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Tunnelbaustelle : Klinik-Mitarbeiter leiden unter dem Verkehrsinfarkt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Personal der Imland-Klinik protestiert mit einer Unterschriftenaktion gegen die desolate Situation auf den Straßen um Rendsburg. Die Klinikleitung fordert eine zentrale Informationsstelle beim Kreis.

Andreas Brates ist zu beneiden. Der Pflegedirektor der Imland-Klinik ist nicht auf das Auto angewiesen. Vor allem muss er nicht durch den Tunnel. Brates wohnt in Rendsburg-Neuwerk – nur wenige Fußminuten von seinem Arbeitsplatz entfernt. Im größten Krankenhaus der Region bildet er damit die Ausnahme. Die meisten der 1650 Mitarbeiter – vom Chefarzt bis zur Reinigungskraft – stehen tagtäglich im Stau, seit der Kanaltunnel saniert werden. Jetzt protestieren sie mit einer Unterschriftenaktion gegen die aus ihrer Sicht unhaltbare Verkehrssituation. 589 Klinikmitarbeiter haben auf der Liste „Freie Fahrt für Imländer“, die vom Direktorium und Betriebsrat des Hauses initiiert wurde, in den vergangenen Wochen unterzeichnet. Sie soll demnächst dem Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde überreicht werden.

„Die täglichen Staus stellen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf eine harte Geduldsprobe. Das zeigt auch die große Beteiligung an der Unterschriftenaktion“, sagt Petra Struve, Ärztliche Direktorin der Imland-Kliniken. Jeder Einzelne plane mehr Zeit ein, um rechtzeitig am Arbeitsplatz sein zu können. „Auswirkungen hat die Verkehrslage aber auch auf unsere Patienten. Notfälle, etwa nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, können die Klinik nicht rechtzeitig erreichen und werden in umliegende Krankenhäuser gebracht“, so Struve weiter. Sie selbst wohnt im Kreisgebiet südlich des Kanals und verbringt morgens oft 20 bis 30 Minuten im Stop-and-go-Modus. „Ich verbringe genauso lange vor dem Kanaltunnel wie ich vorher gefahren bin.“

Die Direktorin sehnt nicht nur einen besseren Verkehrsfluss herbei, auch der Informationsfluss müsse deutlich verbessert werden. „Es muss im Kreishaus eine zentrale Anlaufstelle geben, die über die Verkehrslage im Raum Rendsburg informiert.“ Engpässe durch geplante Bauvorhaben müssten früher als bisher angekündigt werden. Etwa 80 Prozent des Imland-Personals käme mit dem Auto zur Arbeit. Die Mehrheit nutzt den Kanaltunnel, da es von dort bei normaler Verkehrslage nur wenige Minuten bis zum ehemaligen Kreiskrankenhaus in der Lilienstraße sind.

Unterstützt wird Petra Struve von Imland-Geschäftführer Martin Wilde. „Wir richten mit der Unterschriftenaktion einen Aufruf an die Politik, zukünftig über Baumaßnahmen rechtzeitiger zu informieren. Nur so können wir als Schwerpunktkrankenhaus, das für die medizinische Versorgung von rund 270 000 Menschen in der Region verantwortlich ist, entsprechende Maßnahmen einleiten“, sagt der scheidende Imland-Chef, der Mitte kommenden Jahres nach Flensburg wechselt (wir berichteten). Schon vor Monate hatte Wilde darauf aufmerksam gemacht, dass sein Haus durch die Folgen der Dauerbaustelle finanzielle Einbüßen hinnehmen müsse. Wegen der Verkehrsprobleme sei die Auslastung der Klinik gesunken. Während der gleichzeitigen Teilsperrung der Rader Hochbrücke und des Kanaltunnels habe Imland pro Woche 75 000 Euro weniger verdient als erwartet.

Nicht immer geht es allerdings nur um entgangene Einnahmen oder verlorene Freizeit, wenn die Gesundheitsspezialisten unter dem Verkehrsinfarkt zu leiden haben. Oft geht es um Leben und Tod, wie Petra Struve erklärt: „Viele unserer Mitarbeiter leisten Rufbereitschaft und müssen, wenn sie alarmiert wurden, innerhalb von 20 bis 30 Minuten in der Klinik erscheinen.“ Das jedoch sei bei einem Stau vor dem Tunnel kaum zu schaffen.

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