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American Football : Knights nehmen neuen Anlauf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach einer verkorksten Saison und dem Rückzug aus der Verbandsliga planen die American Footballer der Rendsburg Knights einen Neuaufbau in der Landesliga. Die Nachfolge von Trainer Malte Kühl hat Olaf Thies angetreten.

„Good job. You did a good job.“ Olaf Thies ist begeistert. Mit großer Freude kommentiert Thies die Leistungen der 31 Athleten, die sich in der schmucklosen Turnhalle des Marinestützpunkts in Kiel eingefunden haben, um sich bei den sogenannten Tryouts einen Platz im Team der Rendsburg Knights zu erkämpfen. „Da sind wirklich gute Jungs bei“, sagt der 48-Jährige, der vor einem Monat die Nachfolge von Malte Kühl als Headcoach der Knights angetreten hat, um American Football in Rendsburg auf ein neues Niveau zu heben. „Wir wollen weg vom Hobbysport, hin zum Amateursport“, umreißt der neue Trainer seine mittelfristigen Ziele.

Doch zunächst legt er den Fokus darauf, eine neue, konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen. Nach einer desaströsen Saison 2016, an deren Ende der freiwillige Rückzug aus der Verbandsliga stand, hat man bei den Knights die Reset-Taste gedrückt. „Wir kehren noch einmal auf Anfang zurück und wollen einen Neuaufbau“, sagt der 1. Vorsitzende Georg Ahrens. In der noch jungen Geschichte des Vereins mit dem Gründungsdatum 14. Mai 2013 hat Ahrens schon viel erlebt. Der Meisterschaft in der Landesliga und dem Aufstieg in die Verbandsliga in der Premierensaison folgten zwei magere Jahre ohne Sieg in der fünfthöchsten Spielklasse. Und bereits nach der ersten Saisonhälfte im Juli 2016 musste man sich schließlich eingestehen, dass man nicht mehr konkurrenzfähig ist. Die Rendsburger Ritter hissten die weiße Flagge und traten zur Rückrunde nicht an, weil es an Qualität, aber auch an Quantität auf dem Feld mangelte. „Das tat natürlich weh. Da lief so einiges schief“, sagt Ahrens. Doch mit der Vergangenheit will sich der „Macher“ der Knights nicht zu sehr beschäftigen. Die Zukunft verspricht wieder bessere Zeiten. „American Football existiert weiter in Rendsburg. Wir erleben gerade wieder so etwas wie einen Boom und haben großen Zulauf.“

Was auch unweigerlich mit dem Namen des neuen Trainers verknüpft ist. Denn Olaf Thies hat in der Branche einen guten Ruf. Der Berufssoldat erwarb sich als Tight End, Defensive End und Center von 1993 bis 2008 bei den Kiel Baltic Hurricanes sportliche Meriten. Größter Erfolg war 2008 der Gewinn der Meisterschaft in der German Football League Nord und der Einzug in den German Bowl, wo man den Braunschweig Lions mit 14:20 unterlag. Noch während seiner aktiven Karriere begann Thies seine Coaching-Karriere. Als Office Line Coach der Lübeck Cougars (2011), als Linebacker Coach der Hamburg Blue Devils (2013) sowie als Defense Line und Athletic Coach der Hamburg Huskies (2015) feierte Thies jeweils die Meisterschaft in der 2. Liga. Mit Aufstiegen kennt der Mann sich also bestens aus. Und nichts weniger als den Sprung in die nächsthöhere Spielklasse peilt er auch in seiner ersten Station als hauptverantwortlicher Trainer an. „Wir wollen so schnell wie möglich wieder in die Verbandsliga.“ Und deshalb verfolgt er bei den Tryouts jede Bewegung, lässt sich von seinem Trainerstab detailliert die Testergebnisse der einzelnen Stationen vorlegen. Wer ist wie schnell? Wer ist wie stark? Die Antworten liefern einen Hinweis darauf, wer wo seinen Platz im schwierigen Personalpuzzle findet.

Beim Shuffle-Run ist neben Schnelligkeit auch Wendigkeit gefragt, beim Bankdrücken und der Kniebeuge Kraft, beim Standweitsprung und -hochsprung Schnellkraft und Koordination. „Da steckt eine Menge Potenzial drin. Ich bin positiv überrascht“, sagt der Coach mit einem flüchtigen Blick auf die Daten. Doch bis zum Aufbau eines schlagkräftigen Teams ist es noch ein weiter Weg, denn viele der Athleten sind Rookies. So nennt man die Anfänger. Die in der Sportart noch Unerfahrenen. Wie Michael Möller. „Ich will einfach mal gucken, was im Football möglich ist“, sagt der ehemalige Handballer, der in der vergangenen Saison noch das Trikot der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg II getragen hat, nun aber eine neue Herausforderung sucht. „Das ist ja das Gute am Football. Jeder hat eine andere Qualität und findet seinen Platz innerhalb der Mannschaft“, klärt Thies auf. Ein zweiter Leistungstest folgt im Februar, danach wird der Coach die einzelnen Positionen festlegen. „Das wird auch von der Entwicklung der einzelnen Athleten abhängen. Jeder bekommt einen Trainingsplan für das Fitness-Studio mit auf den Weg.“ Doch es zählt nicht nur die körperliche Konstitution, auch der Kopf ist gefordert. „Es ist ein bisschen wie Denksport“, sagt Thies. Die Spieler erhalten vor Saisonbeginn ein Playbook, dessen Inhalt sie auswendig lernen müssen. In dem Heft sind sämtliche Spielzüge mit Nummern und Namen aufgelistet. Jeder Spieler muss wissen, welche Aufgabe er bei welchem Spielzug zu erfüllen hat. Deshalb steht auch Theorie mit auf dem Trainingsplan. Der Unterricht an der Taktiktafel stellt die Knights allerdings vor organisatorische Herausforderungen. Denn wer sich ein wenig mit Football auskennt weiß, dass eine Mannschaft locker 40 Spieler und mehr umfassen kann. Thies: „Wir haben auf dem Sportplatz Nobiskrug, wo wir trainieren, gar keinen so einen großen Raum für alle.“ Doch der Coach denkt nicht in Problemen, sondern in Lösungen. „Jetzt treffen wir uns bei einem Spieler, der uns sein großes Wohnzimmer dafür zur Verfügung stellt.“ Man muss sich eben zu helfen wissen. Und das alles, damit am Saisonende der Aufstieg gefeiert werden kann. Oder um es in Thies’ Worten zu sagen: „You did a good job.“

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erstellt am 28.Dez.2016 | 06:00 Uhr

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