zur Navigation springen

Nach Hütten-Verbot : Kompromiss: Wald-Kita in Rendsburg schwenkt auf Bauwagen um

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Die Tummetotts“ nehmen das Kompromissangebot des Landes an – auch wenn es teurer wird als die geplante Hütte.

Rendsburg | So schnell kann das gehen: Noch in der vergangenen Woche war die Verzweiflung im Waldkindergarten „Die Tummetotts“ groß, jetzt jedoch kehrt Freude ein. Die Freiluft-Kita bekommt einen wetterfesten Unterschlupf. Die erhoffte Holzhütte wird es aus rechtlichen Gründen zwar nicht geben. Im Gegenzug aber offerierte das Land dem Kindergarten am Mittwochabend, einen Bauwagen im Gerhardshain aufstellen zu dürfen. Am Donnerstag nahm der Kita-Trägerverein das Angebot an. Für Sprecher Martin Richter-Sojka zählt, dass seine 16 Schützlinge bei Bedarf ein Dach über dem Kopf haben. Das sei auch mit einem Bauwagen gewährleistet. „Die bereits erworbene Hütte werden wir verkaufen“, sagte er.

Bürgermeister Pierre Gilgenast besuchte die „Tummetotts“ Donnerstagmittag, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Gilgenasts Verwaltung hatte den Hüttenbau abgelehnt und dies mit strengen Landesvorschriften begründet. Darüber war er selbst nicht glücklich.

Am Mittwoch hatte der Bürgermeister einen Termin im Innenministerium, um über mögliche Lösungen zu beraten. Mit am Tisch saß die Beamtin, die im März 2014 den sogenannten „Klarstellungserlass“ formuliert hatte. Dieses Papier erklärte die von Waldkindergärten genutzten Bauwagen für unzulässig. „Das Gespräch war sehr konstruktiv“, sagte Gilgenast. Am Ende einigte man sich darauf, die Vorschriften „variabel auszulegen“.

Das wurde erleichtert durch das im vergangenen Jahr in Kraft getretene neue Waldgesetz. Darin wird der naturpädagogische Nutzen des Waldes erwähnt. Ein Waldkindergarten könne man demnach als „besonderes Vorhaben“ werten, so der Bürgermeister. Wenn für den Betrieb ein Bauwagen erforderlich ist, könne dieser genehmigt werden. Das war der Durchbruch in den Verhandlungen.

Jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. „Tummetotts“-Vertreter Richter-Sojka will sich umgehend nach geeigneten Bauwagen umsehen. Ideal wäre ein 2,40 Meter breites und acht Meter langes Fahrzeug, das über eine Dämmung verfügt. Damit stünde den Kindern ein Innenraum von 19 Quadratmetern zur Verfügung – sechs Meter weniger als in der Hütte, die fünf mal fünf Meter groß sein sollte. Trotz der geringeren Fläche geht Richter-Sojka davon aus, dass das Domizil auf vier Rädern mehr kosten wird als der Hütten-Bausatz, für den die Eltern 8000 Euro aufgebracht haben. Der Bauwagen werde zwischen 10.000 und 15.000 Euro kosten. Die „Tummetotts“ wollen beantragen, dass die Stadt einen Großteil der Summe übernimmt. An den Kosten anderer Kindergartenbauten beteilige sich die Stadt ja schließlich ebenfalls, betonte Richter-Sojka, und zwar mit Summen, die die Kosten eines Bauwagens deutlich überstiegen.

Bürgermeister Gilgenast würde einen solchen Antrag für legitim halten. Allerdings müsste der Waldkindergarten einen Eigenanteil übernehmen, so wie andere Kita-Träger ebenfalls. Gilgenast will das Verfahren möglichst in der kommenden Sitzung des Sozialausschusses zum Abschluss bringen. Das Gremium tagt am 20. Februar.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Feb.2017 | 08:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen