Jugendliche und Kinder betroffen : Krätze und Scharlach breiten sich aus

Auslöser des Juckreizes: Die nur 0,2 bis 0,4 Millimeter großen Krätzmilben bohren sich unter die Haut.
Auslöser des Juckreizes: Die nur 0,2 bis 0,4 Millimeter großen Krätzmilben bohren sich unter die Haut.

Die Zahl der registrierten Fälle ist stark gestiegen. Eine Ärztin von der Gesundheitsbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde beschwichtigt.

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24. November 2017, 12:23 Uhr

Jugendliche mit Juckreiz, Kinder mit Halsentzündung: Die Zahl der registrierten Erkrankungen mit Krätze im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist deutlich gestiegen, auch Scharlach-Fälle treten häufiger auf. Das teilte die Gesundheitsbehörde des Kreises auf Anfrage der Landeszeitung mit. Demnach wurden im vergangenen Jahr zehn Krätzefälle registriert. Dieses Jahr waren es bereits 94. 2016 wurden 26 Scharlach-Fälle registriert. 2017 bis diese Woche bereits 93. Einer Gesundheitsexpertin zufolge besteht trotzdem kein Grund zur Beunruhigung.

„Das Thema Krätze hat uns in den vergangenen Monaten beschäftigt, aber das Ausmaß der Fälle ist noch zu bewältigen“, sagt Christin Hettich, Ärztin im Infektionsschutz beim Kreis. Selbst bei einer Häufung der Fälle würde die Gesundheitsbehörde keinen Alarmzustand ausrufen. „Es gibt immer mal wieder Phasen, in denen bestimmte Krankheitsfälle öfter auftreten. Und Krätze kann zwar unangenehm sein, ist aber an sich keine ernsthafte Erkrankung“, sagt Hettich.

Wo genau die aktuellen Fälle auftraten, teilt Hettich nicht mit. „Ich kann aber sagen, dass wir in den vergangenen Jahren vor allem Krätze-Fälle in Kitas und Pflegeheimen hatten. Dieses Jahr sind dagegen vor allem Jugendliche, also Jugendhilfe-Einrichtungen und Schulen betroffen.“ An erkrankte Personen und die Einrichtungen werden Informations-Blätter verteilt. Schulen sind verpflichtet, die Eltern zu informieren.

Die Gesamtzahl der Krätze-Fälle im Kreis ist unbekannt. Die Krankheit ist wie Scharlach nicht meldepflichtig. Lediglich bei Ausbrüchen in Kindergärten, Schulen und Pflegeheimen muss die Behörde informiert werden. Diese Regel gilt beispielsweise auch beim Auftreten von Läusen. „Die absoluten Zahlen für Fälle von Krätze und Scharlach in der Bevölkerung werden also deutlich höher liegen“, sagt Hettich.

Beim registrierten Anstieg sei zudem zu berücksichtigen, dass die aktuellen Zahlen mit denen aus dem Vorjahr nur eingeschränkt vergleichbar sind. „Wir haben zum Jahreswechsel die Gemeinschaftseinrichtungen für die Meldepflicht sensibilisiert“, erklärt Hettich. „Unser Eindruck ist, dass einige seitdem gewissenhafter über Fälle informieren.“

Krätze ist in den vergangenen Monaten bundesweit wieder häufiger aufgetreten. In Bonn schloss das Johanniter-Krankenhaus im vergangenen Monat eine Abteilung, nachdem Patienten und Mitarbeiter über Bläschen auf der Haut und Juckreiz geklagt hatten. Nach Nordrhein-Westfalen ist nun auch der Norden betroffen. Das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Stormarn meldete diesen Monat ebenfalls vermehrt auftretende Krätze-Ausbrüche seit zwei Jahren. Eine derartige Häufung habe es zuvor nicht gegeben. Aus Neumünster wurden in den vergangenen Wochen ebenfalls einige Fälle gemeldet.

Krätze ist eine ansteckende Hautkrankheit, verursacht durch Milben. Betroffenen juckt die Haut. Die Tierchen graben sich in die Haut ein, legen dort Eier und Kot ab. Mit der Zeit entstehen Bläschen oder Pusteln. Die Milben verbreiten sich von Mensch zu Mensch durch Hautkontakt, der mindestens mehrere Minuten dauern muss. Nur bei Krätze mit starker Krustenbildung ist die Zahl der Milben auf der Haut so hoch, dass bereits kurzer Kontakt zur Ansteckung führen kann. Krätze kann übertragen werden, bevor Beschwerden auftreten. Ärzte können Cremes, Sprays oder Salben verschreiben.

Scharlach gilt als klassische Kinderkrankheit. Bakterien verursachen in der Regel eine Halsentzündung und Hautausschlag. Die Krankheit ist sehr ansteckend und tritt besonders in der kälteren Jahreszeit auf. Übertragen wird sie durch Husten, Niesten oder Sprechen. Symptome sind unter anderem Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber. Gaumen und Rachen sind gerötet, juckender Ausschlag bildet sich. In seltenen Fällen können Nieren- oder Herzentzündungen auftreten. „Deswegen sollten Eltern im Verdachtsfall frühzeitig mit ihren Kinder zum Arzt gehen“, rät Hettich. Zur Behandlung werden Antibiotika verwendet.

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