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Landeszeitung

16. Dezember 2017 | 14:41 Uhr

Nortorf : Krähen besiedeln Wohngebiet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hunderte Vögel machen Anwohnern der „Möhlenkoppel“ durch Lärm und Dreck zu schaffen. Allerdings: Die Tiere dürfen nicht verjagt werden.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 12:34 Uhr

Es erinnert ein wenig an Alfred Hitchcocks Horrorklassiker „Die Vögel“: In der Dämmerung versammeln sich zurzeit Hunderte von Krähen in den Bäumen im Nortorfer Wohngebiet „Möhlenkoppel“ an der Bargstedter Straße. Laut krächzend sitzen die Rabenvögel scharenweise in den Bäumen, nur um plötzlich in den Abendhimmel aufzusteigen und sich in einem benachbarten Wipfel niederzulassen. Während sich einige Bewohner von dem allabendlichen Schauspiel nicht stören lassen, haben andere schon versucht die Tiere mit lauten Geräuschen zu vertreiben.

„Krähen stehen unter Naturschutz und dürfen nur in Ausnahmefällen vergrämt werden“, sagte Peter Krey, Leiter des Ordnungsamtes auf Nachfrage. Vor einigen Jahren hatten sich die Rabenvögel in den großen Bäumen um die Nortorfer St. Martin-Kirche niedergelassen, nun sind die Vögel verschwunden. Mit einer Sondergenehmigung durfte die Stadt die Krähen verscheuchen.

„Es hat Beschwerden gegeben, da die Vögel viel Lärm verursachen und mit ihrem Kot das Umfeld der Kirche verdreckt haben, sodass es zu Einschränkungen im Betrieb kam“, erklärte Rüdiger Albrecht, Biologe vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek. Daher habe es eine Ausnahmegenehmigung geben, um beispielsweise Nester vor Beginn der Brutsaison (1. März) zu entfernen oder mit Vogelschreck-Munition Lärm zu verursachen. „Diese Maßnahmen werden mit der Kommune abgestimmt“, erläutert Albrecht. Die Methoden haben sich mittlerweile geändert. Früher sei es beispielsweise üblich gewesen, die Nester von der Feuerwehr aus den Bäumen spritzen zu lassen, das sei heute verboten, sagte Albrecht. Entweder die Nester würden per Hand vor Brutbeginn entfernt, oder die Elterntiere durch andere Methoden – wie beispielsweise Raubvogelrufe – unter Stress gesetzt. Aber auch diese ließen sich nicht einfach imitieren, meinte Albrecht. „Krähen sind schlau. Kommen die Raubvogelstimmen von einem leiernden Tonband oder klingen immer gleich, merken die Tiere das.“ Egal, wofür man sich entscheide, eine Maßnahme halte meist sowieso nur zwei bis drei Wochen vor, dann hätten sich die Krähen daran gewöhnt, so der Experte.

Einzelpersonen sei es verboten, die geschützten Tier zu verjagen. Das habe seine Gründe. „Die Vögel lösen sich ja nicht auf, sondern siedeln sich an anderer Stelle wieder an.“ Im ungünstigsten Fall wieder in der Innenstadt, wo sie bereits vertreiben wurden. Genehmigungen würden nur für besondere Bereiche erteilt, erläuterte der LLUR-Experte, beispielsweise in der Nähe von Kindergärten, Krankenhäusern oder Kirchen.

Zur Beruhigung der Anwohner im Wohngebiet „Möhlenkoppel“: Es sei nicht zwangsläufig so, dass viele schwarze Vögel auf eine Brutkolonie hindeuten, sagte Albrecht, es könnte sich um einen Schlafplatz von verschiedenen Krähen oder etwa Dohlen handeln. Erst kurz vor der Brut sei durch den Nestbau zu erkennen, dass sich Krähen ansiedeln wollen. Außerdem baue ausschließlich die Saatkrähe eine Brutkolonie. Die Vögel bevorzugten die Nachbarschaft zu ihren Artgenossen.

Generell suche die Saatkrähe nach Grünland-Niederungen mit ausreichend Nahrung um sich anzusiedeln, sagte Rüdiger Albrecht, auf diesen Flächen fänden die Vögel ausreichend Käfer oder Würmer, die sich im Boden verbergen. Natürlich seien auch Ackerböden mit frischer Aussaat für die Saatkrähe interessant, der Name lässt darauf schließen. Regionen, in denen die Bauern stark auf den Maisanbau setzen, seien dementsprechend unattraktiv für die Rabenvögel.

Auch in der Nortorfer Innenstadt sei die Lage unter Kontrolle, meinte der LLUR-Experte. Zuletzt seien fünf Krähen-Paare in der Stadt gezählt worden. Der Antrag auf Vergrämung sei wohl eher dafür gedacht, wenn der große Schwarm vom Stadtrand in die Innenstadt zurückkehrt, schätzte Rüdiger Albrecht.

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