Kuh-Tour, Auto-Los Bürokratie-Wahnsinn

whe-sabine sopha
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25. Mai 2018, 11:28 Uhr

Die Kuh ist vom Eis. Oder: Lasst uns die Kuh vom Eis holen. Redensarten, die heute gerne noch verwendet werden, auch wenn tatsächlich kaum Kühe in die Gefahr kommen, sich auf eine Eisfläche zu verirren, dort festfrieren könnten und mühsam gerettet werden müssen. Man meint mit diesem Spruch, dass ein Problem gelöst ist oder eine schwierige Situation entschärft wird. Die Redensart soll 1965 entstanden sein – in einer Zeit, als die Kühe auch im Winter im Freien anzutreffen waren. Heute sind die Rindviecher selbst im Sommer auf der Weide eine Seltenheit – genauso wie eine enge Dorfgemeinschaft. Auf beide Missstände macht Gerda Muh aufmerksam, eine hölzerne Kuh, die jetzt in Aukrug-Homfeld von Haus zu Haus zieht. Wer die Idee hatte und das Tier geschaffen hat, ist unbekannt. Aber auf jeden Fall ist es eine gute Tat, denn auf diese Weise kommen die Dorfbewohner wieder miteinander in Kontakt.

Eis-Kauf oder Arzt-Besuch – beides ist schwierig, wenn man auf dem Land lebt und das Auto in der Garage bleiben muss. Das kann zum Beispiel kurzfristig krankheitsbedingt der Fall sein. Eben mal schnell etwas erledigen, das ist dann nicht möglich. Da muss alles genau geplant werden. Vor allem: Freunde oder Familienangehörige müssen als Chauffeur agieren. Arbeitet der Ehepartner auswärts und die Freunde sind berufstätig, bleiben nur die Füße als Transportmittel. Da ist es gut, wenn im Dorf noch ein Lebensmittelladen oder ein Markttreff vorhanden sind ebenso wie eine Gaststätte, in der man ein leckeres Schnitzel essen kann. Das ist in Sehestedt der Fall und einen Doktor gibt es auch noch. Es existiert zwar eine Busverbindung – aber in den Ferien nur sporadisch. Um mit Hüttis Marktbus zu fahren, sind ebenfalls Zeit, Geduld und Planung nötig. Es wäre angebracht, wenn Politiker (ob auf Bundes-, Landes- oder Kreisebene) mal einige Zeit ohne Auto und Fahrer auf dem Dorf leben müssten – dann würde vielleicht mehr in Infrastruktur sowie in einen besseren Personennahverkehr investiert werden. Wichtig ist es. Die Gesellschaft wird älter und damit fällt vielen das Autofahren schwerer.

DSVGO. Wer im Internet unterwegs ist, wurde in den vergangenen Tagen mit Mails zu diesem Thema bombadiert. Seit dem 25. Mai gilt nämlich eine neue Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Darin werden Unternehmen verpflichtet, transparent mit den personenbezogenen Daten umzugehen. Grundsätzlich eine wichtige Sache, möchte doch niemand, dass beispielsweise seine Angaben an Dritte verkauft werden. Allerdings ist der gute Ansatz mal wieder zu einem echten Brüsseler Bürokratiemonster verkommen. Nicht nur, das Betreiber von Web-Seiten und Blogs seit Wochen mit der Umsetzung beschäftigt sind, auch die Nutzer werden auf Trab gehalten: Eckernförder Heimatgemeinschaft, Aktiv-Regionen, Rendsburger Museen, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, NordArt und viele andere mehr haben die Empfänger ihrer Newsletter angeschrieben. Der einzige Vorteil der Sache: Wenn man nicht antwortet, ist man unliebsame Mitteilungen endlich los geworden.

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