Eckernförde : Klinik-Kinderstation auf der Kippe

Für die Geburtshilfe in Eckernförde wird nach einer dauerhaften Lösung gesucht.
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Für die Geburtshilfe in Eckernförde wird nach einer dauerhaften Lösung gesucht.

Imland-Geschäftsführung will Pädiatrie abschaffen und kleine Patienten in anderen Abteilungen behandeln lassen / Sorge um Geburtshilfe

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23. März 2017, 11:35 Uhr

Der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Gesellschafter der Imland-Klinik kämpft derzeit um die Kinderstation am Standort Eckernförde. Seitdem die Abteilung am 1. November des vergangenen Jahres bis auf weiteres geschlossen wurde, schlägt das Thema hohe Wellen. Denn vor allem werdende Mütter und Hebammen befürchten, dass damit auch die Geburtshilfe in Eckernförde langfristig auf der Kippe steht. Alle Fraktionen des Kreistags haben sich für den Erhalt der Kinderstation ausgesprochen. Gestern tagte der Hauptausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung, am kommenden Montag wird eine Entscheidung des Kreistages erwartet.

Hintergrund der zunächst vorläufigen Schließung ist, dass sich zuletzt nicht mehr genug Ärzte für die Pädiatrie gefunden haben. Denn an der Eckernförder Klinik werden Kinder nach dem Belegarzt-Modell behandelt. Das bedeutet, dass niedergelassene Kinderärzte sich den Dienst in der Klinik reihum teilen. Wegen Personalproblemen in der Klinik habe sich die Arbeit jedoch derart verdichtet, dass die externen Kinderärzte nicht mehr in der Lage waren, ihre Dienste zu leisten, heißt es aus den Kreisen der Ärzte. Die Folge: Sie stiegen nach und nach aus. Denn ihre eigenen Praxen konnten sie auch nicht brachliegen lassen.

Die Versorgung von Kindern wurde dennoch aufrechterhalten. Das übernehmen andere Abteilungen der Klinik. Das soll nach dem Willen des Geschäftsführers Dr. Hans-Markus Johannsen nun auch so bleiben, denn er plädiert dafür, die Belegabteilung abzuschaffen. Erkrankte Kinder und Jugendliche sollen in der Orthopädie, Unfall- und Allgemeinchirurgie sowie Inneren Medizin ambulant oder stationär versorgt werden. Zudem soll eine pädiatrische Vormittagspräsenz sowie ein kinderärztlicher Rufdienst eingerichtet werden, an dem auch die bisherigen Beleg-Kinderärzte beteiligt sind. Ob es zu dieser Lösung kommt, entscheiden nun die Politiker des Kreistages. Das wird mit Spannung erwartet, denn es hat sich bereits eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Kinderstation gebildet, die sogar mit einer großen Kundgebung im Ostseebad auf sich aufmerksam machte. Die Befürchtung: Wenn die Kinderstation geschlossen wird, hat auf lange Sicht auch die Geburtshilfe, die ebenfalls dem Belegmodell folgt, keine Chance.

So weit wollen es die Kreistagsfraktionen nicht kommen lassen. „Zum Erhalt der Geburtsstation muss die notwendige kinderärztliche Versorgung, wie sie bisher über die Kinderstation erfolgte, sichergestellt werden“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Kai Dolgner. Und: „Die SPD wird einer Schließung der Geburtsstation nicht zustimmen und favorisiert das Belegmodell.“ Im Zweifel werde seine Fraktion auch einer Hauptabteilung mit angestellten Ärzten den Vorzug geben. Ähnlich sieht das auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Manfred Christiansen. „Natürlich ist eine bedarfsgerechte Kinderstation wünschenswert“, sagte er. Ob als Beleg- oder Hauptabteilung müsse geprüft werden. Laut Gudrun Rempe von den Grünen habe es „absolute Priorität“, dass die beiden Kliniken in Eckernförde und Rendsburg in kommunaler Verantwortung bleiben. „Das setzt voraus, dass die politischen Fraktionen im Kreis dafür sorgen müssen, dass die Imland-Klinik wirtschaftlich gesund bleibt“, so Rempe. Jan Butenschön, FDP-Fraktionsvorsitzender, erklärte: „Die Kooperation zwischen Geburten- und Kinderstation hat sich in der Vergangenheit als Erfolgsmodell erwiesen.“ Deshalb müsse die Geschäftsführung zeigen, wie die Pädiatrie wieder geöffnet werden könne. Hartmut Steins vom SSW im Kreistag stellte klar, dass seine Fraktion nicht zustimmt, wenn es darum geht, die Betten aus der Kinderstation abzuziehen. Die Kreistagssitzung findet am Montag, 27. März, um 15 Uhr statt.

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