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Handball : Kociok „Ich bin nicht zufrieden“

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gunnar Kociok ist ein Mann der klaren Worte. Im Interview mit der Landeszeitung nimmt der Trainer der SH-Liga-Handballer des TSV Alt Duvenstedt kein Blatt vor den Mund und sagt deutlich, woran es bei seinem Team hapert.

In zehn Tagen erfolgt der Anpfiff zur neuen Saison in der Handball-SH-Liga der Männer. Während man bei der HSG Eider Harde und der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg einen Platz im oberen Tabellendrittel als Saisonziel angegeben hat und insgeheim mit dem Wiederaufstieg in die Oberliga liebäugelt, legt man beim TSV Alt Duvenstedt die Messlatte nicht ganz so hoch. Grund dafür ist eine durchwachsene Vorbereitung, wie Trainer Gunnar Kociok im Interview mit der Landeszeitung verrät.

Herr Kociok, Ihre erste Saison als Trainer des TSV Alt Duvenstedt war sehr durchwachsen. In der Abschlusstabelle belegte der TSV nur Rang 8. Was ist in der neuen Spielzeit von Ihrer Mannschaft zu erwarten?
Das schlechte Abschneiden in der Vorsaison hatte seine Gründe. Wir hatten viele personelle Probleme, die ein besseres Ergebnis verhindert haben. Ob die kommende Saison besser wird, weiß ich nicht. Ich kann und will zum jetzigen Zeitpunkt noch kein konkretes Saisonziel definieren. Fakt ist, dass wir eine sehr schwierige Vorbereitung hinter uns haben und ich mit dem derzeitigen Stand der Mannschaft nicht zufrieden bin.

Warum nicht? Was lief schief in der Vorbereitung?

Die Trainingsbeteiligung war sehr wechselhaft. Wo die Jungs Spaß dran haben, ist auf den Sommerturnieren mit ihren Kumpels zu spielen. Da lassen sie kein Turnier aus. Wenn es dann aber in die Phase geht, wo man sich intensiv auf die Saison vorbereiten muss, ist der eine oder andere Termin dann doch wichtiger. Es scheint bei einigen noch nicht so ganz angekommen zu sein, dass man ab und zu auch mal zum Training kommen sollte. Wir bewegen uns allerdings auf einer Ebene, auf der ich die Spieler nicht zum Training zwingen kann. Und es ist ja auch nicht so, dass alle nicht wollen. Wenn ich jetzt einen Studenten habe, der finanziell von zu Hause nicht unterstützt wird, dann muss der in den Ferien arbeiten. Aus meiner Truppe sind drei, vier Leute bei einem Lohnunternehmer. Wenn das Wetter schlecht ist und sie nicht raus können, dann kommen sie zum Training. Wenn das Wetter gut ist, dann sind sie bis spät in die Nacht unterwegs und kommen eben nicht. Das muss ich akzeptieren. Grundsätzlich bleibt aber festzuhalten, dass sich die Prioritäten der Spieler im Vergleich zu früher verschoben haben. Handball spielt nur noch eine Nebenrolle, nicht mehr die Hauptrolle.

Wo hat Ihre Mannschaft denn noch Defizite?
Vorne wie hinten, das haben die jüngsten Testspiele gezeigt. Durch die immer wieder wechselnden Besetzungen im Training konnten wir nicht an unserem Gesamtkonzept arbeiten. Uns fehlen zwei, drei Wochen. Ich kann nur hoffen, dass wir ab September kontinuierlich trainieren und dann gewisse Dinge aufholen können.

Ist die Mannschaft denn überhaupt konkurrenzfähig?
Über kurz oder lang sicherlich. Es kommt nur darauf an, wie schnell wir zu einer Einheit zusammenfinden. Natürlich haben die Spieler auf den einzelnen Positionen eine gewisse Qualität, aber sie müssen auch miteinander Handball spielen. Daran hapert es noch. Unser Spiel lebt noch zu sehr von der Wurfkraft eines Einzelnen. Da sind zu viele Spieler, die nach dem Motto „Tot oder Leutnant“ agieren. Es fehlt in weiten Teilen bei uns die handballerische Intelligenz. Wir haben zu wenig Spieler, die auch einmal den freien Nebenmann sehen.

Muss man als Trainer dann vielleicht nicht von seiner Philosophie abweichen und die Mannschaft den Handball spielen lassen, den sie am besten kann?
Ich bin im letzten Jahr in Alt Duvenstedt angetreten, um den Handball ein wenig zu kultivieren. Ich möchte den Spielern mehr Freude am Spiel vermitteln und ihnen andere Lösungen als Gewaltwürfe aus dem Rückraum aufzeigen. Das ist ein schwieriger Weg, aber ich bin guter Dinge, dass mir das gelingt. Ansätze sind ja auch schon zu sehen. Sicherlich hätte ich mir zur neuen Saison den einen oder anderen Spieler gewünscht, der meine Vorstellungen von Handball vielleicht mehr erfüllt. Aber wir sind nun einmal kein Verein, der Geld für Spieler in die Hand nehmen kann. Wir freuen uns ja schon über jeden, der bei uns anheuert. Also musst du als Trainer mit dem Vorlieb nehmen, was du bekommen hast, und da versuche ich als das Beste draus zu machen. Aber das dauert. Deshalb sind Meisterschaft oder Aufstieg, wie es andere Mannschaften für sich reklamieren, auch keine Option.

Mit Dany Jüschke haben Sie kurz vor dem Saisonstart noch einen erfahrenen Kreisläufer hinzubekommen. Wie fit ist er? In wie weit kann er der Mannschaft schon helfen?
Dany war lange verletzt (Achillessehnenprobleme, d. Red.). Deshalb hat er zuletzt bei der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg kaum noch gespielt und war anscheinend auch keine Option mehr für die neue Saison. Er hat nach der langen Pause körperlich sicherlich noch etwas Nachholbedarf, aber ich bin froh, dass ich ihn habe, weil wir nach dem Weggang von Matthias Koslowski im Winter ein Problem auf dieser Position hatten und lange Zeit nicht klar war, ob uns auch noch Sven Petersen verlässt oder nicht. Zudem bringt Dany jede Menge Erfahrung mit und kann vor allem den jungen Spielern helfen. Meine Spieler müssen sich aber erst einmal wieder dran gewöhnen, dass da jetzt einer am Kreis steht, den sie auch anspielen können.

Wie schätzen Sie in dieser Saison die Liga ein? Wer wird es schwer haben die Klasse zu halten? Wer hat die besten Chancen auf die Meisterschaft?
Das ist schwierig zu sagen. Die Ergebnisse von Vorbereitungsspielen haben immer nur eine begrenzte Aussagekraft und sollten nicht überbewertet werden. Aufsteiger HSG Ostsee N/G hat als Ziel den Aufstieg in die Oberliga ausgegeben, also werden die sicherlich zu beachten sein. Aber auch die HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg oder die HSG Eider Harde haben gute Chancen. Oben wie unten kann in dieser Saison alles passieren, weil es keine potenziellen Kandidaten gibt, wo man sagt, die schlagen wir mal eben mit Links, wie letztes Jahr beispielsweise die SG Bordesholm/Brügge oder HSG Henstedt/Ulzburg II. Das wird eine ganz knackige Saison für alle Teams.

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erstellt am 03.Sep.2015 | 06:01 Uhr

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