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Männer ohne Nerven : Kraftprotze auf dem Acker

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Deutsche Meister und Vizemeister im Traktorpulling kommen aus Schacht-Audorf und Osterrönfeld

Er weiß, wie man die optimale Kraft aus einem Trecker herausholt. Er hat einen sensiblen Gasfuß, und er hat Nerven wie Drahtseile. Diese Fähigkeiten haben Andre Siemsen aus Schacht-Audorf zum Deutschen Meister im Traktorpulling gemacht. In Schlechtenwegen (Hessen) stand er in der 3,5-Tonnen-Sportklasse ganz oben auf dem Siegertreppchen. In der 5,5-Tonnen-Klasse wurde der 24-Jährige vom „Team Lindemann“ aus Osterrönfeld Vizemeister.

Andre Siemsen ist Kraftfahrzeugmechatroniker bei dem Osterrönfelder Unternehmen „Dieseltechnik Lindemann“. Schon während der Ausbildung wurde er von seinem Chef Andreas Lindemann mit dem Traktorpulling-Virus angesteckt. „Das Schrauben am Trecker und die Leistungssteigerung von Motoren hat mich interessiert“, macht Siemsen deutlich, der seit 2009 an Wettkämpfen teilnimmt.

Traktorpulling, das sei für ihn „Adrenalin pur“. Beim Fahren über die 100 Meter lange Bahn sei höchste Konzentration gefordert und ein sensibler Gasfuß. „Und wenn durch das Gewicht des Bremswagens die Vorderräder vom Boden abheben und ich nicht mehr lenken kann, muss ich den Trecker mit den Einzelradbremsen der Hinterräder steuern.“

„Es sind viele jungen Leute wie Andre in der Spitze der Traktorpuller. Die sind durch ihre Erfahrungen mit Spielekonsolen einfach trainierter und reagieren schneller.““, stellt Andreas Lindemann fest. Der 48-jährige Kfz-Mechanikermeister hat 2006 seinen ersten Traktor, einen IHC 1246, für Wettkämpfe umgebaut und diesen durch einen neuen Turbolader und den Umbau der Einspritzpumpe auf 250 PS „hochgepowert“. Aber auch die Reifen seien ein wesentlicher Faktor, um die Kraft auf die Bahn zu bringen. Da schwört Lindemann inzwischen auf den holländischen „Reifengott“ Hans Hessekaes, der spezielle Profile in die Riesenreifen schneidet. „Je nach Bahn haben wir da immer wieder neue Ideen.“

Die Sportklasse auf der Basis von Serienschleppern sei eine „Einsteigerklasse“, meint Lindemann. „10 000 bis 20 000 Euro stecken da schon drin. Aber immerhin weitaus weniger als in der Freien Klasse, wo ein Schlepper mehr als 100 000 Euro kosten kann.“ Aufwändig und teuer seien die Fahrten zu den Wettkämpfen in ganz Deutschland.

Der dritte Mann im Team ist Torge Laspe aus Schacht-Audorf. Der 22-Jährige macht eine Ausbildung zum Fluggeräte-Mechaniker und wird von seinen Teamkollegen wegen seiner Fähigkeiten auch „Prince auf Schraubenschlüssel“ genannt.

Für das Team Lindemann wird es jetzt ruhiger, aber auch über den Winter gibt es genug zu schrauben und zu tüfteln. Vorher aber geht es noch einmal auf die Bahn, nach Laholm in Südschweden.

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