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Lieblingsorte - Lieblingsplätze : König und Herzog stritten um Steine und Inventar

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der LZ-Serie stellt heute Carsten Büge sein Heimatdorf Hohn vor, dem er von Kindesbeinen an die Treue hält.

Was verbindet Menschen mit dem Ort, in dem sie leben? Welche Erinnerungen werden wach? Und an welche Lieblingsplätze kehren sie gern zurück? Mit alteingesessenen Bürgern unternehmen wir einen Spaziergang durch ihre Heimatgemeinde. In dem heutigen Teil der Serie führt Carsten Büge durch Hohn.

 

Betritt man den Betrieb von Carsten Büge im Hohner Gewerbegebiet, erblickt man Bambus, soweit das Auge reicht. Der 56-Jährige hat sich auf die Zucht und den Verkauf der asiatischen Pflanze spezialisiert. Anders jedoch als der Bambus, der hauptsächlich aus China und Japan stammt, ist Carsten Büge ein echtes Hohner Urgestein, der die schönen und geschichtsträchtigen Plätze der Gemeinde kennt wie kein Zweiter.

Er habe Hohn niemals verlassen, sei hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. „Als ich damals in die Grundschule gekommen bin, waren dort fast nur Kinder aus Hohn. Heute haben wir eine Gemeinschaftsschule, in der Kinder aus der ganzen Region unterrichtet werden. Früher musste man nach Fockbek fahren, um die mittlere Reife zu machen.“ Auch an die Zeit in der Sporthalle erinnert er sich immer wieder gern. „Ich war schon vor meiner Schulzeit häufig dort, um Sport zu machen“, sagt er.

In den sechziger Jahren erhielt Hohn sein Schwimmbad auf dem Schulgelände. Davor musste man auf den Hohner See ausweichen. „Da haben wir uns damals immer getroffen“, berichtet Carsten Büge. „Der See ist immer noch ein ganz wichtiger Punkt in Hohn.“ Gebadet wird dort zwar nicht mehr, doch der Bambus-Gärtner fährt wie viele andere noch immer gern zu dem Gewässer. „Es gibt dort ein Häuschen, in dem man wunderbar Vögel beobachten kann“, weiß Carsten Büge, der einst als einer der wenigen einmal komplett durch den See gegangen ist. Der Hohner See sei der „nördlichste Flachsee Nordeuropas“, klärt er auf.

1908 wurde die Bahnstrecke von Husum nach Rendsburg fertig gestellt. Die Trasse führte mitten durch Hohn. „Vorwiegend sind dort Triebwagen gefahren, doch ich erinnere mich noch gut, wie ich einmal mit einer echten Dampflok meine Verwandten in Rendsburg besucht habe“, berichtet Büge. „Der Hohner Bahnhof ist übrigens immer noch sehenswert.“ Mittlerweile beheimatet dieser eine Ausstellung des Museumsvereins sowie das Natur- und Umweltschutzzentrum Hohner See, das jedoch seit einigen Jahren kaum noch genutzt wird. „Dort müsse touristisch mehr gemacht werden“, findet Carsten Büge.

Die Schienen nach Rendsburg existieren schon lange nicht mehr. Auf der alten Strecke befindet sich nun ein Radwanderweg bis nach Fockbek. Dieser Weg führt durch ein Waldstück, das „Limhorn“ genannt wird und seit jeher eine besondere Bedeutung für Carsten Büge hat. „Früher wurden dort Waldfeste gefeiert und man konnte bis ganz zum Flugplatz gehen“, betont Büge, dem ein rund drei Hektar großes Stück dieses Waldes gehört. Was der Name „Limhorn“ genau bedeutet, weiß auch er nicht. „Der Name existiert nur im Dorfgebrauch“, sagt Carsten Büge, der seine Firma „Bambus vom Limhorn“ taufte und sich schon vor seiner Selbstständigkeit unter „Carsten von Limhorn“ einen Namen in der europäischen Bambusszene machte. Zudem gibt es auch die Straße „Limhorn“, die genau in das besagte Waldstück führt.

„Elementar für das Leben im Dorf ist die wunderschöne Kirche, die es so kein zweites Mal gibt“, freut sich Carsten Büge, als er durch das Tor auf den Friedhof vor dem Gotteshaus tritt. Büge muss es wissen. Nicht nur, dass er hier konfirmiert und verheiratet wurde, er hat auch seine Examensarbeit über die Geschichte der Kirche geschrieben. So erfuhr er, dass Teile der Kirche früher in Rendsburg gestanden hatten. „Es war 1690, als der dänische König die Festung Rendsburg erweitern wollte. Damals gab es eine zweite Marienkirche außerhalb der Festung und die neue Mauer sollte mitten durch sie hindurch gehen“, erklärt Büge. Der Historie nach hatte der Herzog von Gottorf allerdings etwas dagegen. Er schlug dem König vor, dass dieser die Steine behalten könne, beanspruchte aber sämtliche Gegenstände innerhalb der Kirche für sich. Diese wurden dann einige Jahre im Hohner Hof eingelagert, bis im Jahre 1694 die Hohner Marienkirche, wie man sie heute kennt, fertig gestellt wurde. „Das älteste Stück ist sicherlich der Taufstein, der aus dem 13. Jahrhundert stammt“, betont Geschichtsforscher Büge, der auch am ersten Teil der Dorfchronik, die 1989 erschien, mitgearbeitet hat.

Er wohne gern in Hohn und wolle hier auch nicht wegziehen, sagt Carsten Büge, als er nach dem Dorfrundgang wieder seinen Betrieb erreicht, „wir haben hier eine Komplettversorgung mit Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten, Senioreneinrichtungen und einem Gasthof mit Saal.“ Jedoch findet er, dass die Gemeinde ein paar Touristen mehr vertragen könne. Für alle Urlauber erklärt er daher, dass Hohn 2010 der „sonnenreichste Ort Deutschlands“ gewesen sei.


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erstellt am 19.Aug.2014 | 06:00 Uhr

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