Nortorf : Kraftvolle Höchstleistung gefordert

Sommerkonzert in Nortorf:  Philipp Armbruster, Julia Henning und Isabel Gabbe (von links).
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Sommerkonzert in Nortorf: Philipp Armbruster, Julia Henning und Isabel Gabbe (von links).

Ein gut besuchtes Sommerkonzert in der Nortorfer St.-Martin-Kirche. Am 8. Juli fällt die Entscheidung über einen neuen musikalischen Leiter der Kirchengemeinde.

shz.de von
30. Juni 2014, 12:00 Uhr

Seit dem Weggang von Günter Bongert befinden sich Chor und Orchester an St. Martin in Nortorf in der Schwebe – was nicht ohne Auswirkungen auf dieses Konzert blieb. Kurz vor dem Abschluss des Nachfolger-Bewerbungsverfahrens, dessen Wahlergebnis am 8. Juli bekannt gegeben werden soll, stand das Sommerkonzert auf dem Programm. Ungewöhnlich der Beginn um 20.30 Uhr während einer längeren Spielpause der Fußball-Weltmeisterschaft, ebenso die Besetzung mit zwei Solistinnen: Julia Henning (Sopran) und Isabel Gabbe am Steinway-Flügel.

Vorab dankte Hanns Lothar Kaempfe vom Kirchengemeinderat dem Vertretungs-Chor- und Orchesterleiter Lorenz Jensen für seinen großen persönlichen Einsatz.

Dieses Programm hatte es in jeder Hinsicht in sich. Der Schluss mit der Chorfantasie Ludwig van Beethovens schien musikalisch und textlich auch den Verlauf und die seelische Befindlichkeit von Chor und Orchester aufzuzeigen. In der Form ein außergewöhnliches Werk, sehr eindrucksvoll mit dem gesungenen Chor zum Schluss. Nach mehrfachem Kreisen von Klavier und Orchester um das Thema, darf er nach etwa zehn Minuten Vorspiel aufstehen und singen. Bis dahin ist es ein reines Instrumentalwerk: „Schmeichelnd hold und lieblich klingen unseres Lebens Harmonien“ heißt es darin in Christoph Kuffners Test. Das galt weniger für den kraftvoll-bestimmten „Mirjams Siegesgesang“ zu Beginn des Abends, als für das A-Dur Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart und sein „Laudate Dominum“. Den Grillparzer-Text des weithin unbekannten Siegesgesangs hatte Franz Schubert in durchaus unerwarteter Weise vertont. Orchestriert vom Schubert Freund Franz Lachner waren die Sopran-Solistin Julia Henning, der Chor und das Orchester von der ersten Sekunde an zu kraftvoller Höchstleistung aufgefordert: „Rührt die Zimbel, schlagt die Saiten...“.

Weniger dramatisch als der Auszug Israels aus Ägypten wirkte danach das Mozart-Klavierkonzert mit der Pianistin Isabel Gabbe. Dieses Klavierkonzert mit einer Profi-Pianisten und einem Freiwilligen-Orchester ins Programm aufzunehmen, bedeutet immer ein Wagnis, auf das sich das Orchester im Sinne eines großen Geschenks für sich und das Nortorfer Publikum eingelassen hat. Allerdings schien es, als wäre Philipp Armbruster, Gastdirigent dieses Abends, auch auf der Flucht vor den rollenden Wellen des sich hinter dem Volk Israels wieder schließenden Meeres. Beiden vom Dirigenten im Tempo wesentlich bestimmten Ecksätzen fehlte die Gelassenheit. Eilig, fast schon hektisch durcheilte er sie. Einzig der traumhaft schöne ruhige Mittelsatz, dessen Tempo in großen Teilen die Solistin allein bestimmte, vermittelte etwas von der Größe und abgeklärter Gelassenheit dieses phänomenalen Werkes. Auswendig gespielt, vermittelte Isabel Gabbe zumindest einen positiven Eindruck dieses so bekannten Mozart-Werkes.

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