Rader Insel : Kreis will Wochenendhäuser abreißen

Gesprächsbedarf: Kreisbauamtsleiterin Birgit Kulgemeyer diskutiert mit Alexander Herzog (links) und Hans-Werner Lauwen die Situation auf der Rader Insel. Foto: Laabs
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Gesprächsbedarf: Kreisbauamtsleiterin Birgit Kulgemeyer diskutiert mit Alexander Herzog (links) und Hans-Werner Lauwen die Situation auf der Rader Insel. Foto: Laabs

Der Kreis setzt den Eigentümern auf der Rader Insel eine letzte Frist. Bis zum 15. September sollen Wohnhäuser, Geräteschuppen, Wohnwagen und Bootshäuser dort verschwunden sein.

shz.de von
15. April 2011, 12:39 Uhr

Schacht-Audorf/Rade/R. | Das Kreisbauamt greift durch: 60 illegale Wochenendhäuser, Geräteschuppen, Wohnwagen und Bootshäuser sollen von der Rader Insel verschwinden.Die Frist für den freiwilligen Abriss durch die Eigentümer endet am 15. September. Glück hat, wer über 60 Jahre alt ist. Er darf seine "Immobilie" bis zum Lebensende nutzen - ein Entgegenkommen des Bauamtes, das damit einen Vorschlag des Kieler Petitionsausschusses vom Februar 2008 aufgreift. Allerdings wird das vermeintliche Glück durch die Auflage eingeschränkt, dass der Eigentümer die gesetzlich vorgeschriebene Abwasserentsorgung sicherstellen muss - möglicherweise eine teures Unterfangen am Ufer der Eider.
Seit über zehn Jahren berichtet der sh:z über die illegalen Wochenendhäuser auf der Rader Insel. Eine wechselvolle Geschichte, gespickt mit Versprechen, Ankündigungen, juristischen Auseinandersetzungen und - vielen langen Pausen. Das soll nun ein Ende haben, erklärte Kreisbauamtsleiterin Birgit Kulgemeyer. "Wir wollen die nicht genehmigten Wochenendhäuser auf der Rader Insel beseitigen und damit die baurechtswidrigen Zustände beheben", erklärte sie gestern im Gespräch mit dem sh:z.
Für keines der Wochenendhäuser wurde jemals eine Baugenehmigung erteilt
In den nächsten Tagen werde die Verwaltung die 44 Eigentümer der Wochenendhäuser anschreiben und auffordern, die Bauten bis spätestens 15. September zu beseitigen. Sollte der Aufforderung nicht entsprochen werden, so Kulgemeyer, werde der Kreis die Wochenendhäuser auf Kosten der Eigentümer entfernen lassen."Ausnahmen sind diejenigen 13 Eigentümer, die am 26. Februar 2008, also dem Tag des Kompromissvorschlags durch den Petitionsausschuss, das 60. Lebensjahr vollendet haben", erklärte die Kreisbaudirektorin. Damit folge man dem Kieler Votum. "Zwar hat das Gremium festgestellt, dass die von der Verwaltung getroffene Entscheidung, die Bauten zu entfernen, nicht zu beanstanden ist, aber der Ausschuss wollte dennoch einem Teil der Pächter helfen", erläuterte Kulgemeyer.
Die Rader Insel zwischen Nord-Ostsee-Kanal und Eider gehört zu den Gemeinden Schacht-Audorf, Rade und zu Borgstedt. Für keines der dortigen Wochenendhäuser wurde je eine Baugenehmigung erteilt. In den 60er Jahren war mit der illegalen Bebauung begonnen worden. Die Schwarzbauten haben teilweise eine Grundfläche von über 80 Quadratmetern. In den Jahren 2001 und 2002 wurden zwischen dem Kreis und den Eigentümern Verträge geschlossen. Darin duldete der Kreis die Häuser bis maximal 31. Januar 2008. "Bis zum Ablauf der Frist wurde aber nur ein kleiner Teil der Wochenendhäuser beseitigt", beklagte Hans-Werner Lauwen, zuständiger Sachbearbeiter im Kreisbauamt. 2009 habe man versucht, mit Bebauungsplänen die illegalen Häuser nachträglich zu legalisieren", ergänzte Alexander Herzog, Leiter des Fachdienstes Bauaufsicht und Naturschutz in der Kreisverwaltung. Das sei aber unter anderem an den Lärmimmissionen durch die Autobahn und den Naturschutzauflagen im Uferbereich gescheitert.
Auch ein anderes Rader-Insel-Problem steht offenbar kurz vor der Lösung. Dabei geht es um den Gertrudenweg (wir berichteten). Nach jahrelangem Gezerre um die Nutzung eines Teils des Weges als Spazierweg, hatte der Kreis im vergangenen Jahr für Borgstedt entschieden. In einem Schreiben an die auf der Insel tätige Schreiber GmbH & Co. KG, die den Weg als "innerbetriebliche Verkehrsfläche" betrachtet, wurde die Firma aufgefordert, das Schild "Unbefugtes Betreten und Befahren verboten" zu entfernen und damit den Weg für Bürger wieder zu öffnen. Dagegen hatte Schreiber Widerspruch eingelegt. Über diesen Widerspruch will der Kreis in den nächsten Tagen entscheiden.
(aab, shz)

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