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Naturschutz : Landwirte lassen Vögel in Ruhe brüten

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schutz für Vogelkinder: Gelege von Kiebitzen und anderen Wiesenbrütern werden im Rahmen eines Förderprojektes besser behütet. Dafür arbeiten Landwirte und Naturschützer Hand in Hand.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Im Frühjahr hat Anne Evers wenig Freizeit. Fast täglich ist sie auf den Wiesen unterwegs und markiert Nester und Gelege vom Aussterben bedrohter Vogelarten. Auch die gekennzeichneten Kiebitzgelege auf den Grünlandflächen von Torben Timm in Haale hat sie kontrolliert. „Der Gemeinschaftliche Wiesenvogelschutz beruht voll und ganz auf freiwilliger Basis“, erzählt die Umweltwissenschaftlerin vom Naturschutzbund (NABU) in Bergenhusen. Das Programm setzt auf die freiwillige Kooperation von Naturschutz und Landwirtschaft und wird vom Naturschutzbund begleitet.

Ehrenamtliche Gebietsbetreuer, wie Torben Timm, versuchen, die Gelege von Kiebitzen und anderen wiesen-brütenden Vogelarten zu finden und zu markieren. Persönlich sprechen sie dann die einzelnen Landwirte an, die diese Flächen bewirtschaften. Erklärt sich der Landwirt bereit, die Umgebung der Nester bei der Bewirtschaftung für eine Weile auszusparen, bekommt er eine Ausgleichszahlung. Wenn die Vögel nach erfolgreicher Brut das Gebiet verlassen haben, geben die Gebietsbetreuer die Flächen wieder frei. Die Finanzierung erfolgt durch das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein.

Die Umweltwissenschaftlerin Anne Evers hat viel Erfahrung im Auffinden von Gelegen. „Wenn jemand den Verdacht hat, es befänden sich Nester in seiner Wiese, kann er sich auch gerne beim NABU in Bergenhusen melden. Wir kommen dann und helfen beim Markieren der Gelege.“ Die Wiesen von Torben Timm am Nord-Ostsee-Kanal in Haale sind ein typisches Kiebitz-Brutgebiet. Vereinzelt finden sich aber auch Brachvögel und andere Wiesenbrüter in der Gegend. Kiebitze legen jeweils vier Eiger in ein unscheinbares Nest aus trockenem Gras am Boden. Geht die Brut verloren oder sind die ersten Jungtiere erfolgreich aufgezogen, können Kiebitze bis zu vier mal im Jahr jeweils vier Eier legen. Bevorzugt brüten die Zugvögel in kleinen Kolonien mit mehreren Brutpaaren auf einer Fläche. „Wenn dann Krähen oder Fressfeinde kommen, steigt nicht nur ein Vogel auf. Gleich eine ganze Schar von Kiebitzen kann den Feind dann attackieren und oft auch erfolgreich abwehren“, erzählt Anne Evers. So eine Kolonie hat Torben Timm auf seinem Grünland in Haale entdeckt. Er selber ist Gebietsbetreuer für Haale am Nord-Ostsee-Kanal. Er hat einige Nester auf seinen eigenen und auf benachbarten Wiesen finden können. So konnte er inzwischen auch seinen Nachbarn vom „Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutz“ überzeugen.

Die Gebietsbetreuer melden die Flächen und die Einschränkungen, die die Landwirte zum Schutz der Gelege freiwillig in Kauf genommen haben, an einen Koordinator. Der sammelt die Meldungen und reicht die Liste an die Landesregierung weiter. „Ich habe bisher immer ohne Probleme mein Geld bekommen“, erzählt Torben Timm, der sich bereits seit drei Jahren für den „Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutz“ engagiert. „Wir können noch viel mehr engagierte, ehrenamtliche Gebietsbetreuer gebrauchen“, betont Anne Evers.

In Timms Wiesen stecken Holzstäbe mit kleinen roten oder gelben Klebestreifen. Jeweils zwei Stäbe im Abstand von etwa fünf Metern reichen aus, um ein Nest zu markieren. In der Mitte dazwischen befindet sich das Gelege. Um die Brut nicht zu gefährden, sollte ein Trecker diesen Abstand einhalten.

Ungewöhnlich früh in diesem Jahr haben in Haale zahlreiche Kiebitzpaare erfolgreich gebrütet. „Wenn sie diese Brut groß haben, könnten hier in diesem Jahr vielleicht ein zweites Mal brüten“, freut sich Anne Evers über den Teilerfolg in Sachen „Gemeinschaftlicher Wiesenvogelschutz“.

Weitere Informationen: http://bergenhusen.nabu.de/forschung/wiesenvoegel/

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