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Ausstellung in Bergenhusen : Kunst vom „Spülsaum des Lebens“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Jons Drawert feiert in seinem „Kunstpunkt“ drei Jubiläen mit einer Ausstellung. Ab Sonntag zeigt er in der Galerie im Stall Engel, Boote und Bilder.

Wer den Künstler kennt, sieht es auf einen Blick: Das Bild am Eingang zur Galerie zeigt Jons Drawert. Damals fertigte er Keramiken an. Heute findet er seine Materialen am „Spülsaum des Lebens“, wie er es nennt. Aus der Gegend von Recklinghausen stammend führte ihn sein Lebensweg über Hamburg, Pellworm, Braunschweig nach Bordesholm und von dort nach Bergenhusen. Auch wenn Orte und Ausdrucksmittel wechselten – seine künstlerische Linie sei gradlinig, habe sich „immer mehr zugespitzt und verdichtet“, sagt der 65-Jährige.

Seit zehn Jahren setzt er seinen „Kunstpunkt“ in dem Storchendorf, davon seit etwa sieben Jahren in der Poststroot. Einen alten Stall hat er von Spinnweben und Efeuranken befreit und zu einer Galerie umfunktioniert. Die alte Mistrinne ist noch erkennbar und mit Kieseln aufgefüllt. Der Amboss, den ein Schmied hier hat stehen lassen, hat er in seine Ausstellung einbezogen. Es sind keine Hochglanzobjekte, sondern ursprünglich bis archaische Werke, die Jons Drawerts Kunst auszeichnen. Skulpturen aus Mooreiche, alten Weidepfählen oder ehemaligen Mühlsteinen – da wirken weder der Amboss noch eine mächtige Werkbank fehl am Platze. Seine Materialien hat der Künstler vom Sperrmüll oder von Flohmärkten. Nach einer Sturmflut fährt er gerne nach Eiderstedt, um am Sperrwerk fündig zu werden. Oder er er sammelt seine Werkstoffe in der Umgebung. „Aus der Vergänglichkeit und Horizontalen setze ich sie ins zeichenhafte Vertikale.“

„Meine Werke kommen von hier und passen hierher“, stellt der Künstler fest. Das mache sich beim Aufstellen der Figuren bei den Käufern bemerkbar: „Sie wirken, als wenn sie immer hier gestanden haben.“ So habe er anfangs Bedenken gehabt, ob seine Engelsfiguren mit einem Kummet (Teil des Zugeschirrs für Pferde) als Flügel mit dem Ambiente des Schwabstedter Friedhofes harmonieren. Dort hat er für den Schriftsteller Emil Mayer-F. und dessen Frau er ein Grabmal gestaltet. Seine Sorge war unbegründet.

Nicht nur Drawerts Engel sollen daran erinnern, dass unsere Gesellschaft auf christlichen Grundwerten beruht. Auch mit seinem neuesten Werk, dem „Fluchtboot“, will er Denkanstöße geben. Die kleine Torte am Bug symbolisiert, „dass Amerika und wir auf der Sahnetorte der Welt leben“. Handgeschmiedete Nägel stellen die Flüchtlinge dar, die mit Booten kommen, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. „Boote sind mein Thema, so lange ich denken kann“, erklärt Jons Drawert.

Neu und von schlichter Schönheit sind in diesem Zusammenhang auch seine „Eissegler“: Auf alten Schlittschuhkufen stellen Fundhölzer die Segel dar. Und in Zukunft? „Ich weiß nicht, ob noch etwas Neues auf mich zukommt“, erklärt Jons Drawert. Aber an kreativen Gedanken mangelt es dem Künstler nach wie vor nicht.

Vita und Ausstellung

> 1950 bei Recklinghausen geboren.
> Ab 1974 in Norddeutschland.
> Studium der Bildhauerei, Keramik und farbiges Zeichnen in Braunschweig.
> Seit 1985 selbstständig – davon einige Jahre Keramikatelier in Felde/Westensee

> Jubiläum: 10 Jahre Bergenhusen – 35 Jahre Ausstellungen – 65. Geburtstag.
> Jubiläumsevent im KunstPunkt

Bergenhusen (Poststroot 4) am

Sonntag, 1. November, ab 11.11 Uhr.

> Bis Sonntag, 8. November, täglich ab

12 bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet.
> www.kunstpunkt-drawert.de

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erstellt am 28.Okt.2015 | 19:35 Uhr

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