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Landeszeitung

11. Dezember 2017 | 05:17 Uhr

Konzepte gegen die Landflucht

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Podiumsdiskussion im Amt Mittelholstein / Gemeinden planen Ausbau des betreuten Wohnens und wollen Gewerbeansiedlungen fördern

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 12:33 Uhr

„Diese Veranstaltung soll der Transparenz dienen“, erklärte Manfred Bettermann von Hohenwestedt-Marketing, als er das Publikum im „Landhaus“ begrüßte: „Wir wollen, dass Bürger und Kommunalpolitiker nicht nur zu Wahlzeiten miteinander in Kontakt kommen.“ Das Thema der Podiumsdiskussion, zu der Hohenwestedt-Marketing eingeladen hatte, war in Frageform formuliert: „Was erwarten Sie als Bürgerin und Bürger von Ihrer Gemeinde?“

Aus der Perspektive der Kommunalpolitik könne man dieses Thema auch anders formulieren, meinte Diskussionsmoderator Dirk Jennert: „Was können wir gegen die Landflucht tun?“ Der Redaktionsleiter der Landeszeitung konfrontierte Gastgeber und Publikum mit Schlagzeilen aus der „Welt“ („Das Dorfleben mutiert zum Luxusartikel“), der „Zeit“ („Sollen wir die Dörfer aufgeben?“) sowie dem „Hamburger Abendblatt“ („Die Landflucht beschleunigt sich“) und bat die Podiumsdiskutanten um einleitende Statements („maximal zehn Minuten bitte!“).

Auf die Wünsche der Bürger sei die Kommunalpolitik sowieso ständig ausgerichtet, vermerkte der stellvertretende Amtsvorsteher des Amtes Mittelholstein, Klaus Bünz. Demografischer Wandel, öffentlicher Personennahverkehr, ärztliche Versorgung und kommunale Infrastruktur seien Herausforderungen, die „niemand allein lösen kann“, betonte Bünz: „Hier wird nur ein zielgerichtetes Miteinander zu tragbaren Lösungen führen.“

Mörels Bürgermeister Klaus-Peter Lucht forderte eine „vernünftige Finanzausstattung“ der Dörfer, um dem demografischen Wandel begegnen zu können: „So kann das nicht weitergehen, dass wir von der Landesregierung ausgelutscht werden.“ Lucht lobte die Zentralgemeinde Hohenwestedt: „Hier passiert immer was, wir haben einen ordentlichen Schulstandort, und es gibt auch ausreichend Arbeitsplätze.“ Hohenwestedts Bürgermeister Holger Bütecke nutzte sein Auftaktstatement, um all das aufzuzählen, was seine Gemeinde ihren Bürgern zu bieten hat, nämlich unter anderem: ein Freibad, zwei Schulen, zwei Kindergärten, zwei Seniorenheime, drei Sporthallen, Ärzte, vier Kirchen, rund 50 Vereine und 538 angemeldete Betriebe. Jennert legte sogleich „den Finger in die Wunde“: „Wenn der demografische Wandel in den nächsten 20 Jahren Hohenwestedt ereilt und sie womöglich 500 bis 800 Einwohner verlieren, was machen Sie dann mit Ihrer Infrastruktur?“ Bütecke sah diese Gefahr nicht. „Ich bin überzeugt davon, dass Mittelpunktsgemeinden wie wir nicht sehr darunter leiden werden.“ Er verwies auf das Förderprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“, im Rahmen dessen die Hohenwestedter gerade ein „Zukunftskonzept Daseinsvorsorge“ entwickeln.

Welche Perspektiven kann Hohenwestedt den unter 45-Jährigen bieten. „Eine Uni haben wir nicht“, konstatierte Bütecke, „aber die jungen Leute haben durchaus den Drang, wieder aufs flache Land zu ziehen.“ Bei der Hohenwestedt-Messe am 10. und 11. Mai solle ein Schwerpunkt darin bestehen, das Interesse der jungen Generation für die Arbeitsplätze vor Ort zu wecken. „Wenn uns das gelingt, werden wir auch weiter Zuwachs haben“, sagte Bütecke: „Wir wollen dem demografischen Wandel entgegenwirken, Gewerbeansiedlungen fördern, bezahlbaren Wohnraum schaffen und betreutes Wohnen weiter ausbauen.“

„Es ist wichtig, dass man die kleinen Gemeinden nicht vergisst und die Infrastrukturmaßnahmen dort weiterführt“, betonte Lucht, „dann haben die Dörfer auch gute Chancen zu überleben.“

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