Musik in St. Marien : Konzertdebüt an der „Knet-Orgel“

Ausnahmetalent an der Orgel: Marie Sophie Goltz  (23).
Ausnahmetalent an der Orgel: Marie Sophie Goltz (23).

Marie Sophie Goltz spielte in St. Marienkirche in Rendsburg. Die Kirchenmusik-Studentin träumt von einer Lehrtätigkeit an einer Hochschule.

reinhard frank2a.jpg von
05. November 2013, 00:33 Uhr

An der Orgel ist Marie Sophie Goltz ein Ausnahmetalent. Dies bewies sie mit einem Konzert in St. Marien. Eine Stunde faszinierte sie ihr Publikum mit variantenreicher, technisch herausfordernder Musik. Es war ihr Solo-Debüt an der großen Orgel. „Müde, aber glücklich“ beschrieb sie nach dem Konzert ihr Befinden.

Den Umgang mit Tasteninstrumenten lernte sie bereits im Alter von fünf Jahren kennen. Zur Verfügung stand ihr damals jedoch keine Orgel, sondern ein Klavier. Später widmete sich die in Jevenstedt aufgewachsene Musikerin jedoch der Orgel. Einer der Gründe: „Ich kann allein so viel Klang produzieren wie ein großes Orchester, muss dazu aber immer im Einklang mit der Orgel sein. Sie spricht mit mir und reagiert sofort“, schwärmt die 23-Jährige, die an der Hochschule für Musik in Würzburg studiert. Im Juli 2014 will Marie Sophie Goltz ihr Basis-Studium mit dem B-Examen abschließen. Nun ist sie „mittendrin am Ende des Studiums“ und zeigte in der frühen Phase ihrer Abschlussvorbereitungen ihr Können in Rendsburg, kleinere Unsicherheiten inklusive. Aber angesichts des Umfangs, der Vielseitigkeit und des mit vielen spieltechnischen Herausforderungen gespickten Programms war ihre Darbietung dennoch beeindruckend.

In Würzburg hat sie zusätzlich das Fach Chorleitung belegt. Zudem wirkt Marie Sophie Goltz mit im Monteverdi-, Hochschul- und Kammerchor. Als nächstes steht das Brahms-Requiem auf dem Programm. Die Orgelprüfung im Juli 2014 wirft ihre langen Schatten weit voraus. Bis dahin gilt es, viele Erfahrungen mit ihrem Programm auf unterschiedlichen Orgeln zu sammeln. Je nach Bauart und Akustik des Kirchenraumes wird die Organistin unterschiedlich gefordert. Die ältere Orgel in St. Marien ist für die Musikstudentin im Jargon der Musikhochschüler eine „Knet-Orgel“, weil sie zum Spielen erheblich größeren Kraftaufwand erfordert als ihr „Übungsinstrument“, die neu gebaute Woehl-Orgel in der Fockbeker Pauluskirche.

Ihre freundliche, zugewandte Art und Begeisterungsfähigkeit hat Sophie Goltz behalten – auch im dritten Jahr ihres Kirchenmusik-Studiums. Daneben ist die junge Frau als Springer-Organistin beim Würzburger Dekanat angestellt, finanziert damit ihr Studium als Begleitung von Gottesdiensten in den Hauptkirchen oder bei Anlässen wie „Orgel und Meditation“. Gute Gelegenheiten, Erfahrungen auf unterschiedlichen Orgeln zu sammeln und sich im Improvisieren zu üben. „Das fällt mir schwer, es entlarvt die Musik, aber ich sammle jedes Mal weitere Erfahrungen.“

Was hat sie nach Bayern verschlagen? „In Würzburg studiere ich, weil ich nach dem Abitur einen Schnitt machen und in neuer Umgebung andere Menschen kennenlernen wollte. Die Kirchenmusikszene ist sehr übersichtlich, da tut ein Farbwechsel gut!“ Zielstrebig schreitet Marie Sophie Goltz voran auf ihrem Weg zum Berufsabschluss. Eine feste Stelle als Organistin und Chorleiterin ist für sie vorstellbar – ihr größter Traum ist das jedoch nicht:„Ich möchte gerne an einer Hochschule unterrichten und mich weiterhin mit musikwissenschaftlichen Themen beschäftigen, damit ich das Theoretische im Kopf behalte.“

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