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Hasenbestand ist stabil : Lange Löffel, aber keine Angst

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Feldhase ist Wildtier des Jahres 2015. Ostereier bringt er – entgegen allen Erzählungen – jedoch nicht. Schnell ist er aber. Auf der Flucht schlägt Haken. Dennoch erwischen ihn die Jäger regelmäßig: Bei ihren Zählungen, die ergeben, dass der Bestand stabil ist.

Meister Lampe hat’s nicht leicht. Ein Angsthase soll er sein oder ein Hasenfuß. Und dann ist da noch das Gerücht, dass er zu Ostern bunte Eier in Grasnestern versteckt. Doch in den Graskuhlen, Sasse genannt, versteckt der Feldhase höchstens seinen Nachwuchs. Daran mangelt es nicht. „Der Bestand ist stabil“, meldet der Deutsche Jagdverband – und diese Aussage gilt auch für Schleswig-Holstein. Damit sei der Feldhase noch nicht gefährdet. Günter Reese kann diesen Trend für den Jagdbezirk Alt Duvenstedt ebenfalls bestätigen (siehe Infokasten rechts).

„Lepus europaeus“, so der lateinische Name des Feldhasen, ist durch seine langen Löffel (Ohren) vom Kaninchen zu unterscheiden und ist größer. Ausgewachsene Exemplare wiegen bis zu fünf Kilo, ein Kaninchen durchschnittlich 1,5 Kilo. Außerdem lebt er lieber allein – im Gegensatz zu den „cuniculus“, die geselliger sind. Vor zwei Jahrzehnten befürchteten die Naturschützer, dass Mensch und Fressfeinde schuld daran sein könnten, dass das Langohr auf die Rote Liste gesetzt werden muss. Daher begann man in Schleswig-Holstein mit wissenschaftlich fundierten Zählungen, sogenannten Scheinwerfertaxationen, die vom Wildtier-Kataster ausgewertet werden.

Günter Reese ist unter den Zählern ein alter Hase, denn er ist von Anfang an dabei. Mit drei weiteren Jägern sitzt er im Auto: „Immer die gleichen Leute, immer die gleiche Tour, immer die gleiche Methode“, sagt er. Auf diese Weise sei die Wahrscheinlichkeit am größten, dass die ermittelten Zahlen vergleichbar sind.

Nach Einbruch der Dunkelheit machen sich die Jäger ohne Gewehr, aber mit einem kräftigen Scheinwerfer auf den Weg. Denn Hasen sind nachtaktiv. Wenn die Männer rote Augen leuchten sehen, halten sie an und Reese führt Strichliste. Da die Menschen meist weit entfernt sind, lassen sich die Hasen gar nicht stören. Aber warum spricht man dann vom Angsthasen?

Der Jäger Reese hat nur eine Erklärung: „Bei Gefahr duckt sich der Hase in seine Sasse.“ Dabei sei er so gut getarnt, dass man ihn manchmal nicht einmal bemerke, wenn man direkt davor stehe. „Der Hase kann sich nicht verteidigen“, erklärt der Jäger – weder gegen die Greifvögel aus der Luft, noch gegen sogenannte Predatoren (Räuber) am Boden wie Fuchs und Marder. Wird’s brenzlig, sucht der Schnellläufer darum sein Heil in der Flucht, schlägt Haken und der Feind sieht nur noch die Blume – so wird das kurze weiße Hasenschwänzchen genannt.

Doch weder die anderen Tiere noch der Jäger sind die Hauptfeinde des Hasen, sondern die Veränderungen der Landschaft. Im Bezirk Alt Duvenstedt sei der Bestand noch relativ hoch, erklärt Reese, weil es hier keine Flurbereinigung gegeben habe. Die Felder sind klein, es gibt zahlreiche Knicks. Aber auch hier fehlen die Grünlandflächen oder Getreidefelder. Denn Löwenzahn, Weizen, Hafer und Sonnenblumenkerne versorgen Meister Lampe mit den Grundstoffen, die er in Vitamin B1 umwandeln kann. Und das ist wichtig, um fit zu sein. Doch auf einem Großteil der landwirtschaftlichen Flächen wächst heute Mais, bedauern die Jäger. „Wir brauchen kleinstrukturierte Felder“, sagt auch Uwe Jacobi. Der Öffentlichkeitsreferent der Kreisjägerschaft Eckernförde hat aber noch eine Bitte: Wer einen jungen Hasen findet, soll ihn nicht berühren.

Die Hasenjungen haben von Geburt an Fell, können sehen und laufen. Aber sie haben noch keinen Eigengeruch. Und darum lässt die Mutter sie in der Sasse allein, denn der Fuchs kann sie nicht riechen. Das ist das „Häschen in der Grube“, das „saß und schlief“, wie es in einem bekannten Kinderlied heißt. Doch die Häsin ist stets in der Nähe. Jacobi beobachtete, wie sich eine Katze an das Jungtier heranschlich. Die Mutter stellte sich auf die Hinterbeine und für die Mieze setzte es Prügel. „Von wegen Angsthase“, so der Jäger. Mit etwa drei Wochen ist der Nachwuchs schließlich mobil und weiß, wie der Hase läuft.

Fakten zum Wildtier-Kataster

> Seit 1995 wird der Hasenbestand in Schleswig-Holstein erfasst.

> In 70 Referenzrevieren wird in Schleswig-Holstein zwei Mal jährlich (Frühjahr und Herbst) gezählt.

> Im Lande leben durchschnittlich 16 Hasen auf einem Quadratkilometer. In der Marsch sind es 24 Hasen, in der Geest 14,8 und im Hügelland 14 (für 2014).

> Ein Referenzrevier ist Alt Duvenstedt. Die Bestandsentwicklung:

1995 – 82 Hasen

2005 –  124 Hasen

2006 –  159 Hasen

2007 –  130 Hasen

2008 – 84 Hasen

2014– 84 Hasen (jeweils auf 300 Hektar)

> Gemeldet werden die Bestände an das Wildtier-Kataster (www.wtk-sh.de).

> Für die Zählungen werden noch freiwillige Jäger gesucht.

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erstellt am 04.Apr.2015 | 09:04 Uhr

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