Plastik im Biomüll : Kreis Rendsburg-Eckernförde: Kontrollblick in die braune Tonne

Auch abbaubare Biomüll-Beutel auf Basis nachwachsender Rohstoffe gehören nicht in die braune Tonne. Deshalb wurde der Kübel von Ralf Bollmann aus Fockbek nicht geleert.
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Auch abbaubare Biomüll-Beutel auf Basis nachwachsender Rohstoffe gehören nicht in die braune Tonne. Deshalb wurde der Kübel von Ralf Bollmann aus Fockbek nicht geleert.

Seit Monatsanfang wurden schon 600 Behälter im Kreis nicht geleert.

shz.de von
29. März 2017, 12:53 Uhr

Die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Rendsburg-Eckernförde (AWR) macht ernst: Derzeit werden die Biomülltonnen vor der Abfuhr verstärkt kontrolliert. Wenn sich in einem der braunen Kübel etwas befindet, was sich nicht kompostieren lässt, wird er nicht geleert. Seit Monatsbeginn haben die Müllwerker deshalb bereits hunderte Tonnen an den Straßenrändern im Kreis stehen gelassen. Aber nicht ohne einen Hinweis an den Besitzer zu hinterlassen. Das Zettelchen weist darauf hin, dass aus dem „Inhalt kein Kompost gemacht werden kann“. Dass dazu auch Bioabfallbeutel gehören, ist vielen nicht klar.

„Ich wusste zuerst gar nicht, warum unsere Biotonne nicht geleert wurde“, sagt etwa Ralf Bollmann aus Fockbek. Denn das einzige, was die Abfallentsorger hinterlassen hatten, war ein Zettel mit der Bitte, alles aus der Tonne zu entfernen, was dort nicht hinein gehört. Gesagt, getan, durchsuchten Ralf und Beate Bollmann ihren Bioabfall. Allerdings ohne Erfolg, weder Glas, Metall oder sonst etwas war zu finden. „Und wir achten schon sehr darauf, dass wir den Müll richtig trennen“, versichern die beiden. Nach einiger Recherche im Internet kam dann aber die Erleuchtung: Die „kompostierbaren Plastiktüten“ waren der Grund für die Nichtabholung der Biotonne, denn diese ist nach der Satzung der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises neuerdings untersagt. Für Ralf Bollmann unverständlich, denn die Tüten, die er und seine Frau verwenden, sind nach einer Norm als biologisch abbaubar gekennzeichnet. Vor allem aber stört Bollmann, dass die Rendsburger Abfallwirtschaft ihre Kunden uninformiert lässt. Denn gerade Leute ohne Internetzugang könnten sich kaum über die Regelung informieren. Nicht sehr verbraucherfreundlich, so der Fockbeker. An der Kunden-Hotline riet man ihm dazu, künftig zugelassene Beutel vom Recycling-Hof der AWR zu kaufen. Ralf Bollmann schließt allerdings aus, für die Tüten extra nach Borgstedt zu fahren. Vielleicht benutzen er und seine Frau künftig altes Zeitungspapier, um den Bioabfall aus der Wohnung zur Tonnen zu bringen.

AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt bestätigt die Offensive seiner Gesellschaft auf Nachfrage der Landeszeitung. „Wir sind in der Tat seit dem 1. März dabei, die Inhalte der Tonnen zu prüfen“, sagt er. Seitdem haben die Müllwerker 600 Behälter nicht geleert und stattdessen den orangefarbenen Hinweiszettel hinterlassen. „Ein kleines Fitzelchen Plastik ist kein Problem“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Ihm zufolge stammen die meisten Fremdstoffe aus der Küche der angeschlossenen Haushalte. „Manche Leute verwenden noch Plastiktüten“, weist er auf das Problem hin, das auch die Bollmanns aus Fockbek eingeholt hat. Diese angeblich abbaubaren Bio-Beutel zersetzen sich in den Anlagen der AWR in Borgstedtfelde jedoch nicht – das würde viel zu lange dauern. Wer dennoch Tüten verwenden möchte, könne auf die Papier-Versionen des Abfallwirtschaftsbetriebs zurückgreifen.

Wessen Tonne nicht geleert wurde, hat zwei Möglichkeiten: Der Bürger sortiert Plastik und andere Fremdstoffe, etwa Glas, aus. Bei der nächsten Abfuhr wird der Inhalt dann mitgenommen. Wenn bis dahin mehr Abfall anfällt, als der Behälter fassen kann, sind zusätzliche AWR-Bioabfallsäcke erhältlich. Oder es gibt eine Sonderabholung, die rund 35 Euro kostet.

Hintergrund der Kontrollen ist die Qualität des Materials. „Unser Anspruch ist, den Landwirten guten Kompost zu liefern“, so Hohenschurz-Schmidt. Zudem wurden die Grenzwerte der Düngemittelverordnung verschärft. Rund 90  000 Bioabfallbehälter gibt es im Kreis. 2016 wurden 54  000 Tonnen Bio-Abfälle gesammelt. Daraus wurden 23  000 Tonnen Kompost hergestellt.

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