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Landeszeitung

20. August 2017 | 15:38 Uhr

Kreis im Visier der Solarpark-Planer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gute Bedingungen an Autobahnen und Schienentrassen für große Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Vier Gemeinden haben schon zugesagt

Auf den Feldern im Kreis Rendsburg-Eckernförde wird immer häufiger Sonnenenergie statt Getreide „geerntet“: Demnächst werden zahlreiche, mehrere Hektar große Solarparks auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen errichtet. Allein vier Gemeinden haben in den vergangenen Monaten dem Bau dieser Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf ihren Gebieten zugestimmt. Das Interesse von Solarpark-Planern ist groß. Kein Wunder, denn der Kreis bietet ideale Standortfaktoren.

Vor allem die „Solarwind Projekt GmbH“ aus Hamburg hat Rendsburg-Eckernförde ins Visier genommen. Seit drei Jahren sucht das Unternehmen geeignete Flächen. In vier Fällen mit Erfolg: Die Gemeindevertreter von Emkendorf, Ellerdorf (beide Amt Nortorfer Land), Felde (Amt Achterwehr) und Schönbek (Amt Bordesholm) haben den Plänen bereits ihre Zustimmung erteilt. Sie alle haben eines gemeinsam: Die künftigen Solarparks werden an den Autobahnen 7 und 210 beziehungsweise an der Bahnstrecke zwischen Rendsburg und Nortorf errichtet. „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz schreibt uns klar vor, welche Flächen wir nutzen dürfen“, erklärt Solarwind-Geschäftsführer Gerriet Arndt auf Nachfrage der Landeszeitung. Das sind ihm zufolge beispielsweise durch Verkehrswege „vorbelastete Flächen“. Und davon gibt es im Kreis Rendsburg-Eckernförde viele, denn allein drei Autobahnen durchschneiden sein Gebiet. Hinzu kommen mehrere Eisenbahntrassen. „Der Kreis hat durchaus Potenzial“, sagt Gerriet Arndt.

Auch Konversionsgebiete kommen in Frage. Auf dem Gelände der alten Feldwebel-Schmid-Kaserne in Rendsburg liefern Solarmodule bereits seit 2012 grünen Strom, ebenso seit etwas mehr als zwei Jahren in einer alten Kiesgrube im Süden der Gemeinde Brekendorf.

Arndts Firma Solarwind konzentriert sich jedoch eher auf Gebiete entlang der Verkehrswege. Die vier geplanten Anlagen sind – je nach Zuschnitt der Grundstücke – zehn bis 15 Hektar groß und sollen jeweils rund zehn Megawatt Leistung pro Jahr erzeugen. Das entspricht Strom für tausende Haushalte. Nur der Solarpark in Emkendorf ist kleiner, dort geht es um bis zu sechs Megawatt. Dennoch erwartet Arndt, dass die Anlage rentabel ist, denn sie liegt in der Nähe eines geeigneten Umspannwerks. Auf diese Weise müssen keine langen Kabel zum Abnahmepunkt gelegt werden, was durchaus einen Kostenfaktor darstelle. Solarwind plant die Solarfelder – gebaut werden sie von anderen Investoren. Die können in 20 Jahren Laufzeit mit einer festen Vergütung von 6,58 Cent pro Kilowattstunde rechnen. Die Flächen werden üblicherweise gepachtet. Die Anlagen können später ohne Rückstände entfernt werden.

Doch nicht überall stößt Arndt auf Wohlwollen. Einige Gemeinden haben dem Unternehmen Absagen erteilt. In Aukrug ging es um ein Projekt auf einer elf Hektar großen landwirtschaftlichen Fläche zwischen Böken und Bünzen direkt an der Bahnstrecke Neumünster-Heide, das den Kommunalpolitikern im Jahr 2016 vorgestellt wurde. Der „Solarpark Aukrug“ sollte genug Strom für etwa 3000 Haushalte produzieren. Die Gemeindevertretung stimmte jedoch gegen das Vorhaben, weil es in unmittelbarer Nähe zu einem Baugebiet lag. Im Juli vergangenen Jahres entschieden sich auch die Bovenauer Gemeindevertreter gegen eine Anlage auf ihrem Gebiet an der A210. Auf der einen Seite fürchteten sie Nachteile für das Landschaftsbild, auf der anderen Seite waren ihnen die Gewerbesteuer-Einnahmen zu gering. Das Landschaftsbild sei durchaus ein Argument, findet Arndt. Doch er sei bereit, über Gegenmaßnahmen, zum Beispiel durch Begrünung, zu reden. Bei den Steuern gibt es ihm zufolge eine feste Regel: Seit 2012 ist vorgeschrieben, dass 70 Prozent der Gewerbesteuer im Ort des Anlagenstandorts bleiben und 30 Prozent am Verwaltungsstandort. „Wir haben auch kein Interesse daran, die Gewerbesteuer komplett in Hamburg abzuführen, denn die Gemeinden haben oft geringere Hebesätze als die Hansestadt“, erklärt der Geschäftsführer. Im Gegensatz zur Windkraft liege die Planungshoheit für Photovoltaik-Freiflächenanlagen komplett bei den Gemeinden. Auch die Widerstände seien seiner Erfahrung nach nicht so groß wie bei Windrädern, so Arndt.

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erstellt am 21.Feb.2017 | 13:47 Uhr

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