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Rendsburg-Eckernförde : Kontrollen zeigen Wirkung: Weniger Waffen im Kreis

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Jährlich werden hunderte Gewehre und Pistolen bei der Ordnungsbehörde abgegeben. Auch Kuriositäten finden sich darunter.

shz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Doppelläufige Schrotflinten, Kleinkalibergewehre, Revolver, lange Macheten, Totschläger: Welchem Zweck die Waffen einst gedient haben und wofür sie eingesetzt wurden, bevor sie ihren letzten Weg in die Asservatenkammer des Kreises antraten, will niemand wissen. Fakt ist: Dort lagern hunderte Waffen, die auf ihre Verschrottung warten. Die meisten davon sind freiwillig abgegeben worden.

Seit Jahren geht der Waffenbestand im Kreis zurück. Während 2009 noch rund 33 000 Gewehre und Pistolen registriert waren, ist die Zahl auf 27 400 im vergangenen Jahr gesunken. Darunter befinden sich 21 500 Gewehre (Langwaffen) und 5900 Pistolen und Revolver (Kurzwaffen). Fast alle befinden sich im Besitz von Jägern und Sportschützen.

Den Rückgang führt Günter Wischnewski auch auf die verstärkten Kontrollen durch seine Behörde zurück. Der Kreis überprüft seit 2011 die Aufbewahrung der zugelassenen Waffen systematisch. Dazu habe sich die Verwaltung entschieden, nachdem es in der Bundesrepublik zu Missbrauch privater Waffen, etwa bei den bekannten Amokläufen, gekommen war, erklärt der Fachdienstleiter der Allgemeinden Ordnungsverwaltung.

Im vergangenen Jahr wurden 350 Waffen bei seiner Behörde abgegeben. Das stehe in einem engen Zusammenhang mit der Überprüfung. Dabei werden nach und nach alle 7200 Waffenbesitzer aufgefordert, dem Kreis die richtige Aufbewahrung der Waffen nachzuweisen. Zum Beispiel dürfen nicht mehr als zehn Gewehre in einem Stahlschrank eingeschlossen werden. Die Munition muss immer an einem anderen Ort lagern. Viele Waffenbesitzer werden sich laut Günter Wischnewski erst mit dem Anschreiben des Kreises darüber bewusst, dass es im Haushalt noch irgendwo eine alte Flinte gebe, die nicht mehr in Gebrauch ist. Solche Waffen werden ihm zufolge dann abgegeben. Auch Erben entledigten sich auf diese Weise häufig Opas Schrotgewehr.

„Stichprobenweise überprüfen wir auch vor Ort“, sagt Wischnewski. Die Waffenbesitzer zeigten sich aber kooperativ. „Wir mussten bislang keinen Zwang anwenden.“ Denn wer seine Waffen nicht ordnungsgemäß aufbewahrt, muss mit einer Geldbuße von bis zu 10 000 Euro rechnen. Bis zum Ende des Jahres will die Behörde alle Besitzer kontrolliert haben.

Die Schießeisen und die Munition aus der Asservatenkammer werden regelmäßig von Landeskriminalbeamten abgeholt. Sie verschrotten die Waffen in Kiel, während die Munition beim Räumdienst in Groß Nordsee vernichtet wird. In der Kammer finden sich neben einfachen Waffen auch reich verzierte Gewehre, martialische Macheten mit einer Länge von fast einem halben Meter und einige Kuriositäten. Zum Beispiel hat die Polizei einmal ein Feuerzeug einkassiert, das einer Pistole der Marke Magnum mit dem Kaliber 44 täuschend ähnlich sah. Andere Waffen waren offenbar tatsächlich in Verbrechen verwickelt: Auf einem großen Messer klebt noch ein Polizeivermerk: „Achtung, Spurenträger! Nicht berühren.“ Zudem lagern dort viele Gewehre aus unklaren Besitzverhältnissen, die unter Umständen noch zurückgegeben werden.

Nicht nur die Zahl der Waffen geht zurück, sondern auch die der Besitzer. Davon gab es im vergangenen Jahr 7200. Die Entwicklung zeigt, dass die Zahl der Waffen pro Eigentümer steigt: Während 2009 noch im Durchschnitt drei Schießeisen auf einen Jäger, Schützen oder Sammler kamen, waren es im vergangenen Jahr fast vier.

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