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Klimaänderung : Klimaforscher tadelt Spitzenpolitiker

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mojib Latif kritisiert bei Vortrag in Rendsburg den Seitenwechsel ranghoher Staatsdiener, die zu „Cheflobbyisten“ in Energieunternehmen werde.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 00:34 Uhr

„Verändert der Mensch das Klima?“ Diese Frage beantworte der renommierte Kieler Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung bei einem Vortrag in der Volkshochschule Rendsburg mit einem klaren „Ja“. Hundert Besucher füllten den Musiksaal am Mittwochabend bis auf den letzten Platz.

Von 1880 bis heute sei die Durchschnittstemperatur auf der Erde um 0,6 Grad gestiegen, sagte Latif. „Das hält sich noch in Grenzen.“ In den Medien würde daraus entweder die bevorstehende Klimakatastrophe gemacht, oder die Entwicklung würde als reine Panikmache bezeichnet. Übertreibung und Verharmlosung seinen die beiden Extreme, und beide seien falsch. Der Klimawandel oder die globale Erwärmung seien Symptome für einen zu großen Ressourcenverbrauch. 90 Prozent der Energie würden aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Dadurch steige der CO2-Anteil in der Atmosphäre. Der Wert sei inzwischen so hoch wie nie. „CO2 ist wichtig, aber in der richtigen Menge“, machte der Wissenschaftler deutlich. Es sei unbestritten, dass eine CO2-Erhöhung zu einer Klimaerwärmung führe.

Dieser Temperaturanstieg erfolge nicht gleichmäßig, sei aber langfristig schon zu merken, sagte der 1954 in Hamburg geborene Mojib Latif. „In meiner Kindheit war der Winter noch ein Winter. Wenn es heute schneit, gibt es gleich eine Sondersendung im Fernsehen.“

Latif kritisierte die Weltklimagipfel, die nicht über „ernsthafte Erwägungen“ zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes hinauskämen. Und er tadelte die Tatsache, dass viele Ex-Spitzenpolitiker „als Cheflobbyisten“ zu Energieunternehmen gewechselt sind und nun deren wirtschaftliche Interessen vertreten. „Schröder zu Gazprom, Clement zu RWE.“

Der CO2-Ausstoß sei seit 2000 um 40 Prozent gestiegen, stellte Latif fest. In den letzten Jahren habe sich China dabei zum weitaus größten Verursacher entwickelt. Dabei müsse man allerdings die „grauen Emissionen“ berücksichtigen. Viele Industrieländer ließen ihre Waren mittlerweile in China produzieren und trügen damit entscheidend zum hohen CO2-Ausstoß in China entscheidend bei. Zudem bleibe CO2 hundert Jahre in der Atmosphäre, so dass die USA einen Anteil von 25 Prozent daran trügen.

Latif rief dazu auf, den Anstieg des Meeresspiegels als Folge der globalen Erwärmung nicht nur für das eigene Land zu betrachten. An den deutschen Küsten könne man die Deiche erhöhen. In Bangladesch wären, wenn der Meeresspiegel nur um einen Meter ansteigt, gleich 20 Millionen Menschen betroffen. Sonne, Wind, Erdwärme und Wasserkraft müssten die Energielieferanten der Zukunft sein, forderte Latif. „Wir dürfen nichts mehr verbrennen, das ist die schlechteste Möglichkeit.“ Um die Wende zu einer sauberen Energiegewinnung zu schaffen, sei der „Druck von unten“ wichtig, rief er zu mehr Initiative von Bürgern auf. Dass bisher so wenig gegen den steigenden CO2-Ausstoß getan werde, liege an der Macht der Wirtschaft. „Alles folgt dem Diktat des Geldes.“

„Der Klimawandel ist ein wichtiges Thema. Damit werden wir andauernd konfrontiert“, sagte die Schülerin Hannah Bahr aus Borgstedt nach dem Vortrag. „Ich gehöre zu der ,nachfolgenden Generation‘, die von der globalen Erwärmung betroffen sein wird.“ Auch Cora Braun aus Jevenstedt war von Latifs Ausführungen angetan. „Er hat viele Zusammenhänge deutlich gemacht.“

Der Vortrag zum Klimawandel wurde von der Volkshochschule in Zusammenarbeit mit der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft veranstaltet. Deren Sektionsleiter Rendsburg, Dr. Jörg Dieter Herrlinger, freute sich über die große Resonanz. „Hundert Besucher – so viele hatten zuletzt vor zwei Jahren zum Thema Islam.“

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