zur Navigation springen

Rendsburg-Eckernförde : Kreis rüstet für Katastrophenfall auf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Neues Lagezentrum in Betrieb genommen. Das Augenmerk liegt auf flächendeckenden Stromausfällen.

Stromausfall – wenn es im Kreis schlagartig dunkel wird, bleiben zumindest in zwei Räumen an der Rendsburger Kaiserstraße 8 die Lichter an: Die Kreisverwaltung als Untere Katastrophenschutzbehörde hat ein neues Lagezentrum für den Fall der Fälle in Betrieb genommen. In einem Funk- und einem Lageraum laufen alle Drähte zusammen, wenn es zu einer Katastrophe kommt.

„Eine Katastrophe liegt vor, wenn der Landrat sie ausruft“, bringt es Kreiswehrführer Mathias Schütte zumindest für seine Einsatzkräfte auf den Punkt. Tatsächlich muss Dr. Rolf-Oliver Schwemer als Katastrophenabwehrleiter letztlich die Gefahr einschätzen. „Dafür gibt es aber kein vorgefertigtes Drehbuch, das wir aus der Schublade ziehen können“, sagt Dr. Thilo Rohlfs, Vertreter des Landrats. Es müsse ein Ereignis sein, das die Gesundheit zahlreicher Menschen, bedeutender Sachgüter oder die Umwelt außergewöhnlich gefährdet und nur bekämpft werden kann, wenn Rettungskräfte und Behörden zusammenarbeiten, fasst Harald Westphal als Fachgruppenleiter Feuerwehr und Katastrophenschutz beim Kreis zusammen. „Das letzte Mal trat das bei der Schneekatastrophe 1979 ein“, sagt er.

„Heute liegt das Augenmerk besonders auf flächendeckenden Stromausfällen“, sagt Thilo Rohlfs. Dieses Szenario sei inzwischen durch die Energiewende realistischer geworden. „Die Eingriffe der Energieunternehmen zur Herstellung der Netzstabilität häufen sich“, so Rohlfs. Denkbar sei aber auch eine Sturmflut an der Ostseeküste. Die letzte habe es zwar 1872 gegeben, doch die Wetterlage sei ähnlich gewesen wie bei Sturm „Christian“ im vergangenen Oktober: Nachdem der Westwind das Wasser von der Küste weggetrieben habe, „schwappte“ es nach dem Sturm wieder zurück, verstärkt durch auf Ost drehenden Wind. Dieser „Badewanneneffekt“ könne die Küste jederzeit wieder treffen, sagt Thilo Rohlfs.

Westwindlagen spricht auch der stellvertretende Kreiswehrführer Fritz Kruse an: „Wenn es zu so starken Regenfällen kommt, wie jetzt in Teilen Englands, kann die Belastung des Eiderdeichs zu groß werden.“ Bei starkem Wind könne dann auch kein Wasser über das Eidersperrwerk ablaufen. Er habe bereits erlebt, dass die Deiche mit Sandsäcken gesichert werden mussten.

„Im Katastrophenfall ist es geboten, kurzfristig arbeitsfähig zu sein“, begründet Thilo Rohlfs die Einrichtung des 40 000 Euro teuren Lageraums als Ersatz für die bisherige provisorische Lösung. Wenn es dazu kommt, übernimmt er die Leitung des Führungsstabes, zu dem auch Kreiswehrführer Mathias Schütte und Mitarbeiter aus dem Kreishaus gehören. Je nach Art der Katastrophe kommen externe Kräfte dazu, etwa von der Bundeswehr oder der Polizei. Zwölf mit Laptops ausgestattete Arbeitsplätze sowie zwei Funkplätze stehen zur Verfügung. Der Raum verfügt über eine Notstromversorgung über ein Aggregat im Keller sowie über ein autarkes Computernetzwerk. Alle Stabsmitglieder können darüber auf eine digitale Karte zugreifen, auf der die aktuelle Lage ablesbar ist. „Der Stab muss vorhersehen, wie viele Einsatzkräfte vor Ort gebraucht werden, er muss Ablösung, Verpflegung und Materialnachschub organisieren“, erklärt Fritz Kruse. Zudem sei es hilfreich, direkten Zugriff auf Unterlagen des Kreishauses zu haben, etwa der Wasserbehörde. Insgesamt stehen 1100 Kräfte aus Feuerwehren und Rettungsdiensten für den Katastrophenfall in Bereitschaft. Sie stehen dem Stab im Kreishaus zur Verfügung, bei Bedarf auch weitere der insgesamt rund 7000 Wehrleute im Kreis.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Feb.2014 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert