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Hauptgesellschafter zahlen : Kreis will die Mehrheit am Nordkolleg

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kompliziertes Konstrukt soll Zahlungsfähigkeit der Einrichtung sichern. Anteilseigner gleichen Verlust von 2016 schon am Jahresanfang aus.

Geldregen für das Nordkolleg: Die defizitäre Bildungseinrichtung am Rendsburger Gerhardshain erhält Anfang kommenden Jahres rund 367  000 Euro von ihren beiden Hauptgesellschaftern auf einen Schlag. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde und die Stadt Rendsburg gleichen damit den Verlust aus diesem Jahr und das zu erwartende Minus des Jahres 2016 aus. Zudem will der Kreis dem Nordkolleg ein Darlehen gewähren – dazu muss er jedoch erst einmal Mehrheitsgesellschafter werden. Deshalb will er der Stadt Rendsburg zehn Prozent der Anteile abkaufen.

Wie hoch das Defizit des Nordkollegs in diesem Jahr ausfällt, ist noch nicht klar. Die Einrichtung hat jedoch ein „Worst-Case-Szenario“ vorgelegt: Im schlechtesten Fall steht ein Verlust von knapp 167  000 Euro im Jahresergebnis. Als Gesellschafter trägt die Stadt Rendsburg davon ein Drittel, also rund 56  000 Euro. Dem hat die Ratsversammlung bereits zugestimmt. Mit seinem Nordkolleg-Anteil von 40,1 Prozent trägt der Kreis zwei Drittel des Verlustausgleichs, also knapp 111  000 Euro. Die Zustimmung im Kreistag am kommenden Montag gilt als sicher, weil der Hauptausschuss die Pläne bereits abgesegnet hat. Neu ist, dass der zu erwartende Verlust des Jahres 2016 ebenfalls bereits zu Beginn des Jahres ausgeglichen wird. Der Kreis rechnet mit 200  000 Euro, wovon er gut 133  000 Euro trägt, während Rendsburg knapp 66  000 Euro übernimmt. Ratsversammlung und Hauptausschuss haben bereits zugestimmt, die Entscheidung des Kreistages steht noch aus. „Sollte die Aufstellung des Jahresabschlusses ein niedrigeres Defizit ausweisen, wird der anteilige Betrag zurückgezahlt“, heißt es in dem Antrag, den die Kreistagsfraktionen gemeinsam entwickelt haben. „Das Nordkolleg soll den Verlustausgleich schon vorher erhalten, um die Zahlungsfähigkeit zu sichern“, sagte Hans-Jörg Lüth, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, auf Nachfrage der Landeszeitung. Das sei ehrlicher und das Nordkolleg könne wirtschaften. Denn die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass in jedem Abschluss mit einem Verlust zu rechnen ist: 2012 belief sich das Minus auf 144  000 Euro, 2013 auf 159  000 Euro und 2014 auf 198  000 Euro. Das sei kein Wunder, so Lüth: „Kultur kostet Geld und ist nie kostendeckend.“ Oft müsse das Nordkolleg per Kredit zwischenfinanzieren, weil Zuschüsse erst spät ausgezahlt werden. Die Auszahlung zum Anfang des Jahres sei aber auch mit der Bedingung verbunden, dass die Einrichtung mit dem Geld auskommen muss.

Ein weiteres Problem des Nordkollegs: Hohe Zinsen für Kredite drücken auf die Kasse. Das Problem wollen die Kreispolitiker in den Griff bekommen, indem sie der Einrichtung ein Darlehen zu geringerem Zinssatz gewähren. Damit sollen die teuren, privaten Kredite zurückgezahlt werden. Im Gespräch ist rund eine Million Euro. Das Geld soll aus der Deponierücklage des Kreises kommen. Beihilferechtlich darf der Kreis laut Hans-Jörg Lüth jedoch kein Darlehen gewähren. Das ist nur möglich, wenn er die Mehrheit der Nordkolleganteile hat. Deshalb bietet der Kreis, sofern am kommenden Montag zugestimmt wird, der Stadt Rendsburg an, ihr zehn Prozent der Anteile für rund 15  000 Euro abzukaufen. Damit würde der Kreis 50,1 Prozent halten. Beim Verlustausgleich soll es jedoch dabei bleiben, dass der Kreis zwei Drittel und die Stadt ein Drittel tragen. Darüber berät morgen die Ratsversammlung. Bürgermeister Pierre Gilgenast steht dem Angebot, darüber einen Vertrag mit dem Kreis zu schließen, positiv gegenüber. Es seien „vernünftige Gründe“ zur Verbesserung der Situation.

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erstellt am 08.Dez.2015 | 19:14 Uhr

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