzt sprießt und grünt es wieder. Unter dem Titel „Was wächst denn da?“ stellt die Landeszeitung in loser Folge Pflanzen aus der Region vor. Heute: die Esche.

Ganz ehrlich – ohne Julia Jungs Kennerblick würde man an dem Baum achtlos vorübergehen. Momentan jedenfalls. Denn „die Esche ist der am spätesten auskeimende Laubbaum“, erklärt die Natur- und Landschaftsführerin. Die schlanken Stämme scheinen in den Himmel wachsen zu wollen. Mit bis zu 40 Metern zählt die Esche zu den höchsten Bäumen Europas. Legt man den Kopf in den Nacken und schaut nach oben, kann man mit Mühe die dunklen Knospen erkennen. Blätter sind momentan noch überhaupt nicht vorhanden. Dafür grünt und blüht es rings um die Eschen herum.

Vor vier Jahren machte Julia Jung eine Ausbildung zur zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin. Ihre Passion sind Bäume. In Büdelsdorf erklärte sie damals Besuchern in den Hollerschen Anlagen Details zur Stieleiche. Dieses Mal widmet sie sich der Esche und hat dafür das Sandkrug-Gelände in Eckernförde ausgewählt. Sie deutet auf einen schlanken, glatten und hellen Stamm. Es ist eine Esche. „Fraxinus excelsior“ lautet der lateinische Name. Dabei steht „excelsior“ für hoch, erhaben. „Die Bäume schießen in jungen Jahren in die Höhe“, erklärt Julia Jung, „denn sie brauchen das Licht.“ Genauso wie das Wasser. Eschen sind vielfach in der Nähe von Gewässern anzutreffen, referiert die Landschaftsführerin. Jene Eschen, die nicht schnell genug zum Licht streben, ziehen den Kürzeren.

Aber seit einigen Jahren macht ihnen auch das Falsche Weiße Stängelbecherchen zu schaffen. Die kleinen Pilze haben eine fatale Wirkung: Sie wandern von den Ästen in den Stamm und schneiden den Baum auf diese Weise von der Wasserzufuhr ab, so die Landschaftsführerin. „Die Eschen verdursten“, erklärt sie deren Sterben. Experten raten dazu, befallene Bäume zu fällen. Julia Jung bleibt optimistisch.

Denn auch das bedrohliche Ulmensterben scheint gestoppt zu sein. Sie bleibt vor einem Baum stehen, dessen zartgrüne Blätter appetitlich aussehen und lächelt: „Ja, die meisten jungen Blätter kann man auch essen“. Doch an dieser Ulme macht sie auf die zarten Blüten aufmerksam, die büschelweise herabhängen. In den sogenannten Flügelnüssen verbergen sich die Samen – ähnlich wie bei der Esche.


Der Mythos vom Lebensbaum Yggdrasil


„Für die Germanen war die Esche der Lebensbaum“, erzählt sie. Yggdrasil, die Weltesche, ist in der nordischen Mythologie der Name einer Esche, die als Weltenbaum den gesamten Kosmos verkörpert. Nachdem die Götter den Ur-Riesen Ymir getötet hatten, schufen sie dem Mythos nach aus seinem Leichnam alle existierenden Dinge. „Die Weltesche Yggdrasil ist der erste Baum, den sie pflanzen. Er ist der größte und prächtigste Baum der Erdengeschichte. Seine Zweige überschatten die neun Welten und wachsen über den Himmel“, heißt es. Und die Wikinger glaubten, dass sie Himmel, Mittel- und Unterwelt miteinander verband.

Wer nicht an die nordische Mythologie glaubt, kann dennoch nicht leugnen, dass das Holz der Esche besonders zäh und biegsam ist. „Es splittert auch nicht. Früher wurden daraus Speere hergestellt“, erklärt Julia Jung. Heute ist es gefragt für Werkzeuge und Gartengeräte. So wie das Holz von alten Fichten aus dem Fleimstal in Südtirol für den Bau der berühmten Stradivari-Instrumente gefragt war. Aber das ist eine Geschichte, die Julia Jung bei einer anderen Führung erzählt.

NATURERLEBNISMONAT MAI – TERMINE

Bäume des Lebens

Donnerstag, 11. und 18. Mai

17.30 bis 19 Uhr mit Julia Jung.

Treffpunkt: 24340 Eckernförde/Sandkrug-Gelände, genauer Treffpunkt wird bei Anmeldung bekanntgegeben, Anmeldung unter: 0176  /  30  49  09  71, 4 Euro / 2 Euro Kinder (ab 12 Jahren willkommen), drei Kilometer Rundkurs.

Frühlingswanderung um Gut Bossee

Sonnabend, 13. Mai, 14 bis 17 Uhr
Veranstalter: vhs Felde, vhs Nortorf, Referentin: Gudrun Aschenbach. Auf Gut Bossee pflanzen die Besitzer für jedes neugeborene Kind einen Baum. Fünf Kilometer lange Frühlingswanderung durch Wiesen und Wälder um das Herrenhaus und durch den Gutspark von Bossee. Treffpunkt: Westensee, Dorfstraße 1a, Parkplatz Badestelle, Anmeldung: 043  40  /  400  80  10, vhs-felde@gmx.de, 043  92  /  41  08, info@vhs-nortorf.de, 7,50 Euro, Kinder ermäßigt, gern Fernglas mitbringen.

Die Fichte– Baum des jahres

Sonntag, 15. Mai, 14 Uhr

„Willst du den Wald vernichten, pflanze nichts als Fichten!“. Über keinen anderen Baum wird so viel gestritten wie über die Fichte. Geschätzt als wichtigste forstliche Einkommensquelle, steht sie für artenarme und naturferne Forsten. Auf den Spuren der Fichte. Führung: Julia Jung. Treffpunkt: Eckernförde, Bahnschienen/Domstag, Anmeldung: 0176  /  30  49  09  71.

Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht!

Sonntag, 21. Mai, 9 bis 11 Uhr
Veranstalter: vhs Hohenwestedt, Referentin: Anita Engler. Über 30 Baumarten auf einer Wanderung entdecken. Treffpunkt: Aukrug, Schäferkoppel 1, Parkplatz Heidehaus B430 (Naturpark), Anmeldung: 0  48  71  /  49  96  44 (VHS), Gebühr 6 Euro

Baumspaziergang Wroher Wald

Donnerstag, 25.Mai, 14 bis 16 Uhr
Veranstalter: vhs Felde, Referentin: Gudrun Aschenbach. Jede Baumart ist einzigartig in Größe und Gestalt, Struktur und Farbe von Stamm und Rinde, Ästen und Zweigen, Blättern und Blüten und jeder Baum ein Lebewesen mit individueller Ausstrahlung. Treffpunkt: 24259 Wrohe, Seeweg 21, Parkplatz Badestelle, Anmeldung unter: 043  40  /  400  80  10, vhs-felde@gmx.de, 5 Euro, Kinder ermäßigt, bitte Notizblock und Fernglas mitbringen.

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