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Landeszeitung

21. September 2017 | 00:00 Uhr

Rendsburg : Kosten-Nutzen-Schock in den Museen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Stadt Rendsburg subventioniert laut Landesrechnungshof jede gekaufte Eintrittskarte im Hohen Arsenal mit 65 Euro. Die Prüfer empfehlen zudem den Verkauf der defizitären Nordmarkhalle – oder ihren Abriss.

Die Stadt Rendsburg ist zuständig für zwei Museen, den Betrieb der eigenen Senioreneinrichtung „Neue Heimat“ und die traditionsreiche Nordmarkhalle – und mit allem macht sie finanziell eine Bauchlandung. Diese Ansicht vertritt der Landesrechnungshof (LRH) in seinem Prüfbericht über die Stadtverwaltung. Allerdings: Während bei den Museen keine Wende zu einer finanziell besseren Lage in Sicht ist, sieht der LRH bei der „Neuen Heimat“ und der Nordmarkhalle Licht am Ende des Tunnels. Hier hat die Politik offenbar die richtigen Weichen gestellt, um die Verluste in den Griff bekommen.

Das Druckmuseum und das Historische Museum – beide befinden sich im Hohen Arsenal. Vier Euro muss ein Erwachsener für den Eintritt bezahlen. Viele Gäste werden ahnen, dass dieser Preis subventioniert ist, nur die Höhe des öffentlichen Zuschusses dürfte auch die Eingeweihten überraschen: Die Stadt Rendsburg musste allein im Jahr 2014 pro gekaufter Eintrittskarte 65 Euro dazulegen, damit die Museen überleben können (insgesamt über 300  000 Euro). Der ermittelte Durchschnittswert für die Jahre 2010 bis 2013 liegt bei 63,40 Euro pro Besucher. Im Vergleich mit den vom LRH ebenfalls geprüften Städten Eckernförde, Heide, Husum und Schleswig leistet sich keine Stadt einen höheren Zuschuss für ihre Museenlandschaft. Am wenigsten zahlen die Husumer. Dort wird jede Eintrittskarte durchschnittlich mit 5,55 Euro subventioniert – etwa neun Prozent dessen, was in Rendsburg fällig wird.

Etwas günstiger fällt das Ergebnis aus, wenn man die Museumskosten auf die Einwohnerzahl herunterrechnet. So betrachtet, erhalten die Museen im Hohen Arsenal einen Zuschuss von 11,05 Euro pro Einwohner. Noch schlechter ist nur Schleswig mit 21,24 Euro pro Einwohner.

Warum ist insbesondere die kleinere Stadt Husum finanziell weitaus erfolgreicher mit ihrem Museum als Rendsburg? Das liegt daran, dass die Husumer Museen siebeneinhalb Mal mehr Menschen ansprechen als die in Rendsburg. Die Husumer Sammlungen wurden im geprüften Zeitraum jährlich von 38  000 Menschen besucht, Zweitplatzierter im Ranking ist das Stadtmuseum Schleswig mit 13  000 Besuchern, es folgen Rendsburg (5000), Eckernförde (4900) und Heide (4500). Hinzu kommen die unterschiedlichen Öffnungszeiten. Obwohl die Rendsburger Museen vergleichsweise wenige Menschen ansprechen, leisten sie sich die längsten Öffnungszeiten.


Verluste durch vernachlässigte Pflege der Nordmarkhalle


46 Stunden steht das Kultur-Historien-Angebot pro Woche der interessierten Kundschaft zur Verfügung (17 Besucher am Tag). Husum, obwohl viel stärker nachgefragt, öffnet nur an 36 Stunden. Dass die Husumer fünf Planstellen haben und die Rendsburger nur 3,5 wird durch die hohe Gästezahl mehr als kompensiert. Der Landesrechnungshof zur Bilanz der Museen im Hohen Arsenal: „Die Kosten stehen in einem völligen Missverhältnis zum Ergebnis.“ Empfehlung der Prüfer: Die Stadt Rendsburg sollte wegen der geringen Besucherzahl die Öffnungstage, die Öffnungsstunden sowie den Personaleinsatz anpassen.

Für die Nordmarkhalle muss die Stadt Rendsburg etwa genauso hohe Zuschüsse pro Jahr leisten wie für die Museen. In den Jahren 2010 bis 2014 schwankte der Verlust zwischen 29  5000 und 330  000 Euro (Durchschnitt: 312  000 Euro). Konkret: Die Stadt verzeichnete innerhalb von fünf Jahren Einnahmen von 980  000 Euro und hatte in dieser Zeit Ausgaben von 2,5 Millionen Euro. Der Gesamtverlust liegt bei über 1,5 Millionen Euro. Kostentreiber sind laut Rechnungshof „kalkulatorische Abschreibungen, die Energiekosten und die Personalkosten“. 2014 wurde das Gebäude an 106 Tagen genutzt, davon 52 Tage für den Wochenmarkt. Jeden Öffnungstag subventioniert die Stadt rein rechnerisch mit über 3000 Euro.

Die Verluste erklären sich unter anderem dadurch, dass die Stadt die bauliche Pflege des Gebäudes vernachlässigt hat und jetzt nur noch Teile nutzbar sind. Die Prüfer stellen zudem fest: „Die Nordmarkhalle ist ein bezeichnendes Beispiel für die mangelnde fachliche und personelle Fähigkeit der Stadtverwaltung, eine Veranstaltungshalle kostenneutral zu führen.“ Das sei verständlich, denn dieser Bereich gehöre nicht zu den Kernaufgaben einer Kommunalverwaltung. Die Verwaltung habe sich bisher wenig ambitioniert gezeigt, eine Wende zum Besseren einzuleiten. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Gebäudes mit seinem rustikalen Charme „sind offensichtlich zu keinem Zeitpunkt richtig herausgearbeitet worden“.

Nach Meinung des Landesrechnungshofes kann es mit der Nordmarkhalle so wie bisher nicht weitergehen. Die von der Stadt geplante Potenzialanalyse mit dem Ziel, die Halle zur Bewirtschaftung an Dritte abzugeben, wird ausdrücklich begrüßt. Die Prüfer würden es gut heißen, wenn die Halle insgesamt abgegeben, also verkauft werden würde. Der nächste Gedanke, den der LRH in seinen Bericht eingearbeitet hat, dürfte in Rendsburg für einen Aufschrei sorgen: Sollte keine Lösung gefunden werden, die der Stadt die Kosten für das Betreiben der Halle weitgehend erspart, „sollte in Abstimmung mit der Denkmalpflege der Abbruch der Halle erwogen werden“.

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