Warder : Kuscheln mit Wollschweinen

Rote Mangalitza mit Nachwuchs.
1 von 4
Rote Mangalitza mit Nachwuchs.

„Große Schweinerei“ im Tierpark Arche Warder. Die Beliebtheit von Schweinerassen unterliegt auch der Mode.

shz.de von
04. Mai 2015, 06:00 Uhr

Dass sie robuster und darum mit stabileren Borsten ausgestattet sind als die aktuellen Zuchtschweine, konnten die vierbeinigen Bewohner des „Schweinelands“ gestern anschaulich unter Beweis stellen. Bei der „Großen Schweinerei“ in der Arche Warder wurden nämlich Borsten für eine Pinselbastelaktion gebraucht, an der die kleinen Tierparkbesucher im Rahmen einer Führung teilnehmen konnten. Diese Borsten besorgte sich Ina Ziegler vom Arche-Team kurzerhand bei den ersten „Schweineland“-Bewohnern, die von der 40-köpfigen Exkursionsgruppe angesteuert wurden: Angler Sattelschweinen und rote Mangalitza-Wollschweinen.

An den Mangalitzas kann man das Schicksal der alten Nutztierrassen, deren Erhaltung sich die Arche Warder zum Ziel gesetzt hat, exemplarisch ablesen. „Um 1950 war das Mangalitza in halb Europa verbreitet und stand aufgrund der Menge und Qualität seines Specks ganz oben auf der Speisekarte. Schinken und Salami vom Mangalitza galten als hochwertige Delikatesse“, vermerkt Tierpark-Direktor Prof. Dr. Dr. Kai Frölich in seinem Buch „Alte Nutztierrassen“.

In der Folgezeit aber „reduzierte sich die Wollschweinzucht drastisch, da sich das Konsumentenverhalten langsam änderte: ‚Weg vom Fett‘ war nun die Devise, hin zu mageren Schweinerassen.“ Die Mangalitzas waren nicht mehr gefragt und ihr Bestand ging in den 1990-er Jahren bis auf einige hundert Exemplare zurück. Die Mangalitza-Herde im „Schweineland“ der Arche Warder hat vor zweieinhalb Wochen Nachwuchs bekommen, der nun überaus artgerecht groß werden kann.

„Hier im Schweineland können die Tier ganz wunderbar ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen: Hier können sie im Boden wühlen, ihr Sozialverhalten praktizieren und sich zum Kuscheln in ihre Höhlen unter den Hügeln zurückziehen“, erläuterte Ina Ziegler, „die Ferkel bleiben zunächst ein bis zwei Wochen in der Höhle und kommen dann raus, um die Welt zu erkunden.“

Die angedeutete Frischlingsfärbung der neun roten Mangalitza-Ferkel konnten die Teilnehmer der Führung gut mit der doch deutlich ausgeprägteren Zeichnung der ebenfalls neun Frischlinge vergleichen, die sich seit etwa drei Wochen im Wildschwein-Gehege der Arche Warder tummeln.

Vom „Schweineland“ ging es weiter zu den Turopolje-Schweinen, die gegen eine außerplanmäßige Fütterung nichts einzuwenden hatten und dabei ihr besonderes Schwimm- und Tauchvermögen demonstrierten, und dann fand die Exkursion nach knapp anderthalb Stunden in der „Ferkelstube“ ihren Abschluss.


zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen