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Neuer Kurs für „AidaCara“ : Kreuzfahrt-Kapitäne meiden den Nord-Ostsee-Kanal

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

20 Schiffe weniger und die „AidaCara“ auf Umwegen: Traumschiff-Fans sehen eine wichtige Attraktion der Region Rendsburg in Gefahr. Die maroden Kanalschleusen sind Schuld.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2015 | 01:00 Uhr

Rendsburg | Kiel, Nord-Ostsee-Kanal, Bergen, Oslo, Göteborg, Kopenhagen, Kiel. So lautet die klassische Nordeuropa-Route der „AidaCara“. Kurz nach Verlassen des Ostseekais schwenkt das Clubschiff der Reederei Aida Cruises in den NOK ein. „Zu Beginn der Fahrt wird an der Schiffsbegrüßungsanlage in Rendsburg die Nationalhymne gespielt, und die Flagge wird gedippt“, heißt es im Aida-Reiseprogramm.

So hätte es auch am vergangenen Sonnabend sein sollen. Doch dazu kam es nicht. Der Kapitän änderte kurzfristig die Route. Anstatt Rendsburg nahm das Schiff mit dem Kussmund am Bug Kurs auf Skagen. Nicht nur am Aussichtspunkt „Kiek ut“ in Schacht-Audorf, wo sich am Abend etwa 40 Kreuzfahrer-Fans und andere Seh-Leute um Stimmungsmacher Rainer Festing versammelt hatten, war die Enttäuschung groß. Und in die getrübte Laune mischte sich eine Sorge: Verliert die Region Rendsburg mittelfristig eine ihrer größten Attraktionen, die dicht am Kanalufer vorbeiziehenden Passagierdampfer?

Die Übersicht der Traumschiffe im Nord-Ostsee-Kanal umfasst deutlich weniger als noch vor Jahren. Auf der Kreuzfahrerliste, die die Touristische Arbeitsgemeinschaft Nord-Ostsee-Kanal in diesen Tagen drucken lässt, sind nur noch 79 Passagen verzeichnet. In den vergangenen Jahren waren es stets um die 100 Termine. Allein 33 entfallen auf die Ferienmonate Juli und August. Die Reederei Aida Cruises gibt als Grund für die Kursänderung am Sonnabend das schlechte Wetter an. „Starkwinde mit Geschwindigkeiten bis zu 27 Knoten machten eine sichere Durchfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal am 11. und 12. April unmöglich“, sagt Aida-Sprecher Hansjörg Kunze auf LZ-Anfrage. Die Sicherheit von Gästen und Crew habe jederzeit oberste Priorität. Daher habe man sich entschlossen, den Routenverlauf an die aktuelle Wettersituation anzupassen, so Kunze.

Am Sonnabend kam es in Brunsbüttel aber auch zu langen Wartezeiten für Schiffe, die den Kanal verlassen wollten. Ende März hatte ein 131 Meter langer Frachter dort die große Nordschleuse gerammt. Das 1200 Tonnen schwere Schleusentor muss ausgetauscht werden. Es kann jedoch frühestens Anfang Mai ausgebaut und ersetzt werden.

Im schlechten Zustand der Kanalschleusen sehen Schifffahrtsexperten das eigentliche Problem. Der Schacht-Audorfer Rainer Festing (69), der seit Jahren den Aussichtspunkt „Kiek ut“ in eine etwas andere Schiffsbegrüßungsanlage mit Musik, Fackeln und Wunderkerzen verwandelt, befürchtet durch die bröckelnde Verlässlichkeit der Anlagen einen weiteren Rückgang der Traumschiff-Passagen in den nächsten Jahren. „Wenn die Kreuzfahrtschiffe erst einmal weg sind, kommen sie nicht mehr wieder.“ Ohnehin bieten sich nach seinen Angaben immer weniger Chancen, die Riesen der Ozeane aus nächster Nähe zu beobachten. „Viele Schiffe fahren mitten in der Nacht an Rendsburg vorbei. Oder tagsüber zu Uhrzeiten, an denen die meisten von uns arbeiten müssen.“

Am kommenden Sonnabend starten die Traumschiff-Fans trotz aller Widrigkeiten den zweiten Versuch der Saison, der „AidaCara“ ein Ständchen zu singen. Die große Hoffnung der Schacht-Audorfer ist, dass der Kapitän auf Höhe „Kiek ut“ endlich einmal wieder das Schiffshorn betätigt. Als Gruß an die treuen Fans am Kanal. „Im letzten Jahr haben wir nicht mal mehr ein Signal bekommen“, sagt Festing. „Vielleicht liegt es am neuen Kapitän der ,AidaCara‘ – wir wissen es nicht.“

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