Stau vor Kanaltunnel : Landrat reißt der Geduldsfaden

Eine Höhenkontrolle (weißer Pfeil) steht 650 Meter vor der südlichen Tunneleinfahrt. Sollte ein Laster mit einer Höhe von mehr als vier Metern hindurchfahren, wird Alarm ausgelöst. Doch er kommt nicht mehr von der B  77 herunter, weil er die letzte Abfahrt bereits verpasst hat.
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Eine Höhenkontrolle (weißer Pfeil) steht 650 Meter vor der südlichen Tunneleinfahrt. Sollte ein Laster mit einer Höhe von mehr als vier Metern hindurchfahren, wird Alarm ausgelöst. Doch er kommt nicht mehr von der B 77 herunter, weil er die letzte Abfahrt bereits verpasst hat.

Schwemer drängt darauf, das Höhenkontrollsystem für Lkw zu verbessern – und hat die Verantwortlichen zum Gespräch eingeladen.

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15. Januar 2018, 18:56 Uhr

244-mal hat die Höhenkontrolle vor dem Rendsburger Kanaltunnel 2017 angeschlagen. Im Durchschnitt blockierte alle eineinhalb Tage ein Laster den Verkehr. Landrat Rolf-Oliver Schwemer drängt deshalb auf den Testlauf eines Frühwarnsystems, das seit Längerem im Gespräch ist.

Das Problem: Wenn ein Laster die Höhenkontrolle südlich des Tunnels auslöst, kommt es regelmäßig zu lange andauernden Staus (wir berichteten). Auf dem etwa 650 Meter langen Abschnitt zwischen der Messanlage und dem Nord-Ostsee-Kanal gibt es keine Abfahrt, sodass der Laster auf der Straße wenden oder im Schritttempo zur vorhergehenden Abfahrt zurücksetzen muss. Währenddessen blockiert er den gesamten Verkehr hinter sich.

Landrat Rolf-Oliver Schwemer will diese Situation nicht länger akzeptieren. „Durch die langen Wartezeiten entsteht ein immenser volkswirtschaftlicher Schaden.“ Leidtragende seien die Pendler, die örtlichen Unternehmen und alle anderen Verkehrsteilnehmer, die auf den Tunnel angewiesen sind. „Diese Beeinträchtigungen sind jedenfalls auf Dauer nicht hinzunehmen.“

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau hatte die Höhenkontrolle am 1. Oktober 2016 in Betrieb genommen. Bereits zwei Wochen später regte Schwemer an, zusätzliche Messstationen weit vor dem Tunnel einzurichten, damit die Fahrer zu hoher Laster frühzeitig von der B 77 abfahren können. Ende 2017 forderte er die Behörden erneut auf, eine Lösung zu finden. „Am sinnvollsten ist aus meiner Sicht eine Vorhöhenkontrolle in Verbindung mit einer elektronischen Anzeige an die betroffenen Lkw-Fahrer, die Straße zu verlassen oder zumindest den Tunnel nicht zu befahren.“ Entsprechende Anlagen sollten schnellstmöglich installiert und ausprobiert werden. Der Testbetrieb sollte ausgewertet werden, um weitere Schritte einleiten zu können. Schwemer will die Behörden noch im Januar zu einem Treffen einladen, um über das Vorgehen zu beraten.

Dabei wird es voraussichtlich auch um einen weiteren Service für Autofahrer gehen, der Ende des vergangenen Jahres ins Gespräch gebracht worden war: Echtzeit-Meldungen auf das Handy. Die Idee: Autofahrer laden sich eine App mit einer Verbindung zur Höhenkontrolle auf ihr Handy. Wenn ein Laster die Anlage ausgelöst hat, erscheint auf dem Startbildschirm des Mobiltelefons eine Warnmeldung. Die Autofahrer könnten dadurch frühzeitig von der B 77 abfahren. Zurzeit gibt es vier Messstationen, je zwei im Norden und im Süden des Tunnels. Die südlichen Anlagen schlugen 2017 insgesamt 105-mal an, die nördlichen 139-mal. Dort ist die Situation entspannter. Wenn ein Lkw die Höhenkontrolle auf der B 77 im Norden auslöst, kann er unmittelbar dahinter abfahren und die Rader Hochbrücke ansteuern.

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