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Ausstellung im Mueseum : Kunstwerke zeigen das Leben der Vertriebenen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sonderausstellung „Fremde in der Heimat – Heimat in der Fremde“ – Adnan Harbo zeigt seine Kunstwerke.

Als einen von unzähligen Flüchtlingen hat es Adnan Harbo vor zehn Monaten aus dem Irak ins etwa 4000 Kilometer entfernte Rendsburg geschafft. Die Sonderausstellung „Fremde in der Heimat – Heimat in der Fremde“ in den Museen des Kulturzentrums stellt seine Geschichte und das Leben vieler weiterer Flüchtlinge, Fremder und Zugezogener in den Mittelpunkt. Am Wochenende führte Jonas Müller durch die Sonderausstellung. Als wissenschaftlicher Volontär des Museums hat er ein Jahr daran gearbeitet.

„Ihre Geschichte hat auch die Rendsburger Kultur geprägt“, weiß der Historiker. Daher dreht es sich nicht ausschließlich um die zeitgenössischen Flüchtlingswellen. Ein Koffer aus alten Kriegszeiten zeigt beispielsweise, was die fliehenden Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in die Fremde mitgenommen haben. „Viele fliehende Menschen haben trotzdem den Haustürschlüssel eingepackt. Ein Symbol ihrer Hoffnung auf die Rückkehr in die Heimat“, stellte Müller fest. Über Kopfhörer können die Besucher die Interviews verfolgen, die Jonas Müller mit betroffenen Zeitzeugen wie Aref Samsor aus Afghanistan führte.

Zu der Führung am Sonnabend fand außerdem ein umfangreiches Begleitprogramm statt. Nach einer Tour durch die Ausstellungsräume waren die Brasilianerin Rosana Trautrims und Franz-Reinold Organista mit ihrem Projekt „Muvaca – Stimmen der Welt“ vor Ort. Migranten jeder Kultur und jedes Landes drücken dabei ihre Gefühle und Gedanken mithilfe von Gedichten und Musik in ihrer Muttersprache aus. Anschließend werden diese ins Deutsche übersetzt. Damit soll auf die kulturelle Vielfalt, die jeder Fremde in die neue Heimat mitbringt, aufmerksam gemacht werden.

Auch Adnan Harbo möchte seine Kultur den Menschen näherbringen und trug ein Lied auf Turkmenisch vor. Er spricht noch kaum Deutsch, gemeinsam mit seinem Flüchtlingspaten Dieter Windeler aus Westerrönfeld lernt er jedoch regelmäßig. „Ohne ausreichende Deutschkenntnisse komme ich nicht weiter. Ich arbeite auf eine Aufenthaltserlaubnis hin, um wieder studieren und meinen Abschluss hier machen zu können“, sagte er.

An der zweitgrößten irakischen Universität in der Stadt Mossul studierte er vier Jahre lang Bildhauerei. Mehrere Skulpturen aus verschiedensten Materialien hat der Kunstakademiker in dieser Zeit erschaffen, womit er viele Preise und hohe Anerkennung in seiner Heimat gewann. Doch ob aus Marmor, Granit oder Eisen – jedes seiner Werke wurde gemeinsam mit anderen prä-islamischen Kunstwerken am 10. Juni 2014 im Zuge des IS-Terrors zerstört. „Bis zu 7000 Jahre alte, historisch wertvolle Werke wurden von den Terroristen in kürzester Zeit ruiniert“, berichtet der Künstler. Zudem wurden die Einwohner nach der gewaltvollen Eroberung vor die Wahl gestellt, den Ort zu verlassen, zum Islam zu konvertieren oder hingerichtet zu werden. Damit verdrängten sie ihn zunächst in seine Heimatstadt Tal Afar im Nordwesten des Irak. Doch auch dort waren er und seine Familie nicht lange sicher. Frauen und Kinder wurden versklavt, Männer umgebracht. Sein Neffe ist im Irak getötet worden. Immer wieder wurde auch Adnan von bewaffneten Männern bedroht und verfolgt. „Wir sind nur mit dem Nötigsten in die Türkei geflohen. Später ging es für mich weiter nach Deutschland – größtenteils zu Fuß“, erinnert er sich.

Adnans Familie lebt weiterhin in der Türkei, zu den meisten Familienmitgliedern hat er keinen Kontakt mehr. Nicht nur für den Iraker stellt sich daher die Frage, was Heimat nun für ihn bedeutet. Nachdem er anfangs in der Flüchtlingsunterkunft in der Kaiserstraße untergekommen ist, bezieht er zurzeit eine eigene kleine Wohnung in Schacht-Audorf. In Rendsburg gibt Adnan ehrenamtlich Kunstunterricht an der Christian-Timm-Schule. „Ich habe viele Träume. Ich würde gerne bei der NordArt mitwirken und hier arbeiten “, plant er hoffnungsvoll. In der Ausstellung im Hohen Arsenal präsentiert Adnan zurzeit seine neu geschaffenen Kunstwerke. Seine aus Marmor gefertigte Skulptur stellt eine wartende Mutter dar. „Das Warten einer Mutter ist die aufrichtigste Art des Wartens“, steht auf dem Schild in Englisch geschrieben. Der Künstler weiß: „Eine Mutter wird immer auf ihr Kind warten, egal was passiert ist oder noch passieren wird. Und egal wie schmerzhaft es auch sein mag.“ Auf einem Pastellgemälde im abstrakten Stil hielt der Künstler außerdem die gemeinsame Flucht fest. „Ich habe die Menschen ohne Kleidung gemalt, denn sie repräsentiert das Land und die Kultur. Genau diese Dinge werden uns Flüchtlingen genommen. Auf der Flucht ist jeder als wäre er nackt“, erklärte er. Die Figuren halten ihre Hände auf ihrem Herzen. „Sie bangen um ihr Leben, um all das, was sie hinter sich gelassen haben und das Ungewisse, das noch vor ihnen liegt“, sagt er aus eigener Erfahrung. Auch auf Fotos sieht man ihn und seine Familie auf dem Weg von ihrer Heimat in die Fremde. Und vielleicht auch von der alten in die neue Heimat.







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