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Landeszeitung

18. August 2017 | 07:49 Uhr

Kropp hofft auf viel frischen Wind

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Baubeginn für den Bürgerwindpark an der B 77 / Ende Juni sollen sechs Anlagen Strom produzieren

Zwischen Kropp und Tetenhu sen geht es bald rund: Spätestens Ende Juni sollen westlich der Bundesstraße 77 sechs Windkraftanlagen in Betrieb genommen werden – über 100 Meter hoch und so leistungsfähig, dass sie theoretisch mehr als 15 000 Haushalte mit Strom versorgen könnten. Drei der Anlagen gehören zum Bürgerwindpark Kropp-Tetenhusen, die anderen drei wurden bereits vor Fertigstellung von der Projektentwickler-Gesellschaft WKN aus Husum an die KGAL Unternehmensgruppe aus Grünwald bei München verkauft, die unter anderem geschlossene Fonds im Bereich der erneuerbaren Energien anbietet.

„Die Bauarbeiten haben am Montag begonnen, schon in wenigen Wochen könnten die Fortschritte auch von der Bundesstraße aus sichtbar werden“, sagte Sven Bockmeyer, der die Idee für den Windpark hatte und inzwischen als Geschäftsführer des Bürgerwindparks fungiert. Investoren in den beiden Gemeinden zu finden war nach Bockmeyers Aussage kein Problem – und das, obwohl die Anlagen mit 4,67 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Der Finanzierungsplan sieht eine Eigenkapitalquote zwischen 15 und 20 Prozent vor“, erläuterte der Geschäftsführer.

Nach den ersten Informationsveranstaltungen war die Höchstsumme der Zeichnungen schnell überschritten – um möglichst viele Bürger zum Zuge kommen zu lassen, wurden die gewünschten Beteiligungen der Investoren um 20 Prozent reduziert.

Inzwischen sind 109 Bürgerinnen und Bürger aus Kropp und Tetenhusen beteiligt, die 2,656 Millionen Euro aufgebracht haben – 18, 6 Prozent des Gesamtvolumens. Der Rest wird von Sparkassen und Banken finanziert.

Dass sich die Investition für die Anleger lohnt, steht für Bockmeyer außer Zweifel. Der Finanzierungsplan, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht genehmigt wurde, sieht über eine Zeitspanne von 20 Jahren eine Rendite von 500 Prozent vor. „Wer 10 000 Euro investiert hat, bekommt 50 000 Euro bis zum Jahr 2034 zurück“, sagt Bockmeyer. Voraussetzung ist allerdings, dass das sehr niedrige Zinsniveau stabil bleibt und die Zusicherung der Subventionen für Strom aus Windkraft auch dauerhaft Bestand hat.

Bereits Mitte der 1990-er Jahre hatte Bockmeyer erste Gespräche mit Kropps Bürgermeister Reinhard Müller über die Möglichkeit eines Windparks geführt – seitdem wurden viele große und kleine Probleme gelöst. Die reichen von der Ausweisung der Windeignungsflächen bis hin zu der erstaunlichen Tatsache, dass die Bundeswehr zugesagt hat, ihre Mindestflughöhe in dem fraglichen Gebiet um rund 30 Meter heraufzusetzen.

Noch allerdings gibt es viel zu tun: Neben der Errichtung der mächtigen Anlagen müssen noch sieben Kilometer Kabel zum Kropper Umspannwerk verlegt werden, wo der Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird, und auch die Fledermäuse sind zu beachten. Es wurde zwar ein Gutachten erstellt, das den Einfluss der Windmaschinen auf die nachtaktiven Flieger beleuchtet, der dazugehörige Bericht aber liegt noch nicht vor. Bis zur Auswertung gilt ein Betriebsverbot für die Zeiten, in denen die Tiere besonders aktiv sind. Den möglichen Ertragsverlust beziffert Bockmeyer mit 2,3 Prozent.

Dass zwischen Kropp und Tetenhusen in den nächsten Wochen und Monaten etwas ganz Besonderes entsteht, wird gelegentlich auch auf der Bundesstraße spürbar: Für den Transport der gigantischen Türme, Flügel und Maschinenhäuser müssen sogar die Kreisverkehre umgebaut werden. Dann wird es wieder eng auf der B 77.

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