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Landeszeitung

22. Oktober 2017 | 21:25 Uhr

Sehestedt : Kurioses Niedrigwasser im Kanal

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gestern fiel der Pegelstand unter 4,85 Meter – aber nur an einer Stelle. Fährverkehr in Sehestedt war für mehrere Stunden betroffen.

shz.de von
erstellt am 07.Jun.2016 | 08:30 Uhr

Wenn es dieses Phänomen überhaupt schon einmal gegeben hat, dann muss es schon lange her sein: Gestern ist es zu einem Niedrigwasserstand im Nord-Ostsee-Kanal gekommen. Das führte sogar zu einem Teilausfall der Fähre in Sehestedt. Über mehrere Stunden durften Fahrzeuge, die schwerer als 7,5 Tonnen sind, das Schiff „Pillau“ nicht benutzen. Der Vorfall ist kurios, weil es zwar häufiger wegen Hochwassers dazu kommt, dass der Fährverkehr eingestellt wird, aber nie, weil zu wenig Wasser im Kanal ist. Das war vorher vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt kontrolliert abgelassen worden.

Hoch- oder Niedrigwasserstände sind in der künstlichen Wasserstraße ohnehin kaum zu erkennen, es handelt sich meistens nur um wenige Zentimeter, die den Unterschied zum regulären Pegel von 4,95 Meter ausmachen. Doch gestern fiel die Marke unter 4,85 Meter. Das war morgens bemerkt worden. Ab 8.15 Uhr nahm die Fähre „Pillau“ in Sehestedt keine schweren Fahrzeuge mehr mit, denn für die eignet sich die Auffahrrampe nicht, wenn sie in einem zu steilen Winkel auf der Fähre liegt.

Dass es genau an der Stelle zu diesem ungewöhnlichen Ereignis kam, liegt laut Matthias Visser vom Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau am „Badewannen-Effekt“. Denn seine Kollegen hatten in Brunsbüttel Wasser aus dem Kanal gelassen, um den Pegelstand auf 4,85 Meter zu senken. Das sei nötig, weil an der Fährstelle Hohenhörn eine Fährplatte ausgewechselt werden soll. „Dafür brauchen wir einen niedrigeren Wasserstand“, erklärte Visser gestern auf Nachfrage der Landeszeitung. In solchen Fällen entsteht beim Ablassen eine sogenannte Sunkwelle, die einmal durch den gesamten 100 Kilometer langen Kanal bis an die Schleusentore in Kiel-Holtenau läuft. „Wie in einer Badewanne, wenn an einer Seite Wasser abgelassen wird“, sagte Visser. An den Toren werde die kaum sichtbare Welle in die Gegenrichtung reflektiert. In Sehestedt muss es dann zu einer Überlagerung mit einer zweiten Sunkwelle gekommen sein. Dadurch sei der Pegelstand dort für einige Zeit zu niedrig gewesen. „Es handelte sich nur um wenige Zentimeter“, betonte er. Auf die Schifffahrt haben diese Schwankungen keine Auswirkungen, sie liegen im üblichen Sicherheitsbereich.

Niedrigwasser ist laut Visser sonst nie ein Problem gewesen. „Sonst kann es dazu auch gar nicht kommen“, sagte er. Denn die Ostsee habe fast das gleiche Niveau wie das Wasser im Kanal. Zudem gebe es insgesamt 24 Zuflüsse in die Wasserstraße. Insofern komme es eher zu Hochwasser.

Der Wasserstand soll auf 4,85 Meter eingependelt werden. Matthias Visser glaubt aber nicht, dass es zu weiterem Niedrigwasser kommt. Gestern Nachmittag durften schwere Laster und Trecker bereits wieder auf die Fähre. Die Arbeiten am Anleger in Hohenhörn dauern noch eine Woche. Dann wird der Pegel wieder um zehn Zentimeter nach oben korrigiert.

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