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Finanzamt-Attentat in Rendsburg : Lauenroth-Urteil ist rechtskräftig

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Todesschütze aus dem Rendsburger Finanzamt ist rechtskräftig verurteilt. Der Bundesgerichtshof hat seine Revision zurückgewiesen. In der Gemeinde Fockbek herrscht Erleichterung nach dem juristischen Schlussstrich.

Rendsburg/Fockbek | Der Fall ist abgeschlossen: Olaf Lauenroth muss wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig hat die Revision, die der Anwalt des Fockbekers nach dem Kieler Richterspruch im April eingereicht hatte, abgewiesen. Das hat Lauenroths Rechtsanwalt Frank-Eckhard Brand (Lübeck) am Freitag bestätigt. Damit ist das Urteil „Lebenslänglich“ für den Täter, der vor einem Jahr einen Sachgebietsleiter im Rendsburger Finanzamt heimtückisch mit mehreren Kugeln erschossen hatte, rechtskräftig.

Lauenroths Anwalt kündigte an, dass er in den kommenden Tagen mit seinem Mandanten sprechen werde, um die Fragen der Vollstreckung zu klären. „Wegen der Behinderung meines Mandanten müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein“, so Brand. Momentan sitzt Olaf Lauenroth im Lübecker Untersuchungshaftbereich. Dort gibt es einen Haftplatz für Schwerbehinderte. Einen solchen Platz bräuchte Lauenroth, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, auch in der regulären Haft.

Die grausame Tat am 1. September 2014 hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Nach den Todesschüssen ging es in dem Verfahren vor dem Kieler Landgericht im Kern um die Frage, ob Lauenroth den 57-jährigen Finanzbeamten, mit dem er schon länger im Streit lag, bewusst in die Falle lockte, um ihn mit Schüssen aus nächster Nähe niederzustrecken – oder ob Lauenroth im Affekt zur Pistole griff.

Die Kieler Richter hatten dem damals 55-Jährigen „absoluten Vernichtungswillen“ bescheinigt. Der Steuerberater habe noch auf sein Opfer geschossen, als es bereits am Boden lag. Der Todesschütze habe die Attacke bewusst geplant und dafür den Rahmen geschaffen. Er habe einen schutzlosen Menschen mit seinem Angriff überraschen wollen.

Der Angeklagte selbst hatte die Attacke zwar gestanden, sich für die Minuten der Tat aber auf einen Blackout berufen. Der Hobby-Jäger gab an, seine Waffe vom Typ Beretta 70 schlicht in seiner Hosentasche „vergessen“ zu haben, ebenso mehrere Patronen in der Brusttasche.

Gegen das Urteil hatte Lauenroth Rechtsmittel eingelegt. Der zuständige Bundesgerichtshof prüfte daraufhin in den vergangenen Monaten das Urteil auf mögliche Rechts- und Formfehler und wies jetzt die Revision als unbegründet zurück. Der juristische Schlussstrich wurde in der Region mit Erleichterung aufgenommen. Vor allem in der Gemeinde Fockbek werden mit dem Entscheid wieder klare Verhältnisse geschaffen. Denn Lauenroth war trotz seiner Verurteilung weiter Gemeindevertreter der FDP geblieben.

„Ein Mandat geht erst verloren, wenn der gewählte Vertreter wegen eines Verbrechens zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt wird“, erklärte Bürgervorsteher Werner Stave. Wenn das Urteil gegen Lauenroth rechtskräftig werde, sei der Weg für einen Nachrücker frei. Die Kommunalaufsicht kann dem Todesschützen nun sein Mandat entziehen. „Der nächste Kandidat auf der Liste der FDP wird angeschrieben, ob er das Amt übernehmen will“, beschrieb Stave als Vorsitzender der Gemeindevertretung das weitere Verfahren.

„Es ist gut, dass der Fall einen rechtlichen Abschluss gefunden hat,“ kommentierte Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast die BGH-Entscheidung. So gebe es an dem Schuldspruch nichts mehr zu deuten. Er selbst sei auch ein Jahr nach dem entsetzlichen Geschehen immer noch erschüttert. Die Auswirkungen des Attentats auf das Sicherheitsempfinden der Mitarbeiter in den Verwaltungen seien bis heute zu spüren. „Und ich denke auch an die Trauer der Familie des Opfers.“

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