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Hausverbot unter Beobachtung : Kontrollen im Kreishaus: Jetzt kommen Fragen auf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mitarbeiter suchen nach Gründen für zunehmende Bedrohungen. Psychiater nennt viele Ursachen.

Der Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes am Rendsburger Kreishaus hat gestern für Erleichterung unter den Mitarbeitern und Besuchern des Kreishauses gesorgt. Viele beschäftigte die Frage, weshalb Übergriffe auf Bedienstete offenbar immer wahrscheinlicher werden. Zudem hat die Entscheidung von Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer ein großes Medieninteresse hervorgerufen.

Schwemer hatte die Kontrollen an den Eingängen des Gebäudes an der Kaiserstraße 8 sowie an der Eckernförder Zulassungsstelle am Montag angeordnet (wir berichteten). Hintergrund ist ein aktueller Gefahrenhinweis der Polizei. Demnach hätte es durch eine der acht Personen, gegen die ein Hausverbot der Kreisverwaltung vorliegt, zu einem Übergriff auf Mitarbeiter kommen können. Bis Dienstschluss blieb es gestern jedoch ruhig.

Je zwei Angestellte eines privaten Sicherheitsdienstes postierten sich gestern zum Dienstbeginn um 8 Uhr an den beiden Eingängen an der Rückseite des Kreishauses. Der Haupteingang blieb geschlossen. Die unbewaffneten Männer ließen jeden ungehindert hinein. Sie achteten lediglich darauf, dass nicht eine der Personen mit Hausverbot unter den Besuchern war.

Während ihres Dienstes erhielten die Sicherheitsleute großen Zuspruch. „Viele fragen sich, wie es so weit kommen kann, dass eine Behörde überwacht werden muss“, sagte einer von ihnen.

Auch Kreissprecher Martin Schmedtje berichtete von Betroffenheit unter den Mitarbeitern. „Viele machen sich Gedanken“, sagte er. Er stand gestern mehreren Kamerateams und Hörfunkreportern Rede und Antwort über die Kontrollen an den Kreishauseingängen.

Weshalb der Eindruck entsteht, dass es immer mehr Übergriffe auf Behörden-Mitarbeiter gibt, „lässt sich nicht mit einem Satz beantworten“, sagte Dr. Uwe Niehus auf Anfrage der Landeszeitung. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Imland-Klinik und ärztlicher Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes des Kreises. Menschen werden Niehus zufolge unter anderem aggressiver, weil vielen eine feste Orientierung in ihrem Umfeld fehle, gleichzeitig aber mehr Leistungsfähigkeit verlangt werde. Zudem „öffnet sich die gesellschaftliche Schere zwischen denen, die wirtschaftlich gut zurecht kommen und denen, die in dieser Hinsicht benachteiligt sind“. Letztere erhielten über die Medien aber weiter Informationen darüber, „wie toll es auf der anderen Seite ist“. Sie fühlten sich dadurch zurückgesetzt.

Hinzu komme, dass die Individualisierung der Gesellschaft zunehme. Immer weniger Menschen lernten, mit anderen zusammenzuleben. „Ein Drittel der Haushalte in Deutschland besteht aus nur einer Person“, sagte Niehus. Diese Erfahrung führe dazu, dass einzelne Menschen sich und ihre Bedürfnisse wichtiger nehmen. Niehus betonte aber, dass nicht belegt sei, dass Menschen generell ausfallender werden. Die Wahrscheinlichkeit steige jedoch.

 

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erstellt am 04.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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