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Handball-Oberliga : Kociok und Schmalfeld vor dem Derby

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Duell der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg bei der HSG Hohn/Elsdorf steht im Zeichen des Abstiegskampfes. Die Trainer erwarten ein enges Spiel.

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 06:15 Uhr

Das heutige Oberligaderby zwischen der HSG Hohn/Elsdorf der HSG Schülp/Westerrönfeld (20.30 Uhr, Werner-Kuhrt-Halle, Hohn) steht im Zeichen des Abstiegskampfes. Für beide Mannschaften geht es heute um wichtige Punkte für den Klassenerhalt. Die Landeszeitung sprach zuvor mit den Trainern Thies Schmalfeld und Gunnar Kociok über das Spiel, die neue Rolle in der Oberliga und die Zukunft des Rendsburger Handballsports.

Herr Schmalfeld, Herr Kociok, heute treffen Ihre Teams aufeinander. Sind Sie aufgeregt?
Schmalfeld:
Nein, warum? Es ist wie immer. Vor jedem Spiel ist man nervöser als sonst und etwas Anspannung ist vorhanden. Der Derbycharakter macht es aber eher für die Spieler zu einer besonderen Partie.
Kociok: Eine gewisse Aufregung ist da, aber ich würde es anders ausdrücken. Ich versuche mich eher zu fokussieren. Dass der Puls dann am Spieltag höher schlägt, ist wohl normal, aber ich bin nicht aufgeregter als sonst.

Fassen Sie bitte die Bedeutung des heutigen Spiels für Ihre Mannschaft zusammen.
Schmalfeld:
Es ist wie jede Woche für uns ein Vier-Punkte-Spiel. Zurzeit ist jedes Spiel für alle Teams, die unten drin stehen, enorm wichtig.
Kociok: Das Spiel ist wegweisend für uns. Nach der Rückkehr der Verletzten haben wir uns stabilisiert, jetzt gilt es, den Weg auswärts fortzusetzen. Das, was wir zu Hause gezeigt haben, wollen wir auch mal in fremder Halle umsetzen.

Wo sehen Sie die Stärken des Gegners, welche Schwächen gilt es auszunutzen?
Schmalfeld:
Die Stärken sehe ich in der Eingespieltheit, denn das Gros der Spieler steht seit Jahren zusammen auf dem Feld. Punktuell hat Westerrönfeld sich mit Leonard Jöhnk und Niklas Ranft gut verstärkt. Man meint manchmal, die HSG hätte Schwächen im Tempospiel, doch das letzte Ergebnis spricht eine andere Sprache. Insgesamt gehen sie mit weniger Risiko in die Angriffe als wir. Das muss aber keine Schwäche sein.
Kociok: Hohns Stärke ist das Heimspielrecht, wenn man sieht, dass sie da fast alle Punkte geholt haben. Zu Hause scheinen sie kämpferischer und konzentrierter zu sein. Gerald Dobratz im Tor kann Spiele allein entscheiden, dadurch kann sich Abwehr steigern und leichte Tore durch Gegenstöße einleiten. Die Schwäche ist, dass Hohn nur eine Sieben hat, die funktionieren muss. Ein Totalausfall in der Startformation, vielleicht auch bedingt durch unsere Deckung, und für Hohn wird es eng.

Wenn Sie frei wählen dürften: Welche drei Spieler der anderen Mannschaft hätten Sie gern in Ihrem Kader?
Schmalfeld:
Keinen. Deshalb haben wir vor der Saison auch keinen Westerrönfelder gefragt.
Kociok: Das wäre meiner Mannschaft gegenüber unfair, ich bin mit meinem Kader zufrieden.

