Rendsburg-Eckernförde : Kreis auf dem Weg zum Klimaschutz-Vorreiter

Sebastian Krug
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Sebastian Krug

Politiker geben einstimmig eine Machbarkeitsstudie für landesweit einzigartige Agentur in Auftrag.

shz.de von
30. November 2016, 11:12 Uhr

Wie wichtig dem Kreis der Klimaschutz ist, lässt sich bereits an seinem Verwaltungsgebäude in Rendsburg erkennen: Seit kurzem ziert den Bau aus den 1970er-Jahren ein grünes Dach aus verschiedenen Pflanzen. Zudem wurden Photovoltaik-Anlagen installiert. Priorität ganz oben also. Einen erheblichen Anteil daran hat Klimaschutzmanager Dr. Sebastian Krug, der seit dreieinhalb Jahren seinen Dienst an der Kaiserstraße 8 verrichtet – und das offenbar mit so großem Erfolg, dass die Kreispolitik für den Klimaschutz eine eigene Agentur gründen möchte. Das wird zumindest derzeit geprüft.

Die Bilanz von Krug kann sich sehen lassen: In den ersten drei Jahren seines Schaffens hat er 380  000 Euro an Fördermitteln eingeworben. Das ist mehr als doppelt so viel, wie seine Stelle gekostet hat. Rund 20 Projekte hat Krug für den Kreis abgeschlossen. Die sind in vielen Fällen nicht nur mit einmaligen Fördermitteln verbunden, sondern ziehen nachhaltige Einsparungen nach sich. So hat der Klimaschutzmanager angestoßen, dass die Heizkörper in den Büros des Kreishauses einzeln nach Bedarf gesteuert werden, was verminderte Heizkosten zur Folge hatte. „Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit gehen immer Hand in Hand – das ist eine Win-Win-Situation“, sagt Dr. Martin Kruse, Fachbereichsleiter für Regionalentwicklung, Bauen und Schule. Hinzu kommen rund 20 weitere Projekte für Kommunen aus dem Kreis. Die Summe der an Land gezogenen Fördermittel ist also in Wahrheit viel größer. „Der Betrag ist in der Tat höher, lässt sich aber nicht im Einzelnen aufschlüsseln“, bestätigt Kruse. Das hängt laut Sebastian Krug davon ab, „wie groß und aufwändig diese Projekte sind. Eine energetische Quartierssanierung wie hier in Rendsburg zieht sich über mehrere Jahre hin, während sich eine Verlosung von mittlerweile zehn Klimaexpeditionen für Schulen im Kreisgebiet sehr schnell umsetzen lässt“.

Klar ist aber, dass das Interesse von Ämtern und Gemeinden am Know-how des Klimaschutzmanagers groß ist. Die Anfragen lassen sich „nicht annähernd abarbeiten“, heißt es in einer Vorlage für den Umwelt- und Bauausschuss, der über die Zukunft der Stelle zu entscheiden hat. Denn die läuft im Sommer 2018 aus. Nun haben sich die Politiker einstimmig dafür ausgesprochen, dass die Verwaltung prüft, ob der Kreis eine eigene Agentur für den Klimaschutz gründen kann. Dazu soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, die 56  000 Euro kostet. Einen Teil davon würden die fünf Aktiv-Regionen schultern. „Die Aktiv-Regionen finden es interessant, das freut uns sehr“, sagt Martin Kruse. Auch die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz SH wäre interessiert, eine Förderung zu prüfen, heißt es in der Vorlage. Auf den Kreis kommen Kosten von 10  000 Euro zu.

Eine Agentur in Zusammenarbeit mit weiteren Trägern sei günstiger, als die Klimaschutz-Stelle über 2018 hinaus zu verlängern, heißt es aus der Verwaltung. Sebastian Krug könnte nach einer erneuten Bewerbung seine erfolgreiche Arbeit in der Agentur fortsetzen. Sie könnte als Tochterunternehmen des Kreises eingerichtet werden. „In vielen Regionen Deutschlands ist dies eine bewährte Strategie, in Schleswig-Holstein wäre das ein Novum“, stellt die Verwaltung klar. Denkbar sei, dass Kreis, Städte und Gemeinden als Gesellschafter wirken. Denn die Agentur müsse vollständig in kommunaler Hand bleiben, „um einen Fördermittelabruf nicht zu gefährden“. Die Wirtschaft könne sich unter Umständen über einen Förderverein beteiligen. Martin Kruse betont, dass noch keine Entscheidung gefallen ist. Wenn die Machbarkeitsstudie ergebe, dass das Vorhaben nicht sinnvoll ist, müsse wieder Abstand genommen werden.

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