Clowns ohne Grenzen : Lachen braucht keinen Dolmetscher

Erkennungszeichen: Clown Heiko Mielke mit einer roten Nase aus Schaumstoff.
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Erkennungszeichen: Clown Heiko Mielke mit einer roten Nase aus Schaumstoff.

Heiko Mielke reist mit „Clowns ohne Grenzen“ nach Kambodscha. Der Spaßmacher will mit seinen Kollegen dort Freude zu den Kindern in den Dörfern bringen.

shz.de von
13. Februar 2018, 11:07 Uhr

„Manche Kinder gucken anfangs ein bisschen ängstlich. Aber nach fünf Minuten merken sie, wie tollpatschig wir sind und verlieren die Scheu“, erzählt Heiko Mielke. Er lächelt mit den Mundwinkeln und den Augen hinter der runden roten Brille. Mielke lebt in Langwedel, ist Clown und Gründungsmitglied von „Clowns ohne Grenzen“. Seit elf Jahren reist er mit Kollegen in Krisengebiete auf der ganzen Welt, um die Kinder einen Moment lang ihren Alltag vergessen zu lassen. Im Februar bricht der Spaßmacher zu seiner nächsten Reise auf. Dieses Mal geht es für knapp vier Wochen nach Kambodscha.

Das Land zwischen Thailand, Vietnam und Laos zählt zu den ärmsten in Asien. Drei Clowns und ein Fotograf machen sich am 14. Februar auf den Weg. „Kambodscha war damals das erste Land, in das die ‚Clowns ohne Grenzen‘ reisen wollten. Jetzt klappt es endlich“, berichtet Mielke. Mit Nicht-Regierungsorganisationen, sogenannten NGOs, reist das Team durch das Land. „Wir begeben uns in viele unerschlossene Gebiete“, erklärt Mielke. Die Organisationen helfen hauptsächlich beim Transport auf langen Strecken und der Vermittlung von Ansprechpartnern.

Vieles planen die Clowns selbst im Voraus. „Wir müssen uns natürlich über kulturelle Unterschiede informieren“, sagt der Langwedeler. In Kambodscha gehören viele Bewohner dem Buddhismus an. „Man darf seinem Gegenüber zum Beispiel nicht die Fußsohlen entgegen strecken oder Kindern einfach auf den Kopf fassen“, erklärt Mielke. Die Besonderheiten müssen auch bei den rund 45-minütigen Showeinlagen bedacht werden.

Aber auch über die Kostüme machen sich die Darsteller Gedanken. „Auf uns kommen 30 Grad und eine enorme Luftfeuchtigkeit zu.“ Zu schwer oder dick dürfen die Anzüge der Clowns nicht sein. Eines der wichtigsten Utensilien für den Langwedeler ist aber ohnehin sein Haarspray. Gut eine halbe Dose verschwindet pro Auftritt in dem toupierten Haupthaar. Die meisten Sketche der Clowns ohne Grenzen funktionieren non-verbal. Hallo und Tschüß beherrschen die Clowns in der jeweiligen Landessprache, aber die Kinder ziehen sie auch ohne Wortwitze in ihren Bann.

Wer als Clown in die Krisengebiete reisen möchte, sollte selbst mit beiden Beinen fest im Leben stehen, sagt Mielke. Das Elend und das Leid in einigen Gebieten sei nur mit einer professionellen Sichtweise auf die Dinge wirklich zu ertragen. „Das System können wir als Clowns nicht ändern. Wenn wir da sind, haben wir eine andere Aufgabe“, resümiert der Langwedeler seine bisherigen Auslandseinsätze. „Wir bringen Freude in die Dörfer und wenn die Kinder lachen, dann können sie sich in dem Moment keine Gedanken über etwas anderes machen.“

In der Regel besuchen die Clowns die Länder mehrmals. „Schwedische Kollegen berichteten davon, wie die Kinder vor ihrem Besuch Krieg spielten“, erzählt Mielke. Nach den Auftritten spielten die Kinder Clowns.

Besonders wichtig sei zudem, dass die Kleinen auch ihre Eltern einmal wieder lächeln sehen. Genauso wichtig wie das gemeinsame Lachen in großer Gemeinschaft. Verschiedene Religionen, Männer und Frauen, sitzen bei den Aufführungen der Clowns ohne Grenzen im Publikum.

Mielke versucht, seinen Zuschauern zu zeigen, dass sie sich gar nicht so sehr voneinander unterscheiden wie sie denken. „Und das Lachen, das klingt auf der ganzen Welt gleich.“

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