Vor wenigen Jahren gehörte ihr Team zu den Spitzenmannschaften der Oberliga, es gelang sogar der Aufstieg in die damalige Regionalliga. Jetzt kämpfen Sie um den Klassenerhalt. Woran liegt das?
Schmalfeld:
Die Leistungsträger sind immer älter geworden und viele haben aufgehört. Bei denen, die noch spielen, haben sich die Prioritäten verändert und es dreht sich nicht mehr alles um Handball. Die heutige Oberliga ist außerdem eine ganz andere geworden als die vor vier, fünf Jahren. Durch die eingleisige zweite Liga sind viele gute Mannschaften durchgereicht worden. Das Regionalliganiveau von damals haben wir heute schon fast in der Oberliga. Mannschaften wie Flensburg/Handewitt oder der HSV investieren viel mehr und trainieren häufiger als wir.
Kociok: Das liegt daran, dass wir über Jahre einen gewissen Stamm hatten, mit dem wir konkurrenzfähig waren. Davon haben wir immer wieder Spieler verloren, sie aber nicht adäquat ersetzen können. Umbrüche führen nun einmal zu einem Leistungsverlust. Wir befinden uns aber auf einem vernünftigen Weg und haben uns in diesem Jahr gut verstärkt. Die neuen Spieler müssen sich leistungsmäßig noch an die Liga gewöhnen, außerdem hatten wir in der Hinserie ein eklatantes Verletzungspech.

Es gibt immer weniger Regionalderbys. Die HSG Hohn/Elsdorf schließt sich demnächst mit der HSG Hamdorf/Breiholz zusammen, die HSG Schülp/Westerrönfeld kooperiert nun mit dem Rendsburger TSV. Sieben Stammvereine in zwei Teams – wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Schmalfeld:
Die Entwicklung hat mit den weniger starken Jahrgängen zu tun, der Zulauf ist geringer geworden. Vor allem auf dem Land merkt man das, daher kommt der Zusammenschluss. Es muss wohl so gemacht werden, denn nur so bleibt der Sport erhalten. Dabei geht es auch um Geld und Hallenzeiten.
Kociok: Das ist anscheinend zwingend notwendig, sonst würde man es nicht tun. Wenn man sieht, dass Traditionsvereine wie Büdelsdorf oder Owschlag, die ohne Spielgemeinschaft auskommen, überregional keine Rolle mehr spielen, spricht das dafür. Früher gab es keine Nachwuchsprobleme, was nicht nur demographische Gründe hat. Das Scouting der Bundesligisten Flensburg, Kiel und Hamburg erschwert die Lage. Ab der C-Jugend wandern die jungen Talente zu den Bundesligaclubs und fehlen dann in den Dörfern. Außerdem verlassen viel mehr Jugendliche als früher nach der Schule ihre Heimat und spielen dann woanders oder gar nicht mehr. Das sieht man beispielhaft an unserer überragenden A-Jugend-Mannschaft von 2009. Die sind alle weg.

Glauben Sie, dass es langfristig eine „HSG Rendsburg“ geben wird oder der Handball in den Dorfvereinen ausstirbt?
Schmalfeld:
Ich hätte kein Problem mit einer großen HSG. Ich glaube aber, dass die Entwicklung nicht von oben nach unten, sondern andersherum verlaufen sollte. Man sollte mit einem gemeinsamen Jugendjahrgang beginnen und ihn mehrere Jahre hochwachsen lassen. Ich glaube aber nicht an ein Aussterben des Dorfhandballs. In der Planung hat man gesehen, wie schwer es schon war, dass sich alle in unserer neuen HSG einig wurden.
Kociok: Ich fände so eine Entwicklung schade, denn wohin soll das führen? Man muss da extrem aufpassen, dass nicht bald nur noch Kreise gegeneinander spielen. Schon jetzt müssen Kreisoberligisten teilweise genauso weit fahren wie wir in der Oberliga. Außerdem sieht man ja schon in Hohn, welche Schwierigkeiten man hat, vier Vereine zusammenzukriegen. Da kann ich mir nicht vorstellen, dass mal eine HSG Rendsburg dabei herauskommt. Der Trend geht aber leider in diese Richtung.

Lassen Sie sich zu einem Ergebnistipp für das heutige Spiel hinreißen?
Schmalfeld:
Nein. Es wird aber eng werden.
Kociok: Ich tippe nie vorher, weil ich nie genau weiß, wie welche Mannschaft funktioniert. Wir fahren nach Hohn, um etwas Zählbares mitzunehmen.

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