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Landeszeitung

25. September 2017 | 02:48 Uhr

Haapsalu : Kuren, Kirche und viel Kultur

vom

Ein Bummel durch Haapsalu - Rendsburgs nördlichste Partnerstadt. Die Bischofsburg und der Bahnhof sind die größten Sehenswürdigkeiten der estnischen Stadt.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2011 | 07:25 Uhr

Haapsalu | Der Bahnhof fällt sofort ins Auge. Von Süden kommend liegt er rechter Hand am Straßenrand - groß und rot. Die Lokomotiven auf den Gleisen fahren allerdings nicht mehr; und auch nur der vordere Bahnhofsteil ist farblich instand gesetzt. Das war vor gut einhundert Jahren anders. Damals reiste die gesamte Zarenfamilie zur Kur und zur Sommerfrische nach Haapsalu. Heute erntet der Reisende höchstens einen verständnislosen Blick, wenn er die Stadt im Nordwesten Estlands erwähnt.
In Rendsburg ist das anders. Ein ganz besonderer Wegweiser am Bahnhofs-Vorplatz von Haapsalu macht es deutlich. Er zeigt an, wie weit es zu den insgesamt elf Partnerstädten von Haapsalu ist. Ganz oben am Pfahl deutet der Pfeil nach Rendsburg, das in "Saksamaa" liegt - so heißt Deutschland auf Estnisch. 990 Kilometer liegen zwischen den beiden Städten. Das ehemalige Hapsal hatte aus Rendsburg schon mehrfach Besuch, seit am 29. November 1989 zwischen den Städten ein Partnerschaftsvertrag unterzeichnet wurde. So traten Chöre in der imponierenden Domkirche auf; und zum "Festival der Weißen Dame" reisen Stadtvertreter in den Norden.
Die weiße Dame "wohnt" in der ehemaligen Bischofsburg, die neben dem Bahnhof Wahrzeichen und Sehenswürdigkeit der Stadt ist. Wenn man im Zentrum ("keskus" auf Estnisch) unterwegs ist, führen die Wege immer wieder zu der riesigen Anlage. Größtenteils stehen nur noch die Mauern; aber die Bischofskirche ist noch erhalten und beherbergt unter anderem ein sehenswertes Museum. Und von einem - mit Mitteln der Europäischen Gemeinschaft sanierten - Burgturm hat man eine großartige Aussicht.
Überall im Baltikum stößt man auf deutsche Spuren. So auch hier. Denn neben Dänen und Schweden hatten die Deutschen hier einmal das Sagen. Der Name des ehemaligen Bistums (Ösel-Wieck) macht es deutlich. Ösel - so hieß einst die Insel Saaremaa. Und das frühere Wieck ist heute Lääne (oder Läänemaa). An etlichen Stellen im Land wurden trutzige Burgen für die Gottesdiener errichtet. Und die waren im Umgang mit ihren Untertanen nicht zimperlich: Der Sage nach soll sich einst ein Domherr in ein estnisches Mädchen verliebt haben. Als Junge verkleidet kam es in die Burg - und wurde lebendig in die Kapellenwand eingemauert, als man es entdeckte.


"Seit Jahrhunderten erscheint dort im mittleren Fenster in den Vollmondnächten des August ein greller Schatten, der Ähnlichkeit mit den Umrissen einer Frauenfigur hat", erzählen Reiseführer. Und: Jährlich findet zu diesem Zeitpunkt das Festival "Zeit der Weißen Dame" statt. Die Esten sind sangesfreudig und kulturbegeistert - das zeigt sich an regelmäßigen Veranstaltungen in der Stadt.
Trotz der Städtepartnerschaft ist man aber auf deutsche Gäste nicht so recht eingestellt. In der Tourist-Information gibt es überwiegend Material auf Englisch, in dem auch die jungen Damen freundlich Auskunft geben. Aber einen Stadtplan mit empfohlenem Rundgang gibt es. Und so werden die Besucher über den ehemaligen Marktplatz (heute Schlossplatz) in Richtung Promenade geleitet. Hier zeigt sich deutlich, dass Haapsalu ein Seebad ist. Das Kurhaus ist ein Glanzstück der Holzarchitektur, aber in der Moderne angekommen: Eine Rampe ermöglicht den barrierefreien Zugang. Schließlich verdreifacht sich die Einwohnerzahl während des Sommers: Die Urlauber genießen den Strand und die Schlammkuren. So wie vor einhundert Jahren die Zarenfamilie.

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