Klimaschutz : Kreative Ideen auf dem Energie-Olymp

Jeder Schritt macht fit, wenn der Fahrstuhl ungenutzt bleibt: Die Treppe im Kreishaus gibt Angaben zum Kalorienverbrauch. Das Projekt wurde bei der Energieolympiade ausgezeichnet. Fotos: eksh (3)
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Jeder Schritt macht fit, wenn der Fahrstuhl ungenutzt bleibt: Die Treppe im Kreishaus gibt Angaben zum Kalorienverbrauch. Das Projekt wurde bei der Energieolympiade ausgezeichnet. Fotos: eksh (3)

Im Kreishaus werden kreative Energieprojekte entwickelt. Schon drei Mal waren Ideen zum Schutz der Umwelt bei dem Wettbewerb Energieolympiade erfolgreich.

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23. Juli 2018, 10:52 Uhr

Wenn man an Eis denkt, steigt in diesen Tagen der Appetit auf Vanille oder Stracciatella oder gekühlte Drinks. Wenn Sebastian Krug an Eis denkt, hat er die Beheizung des Energiequartiers Neuwerk-Süd im Sinn. Seit mehr als vier Jahren hat der Klimaschutzmanager des Kreises an dem Konzept für einen Eisspeicher, der derzeit in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken entsteht, gearbeitet. Ab Oktober soll das System, das die Kraft der Sonne nutzt, das Kreishaus und den Uhrenblock wärmen.

„Der Kreis hat sich damit an ein großes Projekt gewagt“, würdigte Klaus Wortmann das Engagement. Der Projektleiter der „Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein“ (EKSH) besuchte jetzt die Kreisverwaltung. Ebenfalls dabei war der EKSH-Geschäftsführer Stefan Sievers. Die beiden Gäste richten im Zwei-Jahres-Rhythmus die „Energieolympiade“ aus. Herausragende Projekte aus Kommunen werden mit einem Preisgeld von insgesamt 100  000 Euro pro Wettbewerbsrunde ausgezeichnet. Im September startet der nächste Durchgang.

Klimaschutzmanager Sebastian Krug will mit seinem Team wieder antreten. Schon in den Vorjahren hat der Experte viel Energie für die Olympiade verwendet. „Seit 2013 wurden insgesamt sieben Projekte bei drei Olympiaden eingereicht“, zog Landrat Dr. Oliver Schwemer Bilanz. Dreimal standen die Rendsburger auf dem Siegertreppchen. Doch was ist aus den Projekten der letzten Jahre geworden? „Wir fahren zu den Gewinnern der Vorjahre“, begründeten Klaus Wortmann und Stefan Sievers ihre Visite im Kreishaus. „Wir wollen schauen, ob die Ideen und Maßnahmen weitergeführt wurden und ob andere Kommunen sich etwas abgeguckt haben.“

Der Check an der Kaiserstraße fiel positiv aus. Vor wenigen Tagen wurde der erste Spatenstich für den Eisspeicher gesetzt. „Der nun tatsächlich erfolgende Bau der Anlage ist der aktuell größte Erfolg des Klimaschutzmangements“, sagte Klaus Wortmann. Im vergangenen Jahr war das Konzept mit einem Sonderpreis in Höhe von 2500 Euro bei der Olympiade ausgezeichnet worden.

Doch auch die weiteren Energiesparmaßen laufen erfolgreich. So ziert seit zwei Jahren ein grünes Dach aus verschiedenen Pflanzen das Kreishaus aus den 70-er Jahren. Zudem wurden Photovoltaik-Anlagen installiert. Klimaschutz steht in der Priorität hier also ganz oben.

Der Aufstieg unter das Dach lässt sich ebenfalls umweltfreundlich bewältigen, wenn der Fahrstuhl ungenutzt bleibt. Zudem ist Treppensteigen gesund und macht schlank. 19 Stufen pro Stockwerk entsprechen 3,78 Kilokalorien. Im vierten Stock angekommen, hat der Besucher also insgesamt 15,12 Kalorien abtrainiert. Darüber informieren Infotafeln sowie Aufkleber zwischen den einzelnen Stufen. Auch diese Aufklärungskampagne, die unter anderem mit einer Plakataktion und Flyern verbunden ist, wurde bei der Olympiade mit 10 000 Euro belohnt und bereits von anderen Städten, zum Beispiel Hürth, übernommen.

Als eine „unscheinbare, aber nahezu geniale Lösung“ wurde außerdem ein System zur Einzelraum-Heizsteuerung vor drei Jahren prämiert. Ein Raumsensor an der Heizung ermittelt die Gewohnheiten in jedem einzelnen Büro. Registriert der Melder eine über 30-minütige Abwesenheit, wird die Raumtemperatur um vier Grad abgesenkt. Das System, das weder Batterien noch externe Stromversorgung benötigt, erkennt sogar, ob ein Fenster zum Lüften geöffnet wird – und schließt eigenständig das Heizungsventil. Die bisherige Heizzeit im Kreishaus hat sich nahezu halbiert.

Jährlich werden durch die Rendsburger Energieprojekte 400 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid eingespart. Diese Menge verbrauchen 130 Mitarbeiter des Kreises, wenn sie mit dem Auto zwischen Rendsburg und Kiel zur Arbeit pendeln. Wer die Umwelt vor dieser Belastung bewahrt, hat sich eine Belohnung verdient – zum Beispiel Vanilleeis.

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